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StartseiteHintergrundAggressiv auf dem Platz10.08.2007

Aggressiv auf dem Platz

Doping im Profi-Fußball

Exponierte Mitglieder der Fußballfamilie brechen ihr Schweigen: Doping mit dem Aufputschmitteln sei Ende der Achtzigerjahre an der Tagesordnung gewesen, sagt etwa der frühere Bundesligatrainer Peter Neururer. Auch Nationaltorhüter Jens Lehmann will als junger Spieler solche Praktiken beobachtet haben. Doch die zur Zeit am haüfigsten vertretene Meinung ist die, dass Doping im Mannschaftssport Fußball keine Rolle spielt und wenn, dann völlig wirkungslos wäre.

Von Heinz Peter Kreuzer

Der Endspielball (AP)
Der Endspielball (AP)
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Hermann Neuberger
"Und es ist nicht nur meine Meinung, sondern die des gesamten Präsidiums, Vorstandes und Beirates des DFB, dass wir glauben, dass für den Fußballsport insgesamt Doping nicht die Rolle spielt."

Theo Zwanziger
"Den Fußballern in Deutschland klarzumachen, dass unsere Sportart in Deutschland dopingverseucht wird, ist Unsinn. Das hat keinen Zweck und wird nicht gelingen."

Diese Behauptung wiederholten die Fußballfunktionäre in der Vergangenheit gebetsmühlenartig. Dabei hatte Franz Beckenbauer schon im Jahr 1977 erklärt: Medizinisch sei in der Bundesliga noch alles erlaubt, was den Spieler zu Höchst- und Dauerleistungen treibe, es werde geschluckt und gespritzt. Heute will er von dieser Äußerung nichts mehr wissen, aber mittlerweile haben andere Mitglieder der Fußballfamilie ihr Schweigen gebrochen und aus dem Nähkästchen geplaudert. Doping mit dem Aufputschmittel Captagon sei Ende der Achtzigerjahre "gang und gäbe" gewesen, hat der frühere Bundesligatrainer Peter Neururer im Mai gesagt und damit die aktuelle Diskussion vom Radsport auf den Fußball ausgeweitet.

Die ehemaligen Spieler und heutigen Trainer Benno Möhlmann und Hans-Werner Moors bestätigen Neururers Darstellungen. Auch Nationaltorhüter Jens Lehmann erzählt, dass er als junger Spieler solche Praktiken beobachtet habe. Der Teamarzt des Deutschen Fußball-Bundes, Tim Meyer, bestätigt im Gegensatz zu seinen Vorgängern die Dopinggefahr im Fußball.

"Es ist sicherlich denkbar, dass die sportliche Leistung im Fußball durch Medikamente gefördert wird. Daher wäre es sicherlich aus medizinischer Sicht nicht richtig zu sagen, das ginge nicht."

Zuletzt ist durch die spanische Dopingaffäre um den Frauenarzt Eufemiano Fuentes und die zahlreichen Skandale im Radsport auch der Lieblingssport der Deutschen unter Druck geraten. Hauptvorwurf: Der DFB kontrolliere so gut wie nie im Training. So nahmen die Dopingfahnder im Vorjahr 886 Proben nach dem Spiel, im Training wurde dagegen nur 87 Mal kontrolliert. Normal ist im Leistungssport ein Verhältnis von etwa 50:50. Christoph Niessen, Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada, sieht da aber einen Unterschied:

"Das liest sich zunächst einmal dramatischer, man muss aber zunächst einmal berücksichtigen, eine Spielsportart ist ganz anders zu bewerten als eine Individualsportart mit relativ wenigen Wettkampfhöhepunkten. Fußball ist in 50 Wochen im Jahr im Wettkampf, insofern findet dort eine Vermischung statt von Trainingskontrollen und Wettkampfkontrollen. Man könnte sogar sagen, Wettkampfkontrollen sind fast Trainingskontrollen."

Professor Mario Thevis vom Kölner Doping-Kontroll-Labor sieht das ähnlich. Es gebe aber auch Zeiten, in denen Trainingskontrollen durchaus Sinn machten:

"In Phasen, in denen solche hohe Frequenzen der Spiele stattfinden, ist sicherlich die Gefahr, dass ein Athlet häufig getestet wird, sicherlich hoch, und dementsprechend ist die Versuchung, dass man zu Dopingmitteln oder zu unterstützenden medikamentösen Maßnahmen greift, sicherlich geringer. Aber die Vorbereitungsphase auf die Wettkampfzeit, die ist mit Sicherheit noch besser zu kontrollieren."

Deshalb will das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes Ende August beschließen, in Zusammenarbeit mit der Nada mehr Trainingskontrollen durchzuführen. Der Medizin-Professor Wilfried Kindermann, der seit vielen Jahren für den DFB tätig ist, und noch 1990 Fußball als sauberen Sport bezeichnet, kündigte nach dem Doping-Symposium des DFB im Juli in Stuttgart große Taten an.

"Wir haben beschlossen, dass die Anti-Doping-Kommission des DFB und die Nada ein Konzept entwickeln, für Trainingskontrollen und zwar Zielkontrollen in dopingsensiblen Phasen, beispielsweise Vorbereitungsperiode und Winterpause, wenn konditionell neu aufgebaut wird oder auch die Rehabilitationsphase nach Verletzungen."

Auf diese Ankündigung reagierte Bayer Leverkusens Chef Wolfgang Holzhäuser, zum damaligen Zeitpunkt noch Präsident der Deutschen Fußball-Liga, überrascht.

"Ich war schon als Präsident eines Vereines überrascht, in der Zeitung lesen zu müssen, dass schon ein gewisser Herr Kindermann erklärte, dass es demnächst Trainingskontrollen geben soll, die der DFB und die DFL gemeinsam beschlossen hätten. Nach meiner Information ist das ausdrücklich falsch. Auf der Versammlung, die da stattgefunden hat, ist konkret nicht über Trainingskontrollen gesprochen worden. Und eine Beschlussfassung zwischen DFB und DFL ist mir auch nicht bekannt."

Endgültige Klarheit wird wohl erst die DFB-Präsidiumssitzung Ende August bringen. Aber nicht nur die Funktionäre, auch die Spieler seien für das Thema Doping sensibilisiert, sagt Nationalmannschaftsarzt Meyer.

"Das merkt man eigentlich insbesondere daran, dass sie selbst bei banalen Dingen, wo ich selbst gar nicht auf den Gedanken kommen würde, dass da eine Dopingproblematik drinsteckt, dass sie sich da eben sicherheitshalber erkundigen."

Und auch die Bundesligisten behüten ihr Kapital, damit sie nicht in eine Dopingfalle tappen. Ein potentielles Problem sind die Nationalspieler aus den vielen verschiedenen Ländern, die während ihrer Länderspieleinsätze nicht unter der direkten Kontrolle ihrer deutschen Clubs stehen. Deshalb gibt es bei Bayer Leverkusen klare Vereinbarungen, erklärt Vereinschef Wolfgang Holzhäuser.

"Wir haben einen Stab von Vertrauensärzten in den verschiedenen Richtungen. Ob das der Hautarzt ist, ob das Urologe ist, ob das Internist, der Kardiologe ist. Mit denen arbeiten wir sehr eng zusammen auf vertraglicher Basis. Die Spieler bekommen eine Liste, zu welchem Arzt sie mit welchen Beschwerden zu gehen haben. Es wird darüber hinaus auch koordiniert, zu welchem Arzt sie gehen, wir koordinieren auch die Termine. Und sie sind selbstverständlich auch darüber informiert, zu welchem Arzt sie gehen dürfen oder nicht. Wenn sie darüber hinaus bei ihrer Heimatnationalmannschaft Tabletten, Medikamente bekommen, dann sind sie verpflichtet, dies hier vorzulegen und uns zu informieren. Das tun sie auch, wir haben bisher keine Probleme gehabt."

Aber noch immer gibt es Verbesserungsbedarf beim Umgang der Sportler mit dem Thema Doping, wie ein Ausschnitt aus Sönke Wortmanns WM-Film "Sommermärchen" zeigt. Die Szene ist ein eindrucksvolles Gegenargument zur fleißig formulierten Mär vom wirkungsvollen Anti-Doping-Kampf im Fußball. Stürmer Oliver Neuville muss nach dem deutschen 3:0-Sieg gegen Ecuador eine Urin-Probe abgeben, ein Herr in Anzug und Krawatte begleitet ihn auf die Toilette, doch Neuville erklärt leicht beschämt: "Wenn da jemand ist, kann ich nicht." Schließlich darf der Fußballer allein in den Raum, der Kontrolleur schleicht - mit sichtlich schlechtem Gewissen - vor einem knapp geöffneten Türspalt umher. Mehr als Neuvilles Rücken sieht er nicht. Als der Fußballer mit gefülltem Becher herauskommt, lächeln alle erleichtert. Einen solchen Test hätten sich alle Beteiligten getrost sparen können. Der Zusatz eines sandkorngroßen Stückes bestimmter Chemikalien würde nämlich ausreichen, um eine Probe zu verändern und somit unbrauchbar zu machen. Auch andere Manipulationsmöglichkeiten sind inzwischen bekannt. Wäre Neuville ein Doper - diese Kontrolle hätte er nicht fürchten müssen. Die Effektivität der Kontrollen hängt also zum einen von der Qualität ab, zum anderen vom richtigen Zeitpunkt. Das ist auch der Grund dafür, dass Trainingskontrollen eingeführt werden sollen. Dadurch könnte man die Spieler in einem möglichen dopingintensiven Zeitraum erwischen. Es hat aber zahlreiche Skandale und eine Menge öffentlichen Drucks gebraucht, bis sich die Verantwortlichen zu den Trainingskontrollen durchringen konnten. Genauso wie 1988, als die Wettkampfkontrollen eingeführt wurden. Einer der Auslöser war das 1987 erschienene Buch "Anpfiff" von Toni Schumacher. Darin schrieb er auch über Doping im Fußball. In seinem Buch heißt es:

Der Vorstand sprach wieder mal von einem Schicksalsspiel, wieder einmal ging es angeblich um das Überleben eines Vereins. Einige Kölner Mitspieler probierten das Zeug aus. Querbeet und wahllos schluckten wir Hustensäfte, die die höchsten Dosen an Ephedrin enthalten. Die saftgestärkten Kollegen flitzten wie Teufel über den Rasen. Es gab Nationalspieler, die waren im Umgang mit der Stärkungschemie regelrecht Weltmeister. Unter ihnen ein Münchener Spieler, den wir als wandelnde Apotheke zu bezeichnen pflegten.

Schumacher ging sogar so weit, einen Selbstversuch zu wagen.

Ich hab geschrieben, ich habe im Training selbst Dopingmittel ausprobiert, sonst hätte ich gar kein Urteil darüber erlauben können. Ich hab geschrieben, was passiert, wenn du gedopt hast. Und was dann nachts abläuft. Dass man Schweißausbrüche kriegt, dass man nicht schlafen kann, dass man Herzflattern kriegt, und aus diesem Grunde habe ich mehr oder weniger diese Selbstversuche gemacht. Um auch wirklich mitreden zu können. Ich glaube, das war eigentlich eine gute Sache, die ich da gemacht habe.

Die Konsequenzen für den ehemaligen Torhüter waren hart, denn die Branche bestrafte den "Nestbeschmutzer", nicht die schwarzen Schafe. Nach diesen Enthüllungen warf ihn der Deutsche Fußball-Bund aus der Nationalmannschaft und der 1. FC Köln löste seinen Vertrag mit Schumacher auf.



"Das war mit Sicherheit ein Thema, dass nicht allen gepasst hat. Ich habe es gesagt, weil ich wollte, dass unbedingt mit dieser Sache aufgehört wird. Danach ist die Dopingkontrolle eingeführt worden, ich weiß nicht ob auf Grund des Buches, aber mit Sicherheit hat es eine Rolle gespielt."

Auch in der Gegenwart verteidigt die Fußball-Familie mit Händen und Füßen die These, Doping im Fußball sei wirkungslos. Dazu sei dieser Sport zu vielseitig oder um es mit Otto Rehhagel zu sagen, "wer mit links nicht schießen könne, treffe den Ball auch nicht, wenn er 100 Tabletten schlucke". Dabei wird gerne übersehen, dass aber Eigenschaften wie Sprungkraft, Sprintstärke und Ausdauer auch chemisch beeinflussbar sind. Und bestimmte Steroide helfen nachgewiesenermaßen, wenn es darum geht, nach Verletzungen wieder auf die Beine zu kommen - die Rehabilitation ist fast gänzlich frei von Kontrollen. Der Autor der ARD-Dokumentation "Blut und Spiele", Freddie Röckenhaus, meint deshalb.

"Und sicher ist es so, dass wir einmal diskutieren müssen, wie viel Doping lohnt sich im Fußball. Es ist ja lange vom Fußball behauptet worden, es lohnt sich gar nicht. So eine technische Disziplin, das macht eigentlich alles keinen Sinn. Wenn man sich die Entwicklung des Fußballs anschaut, und das bestätigt jetzt ja auch der Team-Arzt der Nationalmannschaft. Da ist so viel Athletik und Dynamik jetzt hereingekommen in diesen Sport, dass es sich sehr wohl wahnsinnig lohnt zu dopen, und zwar sowohl im Ausdauer- als auch im Kraftbereich, in allen Kombinationen davon. Man würde sich sehr wundern, wenn es nicht auch im Fußball sehr viel Doping gebe."


Die Motivation, seine Karriere zu riskieren, dürfte zwar tatsächlich etwas geringer sein als in anderen Sportarten, weil der Erfolg eben von vielen anderen Faktoren abhängig ist. Aber Fußball ist eben auch jene Sportart, in der mehr Geld im Spiel ist als irgendwo sonst. In Deutschland verweisen die Funktionäre gerne auf die geringe Zahl von Dopern. Seit Februar 1995 wurden nur 15 Spieler wegen Dopingvergehen gesperrt. Der Erste war der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig Roland Wohlfahrt. Der Stürmer neigte zum Übergewicht und hatte sich deshalb in einer Apotheke Appetitzügler besorgt. Er wurde für acht Wochen gesperrt. Aufsehen erregte auch der Fall des Ex-Nationalspielers Marko Rehmer vor drei Jahren. Rehmer, damals Verteidiger für Hertha BSC Berlin, hatte ohne Wissen des Mannschaftsarztes von seinem Hals-Nasen-Ohren-Arzt eine verbotene Substanz gegen Ohrenschmerzen und eine Kieferprellung eingenommen und wurde bei einer routinemäßigen Urinprobe prompt überführt. Er hätte gegen 1860 München spielen dürfen, wenn er die Einnahme des Mittelchens angezeigt hätte. Vor 20 Jahren hätte der DFB wahrscheinlich Gnade vor Recht ergehen lassen, aber nicht mehr 2004. Der Verband und auch sein Arbeitgeber reagierten drakonisch: Rehmer wurde vom Sportgericht für neun Spiele gesperrt und musste währenddessen auf sein Gehalt von rund 320.000 Euro verzichten. In Sachen Doping gebe es im Fußball noch eine Menge zu tun, sagt auch der Nada-Vorsitzende Armin Baumert.

"Der Fußball national, international ist keine dopingfreie Zone. Beweise werden auch in den letzten Monaten und Jahren sichtbar. Man muss also nicht davor Angst haben zu sagen, auch im Fußball wird weiterhin gedopt."

Belegt wird seine Aussage von den Ereignissen in den europäischen Nachbarländern. So erzählte der frühere Spieler von Olympique Marsaille, Tony Cascarino, in der Londoner "Times": In den Neunzigerjahren seien regelmäßig Spritzen verabreicht worden, die – Zitat - "schärfer, energischer und hungriger nach dem Ball" machten. Und mit Edgar Davids, Jaap Stam, Frank de Boer und Fernando Couto, alle Weltklassespieler bei europäischen Topclubs, wurden einige Stars des Nandrolon-Dopings überführt. Lazio Roms Vereinsarzt Andrea Campi entschuldigt den portugiesischen Nationalspieler Couto.

"Es ist undenkbar, dass sich Couto mit dieser Substanz dopen wollte, zumal die Dosis sehr gering ist. Das kann gar kein absichtliches Doping gewesen sein. Und deshalb kann man ihn nicht bestrafen."

Auch Giovanni Galli, Teammanager beim AC Florenz, beschönigt die Dopingaffäre.

"Die Nandrolongeschichte ist wirklich beunruhigend. Aber wir müssen jetzt erst einmal klären, ob die Spieler wissentlich mit Nandrolon gedopt haben oder, was viel wahrscheinlicher ist, Nandrolon mit zugelassenen Präparaten eingenommen haben. Dann wäre die Sache meiner Meinung nach nicht so schlimm."

Diese Abwehrhaltung ist typisch für die Branche. Alles böse Zufälle oder verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel. Nicht alle spielten dieses Spiel aber mit. Zdenek Zeman enthüllte, dass im Fußball genauso wie im Radsport systematisches Doping existierte. Weil der Tscheche, damals Trainer des AS Rom, bei seinen Enthüllungen den Verein Juventus Turin und insbesondere die Spieler Alessandro del Piero und Gianluca Vialli namentlich genannt hatte, ermittelte der Staatsanwalt Raffaelle Guariniello gegen den Turiner Klub. Es hätte wohl aber auch jedes andere Team in Italien sein können. Im Zeitraum von 1994 bis 1998, als Juventus dreimal Meister war und dreimal im Champions-League-Finale stand, habe der Mannschafts-Arzt Riccardo Agricola den Spielern nicht nur Epo, sondern auch in rauen Mengen Kreatin verabreicht, hieß es bei Gericht. Ein erlaubtes Mittel, das Muskelzuwachs, aber auch Muskelverletzungen fördert. Agricola wurde 2004 unter anderem aufgrund von systematischem Epo-Doping zwischen 1994 und 1998 zu einer 22-monatigen Haftstrafe wegen Sportbetrugs verurteilt. Nur weil das italienische Anti-Doping-Gesetz damals noch nicht in Kraft war, musste er die Strafe nicht antreten. In Sachen Epo hatte auch der Trainer von Arsenal London, Arsene Wenger, vermutet, dass in Europa systematisch mit dem Blutbeschleuniger gedopt werde, nachdem einige Neuverpflichtungen mit auffälligen Blutwerten nach London gekommen waren. Doch beim Fußball-Weltverband Fifa verschlossen sich die Verantwortlichen der Realität. Noch im Juni 2002 behauptete der Fifa-Chefmediziner bei der WM, Jiri Dvorak: Man habe keine Hinweise, dass Epo im Fußball eine Rolle spiele. Kontrollen auf Epo wurden lange Zeit nicht durchgeführt. Ein Fehler, sagt Hans Geyer vom Kölner Doping-Kontroll-Labor.

"Wenn man im Training nicht kontrolliert, dann kann Epo genommen werden, ohne dass es auffällt. Denn im Wettkampf ist das Epo, das genommen wurde, wieder abgebaut und kann nicht mehr nachgewiesen werden. Und wir wissen mittlerweile, wenn nicht kontrolliert wird, dass Dopingsubstanzen, die effektiv sind, und das ist Epo, dass die genommen werden."

Es bleibt festzuhalten: Cascarino und Zeman mit ihren Enthüllungen sind eher die Ausnahme, ansonsten herrscht wie im Radsport die "Mauer des Schweigens". Auch Arsene Wenger kam der Aufforderung, seine Vorwürfe zu präzisieren, nie nach. Für den Doping-Autor Röckenhaus gibt es eine einfache Erklärung für die mangelnde Auskunftsfreudigkeit.

"Der Fußball ist der Stärkste von allen Sportarten, zumindest in Europa, bis in die höchsten Kreise. Fußballfans sind Staatspräsidenten, ein sehr, sehr schwieriges Feld, in dem es eine Menge Einflussgrößen gibt, eine Menge Leute gibt, die dafür sorgen werden, dass der Fußball als Allerletzter enttarnt wird als eine Sportart, in der auch gedopt wird."

Die Meinung von Röckenhaus wird durch Vorgänge in Spanien bestätigt. In den Ermittlungsakten des spanischen Dopingskandals um den Mediziner Eufemiano Fuentes wurden in der Kundenliste auch Spieler von Real Madrid, FC Barcelona, FC Valencia und Betis Sevilla aufgeführt. Nach drei Morddrohungen leugnet Fuentes jetzt den Kontakt zum Fußball.

"Diese Vorwürfe erscheinen mir zu hart. Ich bestreite die Anschuldigungen, egal, ob die betroffenen Clubs dementieren oder nicht. Denn es gibt keine Beweise."

Bis heute halten sich Gerüchte, dass einflussreiche Kräfte die Madrider Staatsanwaltschaft davon abhalten, an dieser Stelle intensiver zu recherchieren. Jesus Manzano, Fuentes-Kunde und einer der ersten geständigen Radsportler, hat ebenfalls erzählt, dass er Fußballer bei Fuentes getroffen habe. Im Magazin "Stern" sagt er auch, warum er nie deren Namen verraten werde: Fußball taste er nicht an. Die Fußballwelt sei mächtig. Sie sei viel mächtiger als der Radsport, sehr viel mächtiger.

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