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StartseiteKommentare und Themen der WocheBauern selbst müssen zur Veränderung bereit sein23.10.2019

Agrarbericht der BundesregierungBauern selbst müssen zur Veränderung bereit sein

Es gebe genug Bäuerinnen und Bauern, die versuchten, auf Tierwohl und Klimaschutz zu achten, kommentiert Katharina Hamberger. Diese Landwirte sollten stärker in Erscheinung treten. Stattdessen präge bisher lautstarker Protest den Eindruck, die Branche wolle sich nicht bewegen.

Von Katharina Hamberger

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Landwirt beim Melken einer Kuh (Imago / Westend61)
Wenn der Beruf des Bauern attraktiver werden solle, gehe es nicht nur um die politischen Rahmenbedingungen, sondern auch um die gesellschaftliche Wertschätzung, meint Katharina Hamberger (Imago / Westend61)
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Der agrarpolitische Bericht der Bundesregierung zeigt, wie es der Landwirtschaft in Deutschland geht. Und von rosigen Zeiten kann man wohl nicht unbedingt sprechen. Die Zahlen weisen darauf hin, dass es nach wie vor für viele nicht mehr attraktiv zu sein scheint, in dieser Branche zu arbeiten, einen Hof zu übernehmen oder gar einen aufzubauen.

So schreitet der Strukturwandel weiter fort, sprich auch das Höfesterben - wenn auch nicht mehr so schnell. Bis 2010 lag der langjährige Mittelwert bei einem Minus von drei Prozent. Seit 2010 bis 2016 verlangsamte sich der Strukturwandel, dennoch sind es in diesen sieben Jahren insgesamt 23700 Höfe weniger geworden, ein Minus von 1,4 Prozent pro Jahr. Das ist durchaus problematisch. Denn durch weniger landwirtschaftliche Betriebe verändert sich die Struktur der ländlichen Räume. Und es öffnet das Tor für immer mehr Investoren, die landwirtschaftliche Fläche nur als Spekulationsobjekt betrachten. Sie erwerben Flächen von Bauern und Bäuerinnen die aufgeben, kaufen sich in Betriebe ein und treiben gleichzeitig die Preise so hoch, dass kleine Betriebe keine Chance mehr haben, Land zu pachten. Und das ist kein zukünftiges Problem.

Bärendienst erwiesen

Der Preis für landwirtschaftliche Flächen ist bereits massiv gestiegen - darauf verweist der agrarpolitische Bericht und auch das statistische Bundesamt. Laut letzterem musste für landwirtschaftlichen Boden 2018 2,3 mal so viel ausgegeben werden wie noch 2009. Die Landwirtschaftsministerin nennt dies alarmierend. Und alarmiert sollten Bund und Länder auch sein. Nötig ist unter anderem eine Nachbesserung des Bundes bei sogenannten Share Deals, mit denen Investoren das Vorkaufsrecht für landwirtschaftliche Betriebe umgehen können –begleitend eine Änderung des Grundstückverkehrsgesetzes durch die Länder, also des gesetzlichen Rahmens für den Kauf solcher Grundstücke. Und natürlich auch ein Nachdenken über die europäischen Agrarsubventionen – denn auch die Investoren profitieren davon.

Aber wenn der Beruf attraktiver werden soll, geht es natürlich nicht nur um die politischen Rahmenbedingungen, sondern auch um die gesellschaftliche Wertschätzung für diesen Berufstand. Das richtet sich an die Gesellschaft, aber ebenso die Bäuerinnen und Bauern selbst müssen zur Veränderung bereit sein zum Beispiel beim Thema Klimaschutz. Das wissen auch viele Landwirte und Landwirtinnen - es gibt genug, die versuchen auf Tierwohl und Klimaschutz zu achten.

Diese sollten stärker noch in Erscheinung treten - auch ihre Probleme mit politischen Entscheidungen erklären. Stattdessen sind es vor allem diejenigen, die sich lautstark wehren, die den Eindruck der Landwirtschaft prägen. Es bleibt vor allem hängen, die Branche wolle und müsse sich auch nicht bewegen. Das erweist den Bauern und Bäuerinnen, vor allem denjenigen, die am Status quo etwas verändern wollen, ausprobieren, Geld investieren für Tierwohl und Klimaschutz, einen Bärendienst.

Katharina Hamberger, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio - Bettina Straub)Katharina Hamberger, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio - Bettina Straub)Katharina Hamberger, Jahrgang 1985, hat Medienwissenschaft, Politikwissenschaft und Journalismus in Regensburg und Hamburg studiert. Während des Studiums arbeitete sie als freie Journalistin unter anderem für die "taz" und die "Passauer Neue Presse". Journalistische Erfahrung sammelte sie außerdem beim Bayerischen Rundfunk, der Talksendung "Anne Will" und dem "Hamburger Abendblatt". Seit Ende ihres Deutschlandradio-Volontariats 2012 arbeitet sie als freie Korrespondentin im Hauptstadtstudio von Deutschlandradio.

 

 

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