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StartseiteKommentare und Themen der WocheDas Aus des A380 ist eine überfällige Entscheidung14.02.2019

AirbusDas Aus des A380 ist eine überfällige Entscheidung

Die Entscheidung für das Aus des A380 ist richtig - aus ökologischen wie rationalen Gründen, kommentiert Brigitte Scholtes. Das Ende des Prestigeprojektes sei zudem keine Überraschung und stürze den Konzern Airbus nicht in finanzielle Nöte.

Von Brigitte Scholtes

Ein Airbus A380 (CARL COURT / AFP)
Die Produktion des weltgrößten Passagierjets A380 wird eingestellt (CARL COURT / AFP)

Es war ein Tod auf Raten. Schon Anfang vergangenen Jahres stand die A380 auf der Kippe, da aber verhandelte Airbus nochmals mit dem Großkunden Emirates, der dann 20 weitere Flugzeuge orderte. Die aber möchte er nun doch nicht, und damit war eigentlich klar: Das A380–Programm muss eingestellt werden. Es war also keine Überraschung, dass nun das Ende für 2021 verkündet wurde.

Im Jahr 2007 erstmals als Konkurrent zum Jumbo der amerikanischen Boeing ausgeliefert, hatten die Europäer sich viel von dem neuen Flaggschiff versprochen. Auch die Politik freute sich daran, schließlich sollte die A380 das neue Prestigeprojekt werden und der Welt zeigen, dass sie also als Konkurrent von Boeing ernst zu nehmen waren.

A380 - zu unflexibel, zu groß

Damals konnte man noch nicht ahnen, dass das Konzept, das dahinter stand, bald schon nicht mehr aufgehen würde. Die Großflugzeuge wie die Boeing 747 oder die A380 können nur von Großflughäfen starten. Um die Riesenflieger zu füllen, müssen die Passagiere von mehreren kleineren Flughäfen zu den großen gebracht werden. Doch auch wenn die Passagiere die zum Teil sehr luxuriös ausgebauten Riesenvögel eigentlich lieben: Sie bevorzugen inzwischen Direktflüge. Damals war das für lange Strecken nicht möglich.

Die Technik aber hat sich inzwischen so fortentwickelt, dass auch kleinere Flugzeuge wie die A350 oder die 777 von Boeing lange Entfernungen zurücklegen können. Die aber können auch wieder von kleineren Flughäfen starten. Hinzu kommt: Die modernen, kleineren Flieger sind effizienter, sie haben nur zwei statt der vier Triebwerke, sie verbrauchen deutlicher weniger Treibstoff als die A 380.

Spät gestartet, spät eingestellt

Das Pech der Europäer war, dass sie mit der A380 viel zu spät gestartet sind, dass sie geschätzte 25 Milliarden Euro verpulvert haben. Doch war es nur Pech oder hätte man nicht auch damals schon erkennen müssen, dass auch der Höhepunkt des Jumbo-Erfolgs schon vorbei war? Die Entscheidung für die A380 fiel schon unter Tom Enders, der heute zum letzten Mal als Airbus-Chef Bilanz zog. Dass er es nun ist, der auch das Aus für die A380 verkündete und damit eingestand, einen Fehler gemacht zu haben – einen teuren Fehler sogar – das gereicht ihm gleichwohl zur Ehre. So hinterlässt er zumindest auf diesem Gebiet seinem Nachfolger keinen Scherbenhaufen.

Die Entscheidung für das Aus der A380 ist richtig. Sie ist richtig aus ökologischen wie rationalen Gründen. Sie stürzt den Konzern nicht in finanzielle Nöte – er hat genügend andere attraktive Modelle anzubieten. Insofern war diese Entscheidung wirklich überfällig.

Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes, Jahrgang 1958, studierte Wirtschaftsgeschichte und Anglistik in Aachen und Bonn mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. Sie arbeitete zunächst für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die damals auch Hörfunksendungen für das Privatradio RPR produzierte, wechselte dann zur Nachrichtenagentur Bloomberg Business News. Seit 1992 Partnerin im Redaktionsbüro Business Report, das 1998 die Wirtschaftskorrespondenz aus Frankfurt für Deutschlandradio übernommen hat. 

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