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StartseiteCampus & KarriereAkademische Ei(n)fälle23.01.2012

Akademische Ei(n)fälle

Bundesweites Kabaretttreffen der Studenten in Cottbus

Dieter Hildebrandt, Georg Schramm oder auch Dieter Nuhr zählen zu zu den Renommierten in der Kabarettszene. Bei Deutschlands größtem Studentenkabarett-Festival in Cottbus schickte sich der Nachwuchs an, in ihre Fußstapfen zu treten.

Von Mirko Schwanitz

Die Zuschauer hatten in Cottbus einiges zu lachen. (Stock.XCHNG / joana franca)
Die Zuschauer hatten in Cottbus einiges zu lachen. (Stock.XCHNG / joana franca)
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Hast Du Angst, Du müsstest morgen
ohne Gurkenfrühstück geh'n
läuft dir ´ne Laus(itz) über die Leber
ist dein Auto dir zu heil
so unbenutzt dein Wagenheber
nimm die A 13
komm vorbei


Die Organisatoren staunten nicht schlecht, wer da alles der musikalischen Einladung der beiden aus Mecklenburg-Vorpommern stammenden aber ansonsten nicht vorbestraften Kabarettisten Erik Raab und Christoph Dietrich nach Cottbus folgten. Freudig konstatiert daher der Mitbegründer von Deutschlands größtem Studentenkabarettfestival, Andreas Garber:

"Wir hatten zwölf Gruppen bei der ersten Veranstaltung 1996. Mittlerweile sind wir bei 28, also haben wir die Kapazitäten mehr als verdoppelt. Wir hatten damals 90 Prozent Studenten im Publikum, heute sind wir bei 35, 40 Prozent. Das heißt, der Anteil an städtischem Publikum ist größer geworden."

Kein Wunder, denn das Cottbusser Publikum hat im siebzehnten Jahr des Festivals längst gelernt, dass es bei Programmen mitnichten nur um Credit-Points, Mensaessen und Bolognaeser-Reform geht, sondern die Sicht der jungen Leute auf den normalen Wahnsinn in Merkel-Land.

Ich wohn viel lieber neben einem AKW
als neben einem Kohlendioxid-Kraftwerk
auch im Winter gibt es Warmwasser im Badesee
und Pfifferlinge, größer als ein Gartenzwerg


Der aus der Nähe von Heilbronn stammenden und schon vier Soloprogramme alte Politikstudent Tilman Lucke ist nur eines der Talente, das schon ziemlich früh gezwungen war, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu sehen:

"Also meine Eltern, achtziger Jahre, Friedensbewegung. Das war für mich interessant – auch das ich als Kind immer bei diesen Demos dabei sein durfte. Was ein bisschen schwierig war, das war mein Vater, der Religionslehrer war… "

Nun - bleibende Schäden konstatiert Tilman Lucke nicht, im Gegenteil:

"Ich mach auch mal Witze über den Papst. Aber darauf kommt's nicht an, sondern auf die Religion als solche und da sind alle gleich. Mir kommt es darauf an, dass sich der Mensch selbst entwürdigt, durch das Abschieben von Verantwortung."

Neckar-Westheim wird Kulturhauptstadt mit Herz
schürfen nach Uran mit Erz
und man macht am Kühlsee Strandurlaub am Tag
und die Nach erleuchtet hell ein Sarkophag
und romantisch prickelt jedem wohl die Haut
doch es kann auch sein
das kommt von dem Fallout


Ob etablierte Studentenkabaretts wie das "Prolästerat" aus Magdeburg oder kabarettistische Einzelguerilleros wie die Hannoveranerin Anna Piechotta - alle spüren, dass Kabarettmachen seit der Bolognareform nicht immer nur eine lustige Sache ist. Die Folgen beschreibt Erik Lehmann vom Dresdner Kabarett "Die Herkuleskeule":

"Wer probieren will, der hat nicht viel Zeit zum Probieren, sondern er muss schon vorher wissen, was er will. Und so überträgt sich das auch auf die Hobbys. Entweder man entscheidet sich, Kabarettist zu sein, oder man macht halt Studium. Und insofern kann man schon sagen, es ist der Tod des Studentenkabaretts."

Mehr zum Thema:
Ei(n)fälle - bundesweites Kabaretttreffen der Studiosi

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