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StartseiteKommentare und Themen der WocheKanzlerkandidat Söder?11.02.2020

AKK-NachfolgeKanzlerkandidat Söder?

Markus Söder gilt als interessante Alternative für die Kanzlerkandidatur, kommentiert Tobias Krone. Er war nicht nur als Erster in der Union mit klaren Ansagen zur Stelle, als das Debakel in Thüringen seinen Lauf nahm. Der CSU-Vorsitzende hält seine Partei schon länger auf Kurs - in der Mitte.

Von Tobias Krone

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Markus Söder, CSU-Generalsekretär und bayrischer Ministerpräsident 2019 in München (AFP /Christof Stache)
Söder betont zwar immer, dass seine Zukunft in München liegt, doch vielen gilt er als interessante Alternative zwecks Kanzlerkandidatur (AFP /Christof Stache)
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Es ist schon eine kleine Sensation, die sich da in Bayern besichtigen lässt – und gerade in den bundesweiten Chaostagen der Union ist es wohl die einzige mit durchweg positivem Echo – Markus Söder gilt als der, der den Durchblick behält. Ja, der zu wissen scheint, wo die Zukunft der Konservativen liegt. Und dabei vor allem eine ganz neue Eigenschaft an den Tag legt: grenzenlose Bescheidenheit. Die Auftritte des CSU-Chefs dieser Tage, sie zeugen von einem radikalen Image-Wandel. Galt der einstige Generalsekretär der Christsozialen doch als überzeugungsfreier Machtpolitiker, der sich vor allem mit grenzwertigen Angriffen auf die politischen Gegner einen Namen machte. Und selbst in der eigenen Partei spiegelten ihm das Kollegen. Sein Vorgänger im Amt des Parteichefs, Horst Seehofer ätzte gar, Söder sei "vom Ehrgeiz zerfressen".

Es sind Zuschreibungen, die in diesen Tagen auf den Thüringer CDU-Chef Mike Mohring zutreffen, der ganz offensichtlich alles tat, um sich in seiner politischen Ohnmachtsposition durchzuwursteln. Bis die AfD diese Strategie bloßstellte – oder Mohring zumindest nicht verhinderte, dass die Rechten die Definitionshoheit über das konservativ-bürgerliche Lager übernahmen. 

Söders klare Abgrenzung nach links und rechts

Söder war als erster in der Union zur Stelle, mit einer Pressekonferenz und klaren Empfehlungen an die CDU. Erst einige Zeit später meldete sich die eigentliche Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer zu Wort – mit einem abgelesenen Zettelchen. Ein unrühmliches Bild, das den Anfang von ihrem Ende an der Spitze der CDU markierte.

Bis heute gibt Söder klare Ansagen an die orientierungslose Schwesterpartei: Mitte halten – Abstand halten sowohl zu AfD als auch zur Linkspartei. Profil bewahren. Und das Interessanteste dabei: Söder betont dabei so oft, dass sein Platz nicht im Berliner Kanzleramt, sondern in München sei – dass selbst die größten Söder-Kritiker*innen ihm langsam glauben: Söder gehe es nicht um die eigene Karriere, sondern um die Partei selbst.

Söders Einsicht: Kampf um die Ränder kostet Mitte

Der Franke schafft sich damit eine Paraderolle. Seit Monaten zählt er zu den beliebtesten Politikern Deutschlands. Doch man sollte nicht übersehen, dass noch vor knapp zwei Jahren Söders CSU sich im bayerischen Wahlkampf der AfD stark annäherte. Die umstrittene Ausweitung von Polizei-Rechten, die derzeit von Verfassungsgerichten geprüft wird, Ankerzentren, eine Grenzpolizei – die Christsozialen verloren damit ihre absolute Mehrheit und zahlreiche Wähler*innen an die Grünen.

Auch die CSU hat erlebt: Der Kampf um die Ränder kostet Mitte. Söder kämpft seitdem wieder um diese Mitte, weil er dann doch bleibt, was er ist: Machtpolitiker. Er hat verstanden: Allein aus Gründen der Selbsterhaltung sollte man als Konservativer den Flirt mit den Rechten vermeiden.

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