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StartseiteSport am WochenendeAkrobatik auf dem Pferderücken01.07.2012

Akrobatik auf dem Pferderücken

Voltigieren hat sich als Reitsportart etabliert

Das Voltigieren hat seinen Ursprung in der Kavallerie. Der Sport soll das Gleichgewicht, die Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer der Soldaten schulen. Mittlerweile haben sich die akrobatischen Turnübungen so etabliert, dass die Voltigierer die Ehre haben das CHIO eröffnen zu dürfen.

Von Arne Lichtenberg

Kürauftrtitt des RSV Neuss-Grimlinghausen beim CHIO Aachen (Daniel Kaiser)
Kürauftrtitt des RSV Neuss-Grimlinghausen beim CHIO Aachen (Daniel Kaiser)
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"Und jetzt für Deutschland: Der RSV Neuss Grimlinghausen mit Jessica Schmitz an der Longe und dem Pferd Arkansas."

Die Albert-Vahle-Halle in der Aachener Soers tobt. Schwarz-rot-goldene Fahnen werden geschwenkt, die Zuschauer klatschen, johlen, feuern an. Szenen wie bei einem Fußball-Länderspiel. Die Lautstärke beim Voltigier-Wettbewerb beim CHIO Aachen ist ohrenbetäubend.
Die aktuell beste deutsche Mannschaft, der RSV Neuss-Grimlinghausen, zeigt seine Kür. In vier Minuten müssen die sechs Voltigierer abwechselnd artistische Übungen auf dem Pferd zeigen. Bis zu drei Personen demonstrieren die Übungen gleichzeitig auf dem Pferderücken, wobei sich das Pferd im Kreis dreht. Die schwierigsten Hebefiguren ragen gar bis zu 4 Metern in die Höhe.

Die Voltigiererinnen aus Neuss sind in modische Anzüge gehüllt. Hautfarbener Stoff, dazu schwarze und pinke Applikationen. Fast wähnt man sich beim Eiskunstlauf, aber es erscheint noch spektakulärer. Der Untergrund ein galoppierendes Pferd wirkt schwieriger zu beherrschen, als eine Eisfläche.

Seit 2007 ist das Voltigieren offizieller Bestandteil im Programm des CHIO. Mittlerweile hat sich die
Sportart etabliert. Frank Kempermann, der Turnierdirektor des CHIO Aachen:

"Viele sagen: Ja, okay Voltigieren ist für Kinder, aber das stimmt natürlich nicht. Wenn die das mal sehen, ein Turnier wie Aachen oder auf Championaten. Dann gehen die dann mal gucken und sagen, och, das ist doch was besonderes was da passiert. Und was alle beindruckt ist natürlich diese Atmosphäre in der Halle."

Für die Voltigier-Bundestrainerin Ursula Ramge hat das CHIO Aachen einen besonderen Stellenwert im Jahreskalender.

"Für die Sportart Voltigieren ist das, das Highlight des Jahres. Aachen hat Voltigieren wirklich in Deutschland und auch in der Welt publik gemacht. Hier in Aachen ist die Medienpräsenz sehr, sehr groß und das ist für unseren Sport ganz, ganz wichtig."

"Lass die Füße gestreckt, ruhig sitzen, Schultern zurück. Okay, inneres Bein lang Antonia! Zieh das Bein runter."

Wir sind im Training des RSV Neuss-Grimlinghausen ein paar Tage vor dem Turnier. Die Mannschaft aus Neuss trainiert ihre Pflicht.
Ein Voltigierwettbewerb bei den Gruppen besteht aus drei Durchgängen. Einmal Pflicht und zwei Mal Kür. In der Pflicht müssen sieben Übungen auf dem Pferd absolviert werden. Die Trainerin Jessica Schmitz:

"Bei der Pflicht sieht man sofort, welcher Athlet super austrainiert ist und welcher nicht. Weil man braucht dafür alles: Spannung, Sprungkraft, Beweglichkeit, Koordination. Und das alles zu trainieren bedeutet für einen Trainer unheimlich viel Wert auf Technik zu legen und bedeutet für den Athleten unheimlich hart an sich selbst zu arbeiten."

Ein gutes Ergebnis in der Pflicht ist wichtig, denn sie ist der erste Durchgang bei einem Turnier. Hier kann sich eine Mannschaft vor der Kür einen Vorsprung erarbeiten. Bei der Kür kommt hingegen verstärkt auf die Choreographie, den Ausdruck und dem Turnen zur Musik an.

Der RSV Neuss-Grimlinghausen ist der erfolgreichste Voltigierverein der Welt. Zahlreiche Welt- und Europameistertitel schmücken den Briefkopf des Vereins. In diesem Jahr dürfen die Neusser zur WM im August ins französische Le Mans fahren, um die deutschen Farben zu vertreten. Dreimal die Woche trainiert die Gruppe. Dazu macht jeder individuell noch etwas. Mehr ist nicht drin neben Studium, Schule und Beruf.

"Manchmal denkt man schon, dass es echt eng wird, weil man ja alles gleich machen will. Man denkt ja auch schon an die Zukunft und will deshalb auch schon viel für die Ausbildung halt machen. Aber gleichzeitig ist einem der Sport ja auch sehr wichtig und die Arbeit mit den Pferden. Und dann will man halt überall sehr viel Zeit verwenden und das ist dann manchmal schon schwer zu vereinbaren."

sagt die Voltigiererin Elisabeth Simon. Eigentlich wollte Elisabeth mit fünf Jahren Reiten lernen, da sie aber noch zu jung fürs Reiten war, schickte ihr Verein sie erst einmal zum Voltigieren, um sich langsam an das Pferd zu gewöhnen. Dann blieb sie beim Voltigieren hängen. Viele kommen über diesen Weg zum Voltigieren. In Neuss ist man aufgrund der großen Erfolge des Vereins in der Nachwuchsgewinnung schon etwas weiter.

"Neuss ist deutschlandweit und weltweit ein Begriff in der Reitsportszene und der Voltigierszene und zu uns kommen die Kinder oder auch die Eltern, die ihre Kinder anmelden wollen, wegen des Voltigierens und nicht wegen des Reitsports."

In Neuss war das Training erfolgreich, denn in Aachen hat die Mannschaft das CHIO souverän gewonnen.

"Und jetzt die Noten… und Sieger des CHIO 2012: RSV Neuss-Grimlinghausen Deutschland"

Die Mannschaft scheint bestens gerüstet für den Saisonhöhepunkt der Voltigier-WM im August.

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