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StartseiteInformationen am MittagKinder aus Suchtfamilien brauchen besseren Schutz11.02.2019

Aktionswoche des Paritätischen GesamtverbandsKinder aus Suchtfamilien brauchen besseren Schutz

Rund drei Millionen Kinder und Jugendliche wachsen in Deutschland mit alkoholkranken oder drogenabhängigen Eltern auf, warnt der Paritätische Gesamtverband. Er fordert einen besseren Schutz für diese Kinder. Denn ihr Risiko, selbst abhängig zu werden, ist besonders hoch.

Von Ann-Kathrin Büüsker

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Ein Mädchen bekommt verschiedene Tabletten in die Hand geschüttet (Symbolbild) (dpa-Zentralbild/Jens Kalaene)
Der Paritätische Gesamtverband appelliert an die Bundesregierung, mehr für Kinder mit suchtkranken Eltern zu tun (dpa-Zentralbild/Jens Kalaene)
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"Entstigmatisierung und hingucken, statt aus Angst wegzugucken und nichts zu tun." Das ist aus der Sicht von Henning Mielke entscheidend, wenn es um die Betreuung von Kindern aus suchtkranken Familien geht. Mielke, der selbst aus einer Familie mit Suchtgeschichte kommt, ist Teil von NACOA, der Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien, die die Aktionswoche mitgestaltet.

Ziel ist es, Aufmerksamkeit für die laut Organisatoren rund drei Millionen Kinder und Jugendliche zu schaffen, die mit Eltern aufwachsen, die alkoholkrank oder drogenabhängig sind. Kinder, die später selbst ein erhöhtes Risiko haben, suchtkrank zu werden, wie Professor Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes betont.

"Kinder, die in suchtbelasteten Familien aufwachsen, erhalten nur wenig emotionale Unterstützung und vor allen Dingen keine verlässliche Unterstützung. Sie erleben oft extrem wechselhafte Beziehungen zu ihren Eltern bis hin zu wiederkehrenden kompletten Beziehungsabbrüchen."

Eigene Suchtgefahr erhöht

Der Paritätische Gesamtverband appelliert deshalb an die Bundesregierung, mehr für diese Kinder zu tun. Es gibt zwar bereits eine Fachgruppe des Deutschen Bundestages, die sich seit 2017 mit Empfehlungen zur Verbesserung der Situation der Kinder beschäftigt. Doch ihr Bericht verzögert sich – eigentlich sollte er bereits im letzten Sommer vorliegen, nun wird er wohl erst diesen Sommer präsentiert.

Die Organisatoren der Aktionswoche machen darauf aufmerksam, dass vor allem die Finanzierung ein großes Problem darstellt. Viele der konkreten Projekte seien auf Spenden angewiesen oder müssten von ihren Trägern querfinanziert werden, so Henning Mielke. Neben dem fehlenden Geld identifiziert er aber vor allem fehlendes Wissen als Schwierigkeit – etwa bei Lehrerinnen und Erziehern.

"Wir sehen in allen diesen Bereichen, dass das Wissen um die Problematik von Kindern mit Suchthintergrund in der Familie nicht sehr weit verbreitet ist, und dass in diesen Professionen auch häufig eine große Hilflosigkeit herrscht, wenn die mitbekommen, da gibt es so ein Problem zu Hause, dass die häufig dann aus Angst, etwas falsches zu tun, lieber gar nichts tun."

Aktiv auf betroffene Familien zugehen

Dieses Problem beschreibt auch Katharina Balmes, vom Verein Sucht und Wendepunkt. Daneben sei es eine weitere Schwierigkeit, die betroffenen Familien überhaupt zu erreichen. Balmes beobachtet in immer mehr Kommunen die Tendenz, Sozialarbeit in offene Angebote zu verlagern, statt aktiv auf die Menschen zuzugehen.

"Wir wissen, nur ein Bruchteil dieser betroffenen Kinder taucht im Jugendamt überhaupt auf und wird als von Sucht im Elternhaus betroffen überhaupt erkannt. Und selbst diese Kinder müssen Glück haben, dass suchtkompetente Jugendamtsmitarbeiter diese Problematik erkennen und auch bereit sind der betroffenen Familie, diese spezifische Hilfe zukommen zu lassen."

Daher ist die Aktionswoche der Versuch, Aufmerksamkeit zu schaffen und Wissen zu teilen. Teil der rund 120 Veranstaltungen sind vor allem viele Weiterbildungsangebote, die ein Bewusstsein für die Probleme der Kinder schaffen sollen - und auch den Druck auf die Bundesregierung und die Arbeitsgruppe des Bundestags erhöhen sollen.

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