Die Nachrichten
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18. September 2021Die internationale Presseschau

Kommentiert werden die Wahlen in Russland und Deutschland sowie die nun zweite Frau in einem Bischofsamt in Kenia. Zunächst aber ist die neue "Aukus"-Allianz zwischen Australien, Großbritannien und den USA Thema. Weil Australien deshalb einen U-Boot-Deal mit Frankreich platzen ließ, beorderte Paris seine Botschafter aus den USA und Australien zurück.

Der französische Präsident Emmanuel Macron (picture alliance/ASSOCIATED PRESS/Stephanie Lecocq)
Der französische Präsident Emmanuel Macron: Frankreich ist wegen der Absage eines Rüstungsdeals mit Australien düpiert. (picture alliance/ASSOCIATED PRESS/Stephanie Lecocq)

Dazu schreibt die australische Zeitung THE AGE: "Präsident Macron hätte es sich leicht machen können, indem er nur seinen Botschafter in Australien abberufen hätte. Schließlich war es Australien, das die Vereinbarung nicht eingehalten hat. Und im Vergleich zu den USA ist Australien ein weit entferntes und weniger wichtiges Land für Frankreich. Doch Macron entschied sich für einen Schlag nach oben und nach unten. Die Entscheidung stellt eine atemberaubende Verschlechterung der amerikanisch-französischen Beziehungen dar. Der chinesische Präsident Xi wird die Fehde zwischen zwei engen westlichen Verbündeten mit Vergnügen beobachten", glaubt THE AGE aus Melbourne.

Die türkische Zeitung SABAH bemerkt: "Seit rund einem Jahr wiederholt US-Präsident Biden immer wieder: Die USA seien zurück. Angeblich wollte das Land zu seiner alten Rolle zurückkehren und mit den Verbündeten zusammenarbeiten. Doch bisher hat Biden nichts anderes getan als zu reden. Das von der Trump-Ära bekannte einseitige Handeln wurde weiter ausgebaut. Der Abzug aus Afghanistan war das erste Beispiel dafür. Auch bei der Bildung der neuen Aukus-Allianz wurden die Europäer erst gar nicht gefragt. Sie sollten endlich aufwachen."

Nach Ansicht der brasilianischen Zeitung O GLOBO wenden sich die USA nun endgültig vom "Krieg gegen den Terror" ab: "Stattdessen will Biden den von Obama erfolglos geprobten 'Schwenk nach Asien' vollziehen, um China Einhalt zu gebieten. Die Annahme, dass die wirtschaftliche Öffnung China in eine demokratischere Gesellschaft verwandeln würde, die sich dem Westen anpasst, war illusorisch. Die Kommunisten wollen das Gegenteil: Sie wollen, dass andere Teile der Welt chinesischer werden. China steht kurz davor, die größte Volkswirtschaft der Welt zu werden und verfügt über Technologieunternehmen, die es mit amerikanischen aufnehmen können. Doch noch immer haben die Amerikaner die besten Universitäten, die Unternehmen, die das neue digitale Zeitalter gestalten, kampferfahrene Soldaten, die beste Militärtechnologie und eine dynamische und innovative Wirtschaft", merkt O GLOBO aus Rio de Janeiro an.

Die spanische Zeitung EL PAIS beobachtet: "China betreibt vor der eigenen Haustür schon länger eine Expansionspolitik durch die Besetzung kleiner Inseln, und hinzu kommt die ständige Bedrohung Taiwans. Da ist es nur logisch, dass die USA neue Allianzen in Asien schmieden. Sicher ist, dass die jüngste Entwicklung von einer unipolaren Welt hin zu einer bipolaren Welt geht. Dabei gibt es Ähnlichkeiten mit dem Kalten Krieg, aber die Konfliktlinie verläuft nicht in Europa, sondern in Asien."

Kurz nach der Verkündung der Aukus-Allianz hat China den Beitritt zum Transpazifischen Handelsabkommen CPTPP beantragt. "Nachdem der Dirigent namens USA unter Trump ausstieg, will nun China mitmusizieren", erklärt die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN: "Die Regierung in Peking will die Hauptrolle im asiatischen Wirtschaftsraum spielen. Dabei sind ihr viele hohen Hürden für den Beitritt zum CPTPP mehr als bewusst, und auch, dass der Antrag viele Staaten überrascht und irritiert hat. Mit diesem Antrag hat China überhaupt nichts zu verlieren. Vielmehr kann Peking damit Eindruck auf Washington machen und sich als offen für die internationale Zusammenarbeit zeigen."

Themenwechsel. In Russland läuft noch bis morgen die Parlamentswahl. Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN beschreibt die Lage so: "Viele Oppositionelle wurden ins Exil gezwungen oder festgenommen, viele durften nicht zur Wahl antreten. Dazu gehört Alexej Nawalny, dessen App den Wählern Empfehlungen geben sollte, welche regionalen Kandidaten die besten Aussichten gegen die Regierungspartei haben. Nun ist diese App auf einmal aus den Shops von Google und Apple verschwunden. Das ist nur eines von vielen Beispielen, wie unfrei Russland geworden ist. Freie Medien und Organisationen werden als ausländische Agenten gebrandmarkt. Unabhängige Wahlbeobachter der OSZE sind an diesem Wochenende zum ersten Mal seit 30 Jahren nicht in Russland dabei. Kaum jemand glaubt, dass die Wahl frei und fair ist", unterstreicht AFTENPOSTEN aus Oslo.

"Wie nennen wir so einen Staat?", überlegt die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER: "Das Modell ist nicht so totalitär wie Stalins Sowjetunion, und es gibt keine Brandmauer um das Internet wie in China. Aber aus unserer Sicht ist das heutige Russland trotzdem eine Diktatur. Putins Vertrag mit der Bevölkerung lautet: Ihr lasst mich herrschen, und dafür sorge ich für ein gutes Leben. Aber der Lebensstandard sinkt, die Lebensmittelpreise steigen. Der Staat mischt sich immer stärker in die Wirtschaft ein und ignoriert notwendige Modernisierungs- und Diversifizierungsmaßnahmen. Wenn etwas regiert, dann ist es die Korruption. Aber auch wenn Russland unter Putin eine Diktatur geworden ist, muss das nicht immer so bleiben. Nawalny ist bestimmt nicht der einzige Russe, der von Demokratie und Fortschritt träumt", glaubt DAGENS NYHETER aus Stockholm.

Nun zur Bundestagswahl. "Deutschland steht kurz vor einer großen Veränderung", titelt die polnische GAZETA WYBORCZA: "Der wahrscheinliche Wahlsieg des Sozialdemokraten Scholz wird das Land in völlig unbekannte Gewässer treiben. Dass die Deutschen, die plötzliche Veränderungen sonst überhaupt nicht mögen, so willig diesen Weg gehen, ist die größte Überraschung des diesjährigen Bundestagswahlkampfs. Scholz verhält sich so, als sei er bereits der Merkel-Nachfolger. Seine Reden strahlen Ernsthaftigkeit, Ruhe und Selbstbewusstsein aus. Der joviale Laschet wirkt dagegen fad. Er ist ein warmherziger Mann – er wäre für viele ein Traumnachbar. Aber die Macht in seine Hände zu legen, würde bedeuten, das Land in einer Starre verharren zu lassen, in der es seit einiger Zeit feststeckt", notiert die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.

Der österreichische STANDARD hält den Wahlkampf keineswegs für langweilig: "Es mag stimmen, dass die Protagonisten zu wünschen übrig lassen, was Charisma betrifft. Olaf Scholz ist eben kein Gerhard Schröder, Annalena Baerbock nicht Joschka Fischer, und Armin Laschet wird in diesem Leben kein Markus Söder mehr. Und doch war noch selten zuvor vor einer Wahl so vieles möglich wie jetzt. Die Fragen, wie das größte EU-Land mit dem Klima umgeht und was mit der Wirtschaft passiert, wenn Corona noch länger bleibt, werden auch unser Leben prägen. Die Antworten geben die Deutschen. Wenn das nicht spannend ist, was sonst?", fragt der STANDARD aus Wien.

Zum Schluss ein Blick nach Kenia, wo die anglikanische Kirche des Landes mit Rose Okeno gerade die zweite Frau in ein Bischofsamt eingeführt hat. Erst im Januar war die erste Bischöfin des Landes ernannt worden. Die nigerianische Zeitung THE NATION spricht von einem "Zeichen der Zeit": "Es ist ein eindeutiger Hinweis auf die Entwicklung der Kirche zu einer progressiveren und geschlechtergerechten Institution. In dieser Zeit, in der Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion von entscheidender Bedeutung sind, ist es ermutigend, dass die Institution Kirche bewusst Schritte unternimmt, um Frauen nicht nur als Helferinnen, sondern als Führungskräfte zu fördern. Studien in der Wirtschaft haben gezeigt, dass Vielfalt und Inklusion zu einer deutlich besseren Leistung von Organisationen führen. In der Kirche wird es nicht anders sein. Die Ernennung Okenos wird weiteren Frauen Türen öffnen und sie ermutigen, Führungspositionen in der Kirche und anderen männerdominierten Bereichen zu übernehmen. Kenianische Frauen werden inspiriert, sich in der Wirtschaft und sogar in der Politik hervorzutun. Denn sie haben gesehen, dass es für Frauen möglich ist, die gläserne Decke zu durchbrechen." Mit diesem Kommentar der Zeitung THE NATION aus Lagos endet die internationale Presseschau.