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StartseiteHintergrundAl Azhar - ‘Die Leuchtende’08.08.2002

Al Azhar - ‘Die Leuchtende’

Die Rolle der Universitäts-Moschee von Kairo und die ägyptische Religionspolitik im Nahost-Konflikt

Wenn gegen Mittag die Gläubigen von allen Seiten des Basarviertels Khan al Khalili zum Gebet in die al Azhar-Moschee strömen, dann herrscht in einem winzigen Büro am Rand des Innenhofs bereits seit Stunden Hochbetrieb.

Marc Thörner

Hier residiert das Komitee für Rechtsgutachten : Ein kahler Raum, ein Holzschrank mit abgeschabten Lamellen, ein alter Schreibtisch, darauf ein Telefon. Der Ort erinnert weniger an eine Moschee als an ein Detektivbüro aus amerikanischen Filmen der vierziger Jahre. Am Schreibtisch sitzt Scheich Abbas, eine Zigarette im Mund, den weißumwickelten Dienst-Fez ins Genick geschoben, eine Tasse türkischen Kaffees vor sich, den Telefonhörer in der Hand:

Sogar aus Amerika rufen die Muslime an. Jemand will zum Beispiel wissen, ob der Islam erlaubt, das Fleisch von Tieren zu genießen, die mit dem Gewehr geschossen worden sind. Ich sage: nein. Denn der Islam schreibt vor, dass jedes essbare Tier mit einem Messer geschlachtet werden muss. Andere fragen, ob sie im Falle einer lebensbedrohenden Krankheit eine Organspende akzeptieren dürfen. Ich sage: 'Ja'. Es sei denn, mit der Spende verbänden sich rein kommerzielle Interessen.

Was der Koran-Gelehrte in seinem Büro als "islamisch" oder "unislamisch" erklärt, lässt für die meisten der Anrufer am anderen Ende der Welt keine Diskussion mehr zu. Zwar kennt der Islam keine geweihten Priester, keine Bischöfe und keinen unfehlbaren Papst. - Doch lange schon hält die al Azhar den Rang der renommiertesten und deutungsmächtigsten Lehreinrichtung des sunnitischen Islam - zu dem sich rund 90 Prozent aller Muslime bekennen. Achmed Omar Hashim, der Präsident der Universität:

Die islamische al Azhar-Universität spielt seit mehr als 1000 Jahren eine überragende Rolle in der ägyptischen Gesellschaft. Aber wir bleiben nicht stehen, sondern gehen mit dem Fortschritt und sind um Modernisierung bemüht. Neben der Theologie haben wir auch neue Lehrfächer, Sprachen, Medizin, Naturwissenschaften aufgenommen.

Darüber hinaus, versuchen unsere Theologen, Antworten auf die modernen Fragen zu geben: Was sagt der Islam zum Klonen, was sagt der Islam zur Transplantation? Wir haben eine Internet-Seite, auf der wir alle Fragen beantworten. Denn der Islam ist eine friedliche Religion, die ihre Botschaft ausschließlich mit friedlichen Mitteln, mit Hilfe von Logik und Überzeugung verbreitet, alles andere ist ausgeschlossen.


Islam und Moderne - für diese Kombination könnte Omar stehen, der an der Azhar neben der traditionellen Theologie auch ein modernes Fach wie Deutsch studiert. Omar kommuniziert am liebsten per E-Mail, trägt ein modisches T-Shirt, Jeans und Turnschuhe und ist voller Stolz auf seine 1000-jährige Universität.

Ich finde, dass al Azhar-Universität die beste Universität ist, nicht nur in Kairo, sondern in der islamischen Welt ist, man kann auch in der ganzen Welt sagen, sie ist besser als die anderen. Man lernt die Religion am besten an der al Azhar-Universität.

Wir wissen mehr als andere Studenten, die an anderen Universitäten studieren und wir können auch darüber sprechen und Meinungen geben, die anderen können das nicht.


Islamhochschulen wie die al Azhar gehören weltweit zu den ältesten Formen der Universität. Entstanden sind sie seit dem 10. Jahrhundert, zunächst als Propagandazentren, um jeweils eine der unterschiedlichen Sichtweisen des Islam zu verbreiten. Später kamen neue Disziplinen hinzu: Astronomie, Chemie, Mathematik, Geschichte, Grammatik, Linguistik, Poesie und Philosophie. Zwischen den Anhängern der unterschiedlichen Rechtsschulen, ja sogar innerhalb der einzelnen Rechtsschulen selber, gab es rege Diskussionen.

Anders als zur Blütezeit der Wissenschaften gilt heute nur noch die von der Azhar verbreitete offizielle Lehrmeinung. Scheich Abbas vom Azhar-Komitee für Rechtsgutachten:

Die Scharia stammt direkt von Gott. Gott hat den unterschiedlichen Propheten diese Gesetze im Koran offenbart. Und wie Mohammed in den Hadith-Aussprüchen, haben die Propheten dann den Menschen die Gesetze erklärt. Deshalb sind alle Menschen verpflichtet, die Scharia-Gesetze als ihren Glauben anzunehmen.

Die Scharia, ein Offenbarungswerk wie der Koran - wer immer unter den Historikern, Sprach- oder Islamwissenschaftlern das Dogma von der angeblich gottgeschaffenen Scharia nicht übernimmt, wer versucht zu verfolgen, wie die Juristen durch Interpretation des Koran und der Hadith-Aussprüche des Propheten zu Rechtsschlüssen gelangten, wer fragt, welche Rolle dabei die Sprache spielte und welche politischen oder kulturellen Bedingungen den Rahmen der jeweiligen Interpretationen bildeten - wer immer also all dieses erforschen will, muss sich im heutigen Ägypten auf Zensur gefasst machen. - Said Abdel Hafis von der E-O-H-R, der Ägyptischen Organisation für Menschenrechte :

Der Staat hat ein Gesetz erlassen, nach dem das Komitee für islamische Forschung der al Azhar-Universität das Recht hat, zu jedem neuen Buch, das in Ägypten auf den Markt kommt, ein religiöses Gutachten abzugeben. Zahlreiche Veröffentlichungen zu neuen Forschungsmethoden im Islam werden auf diese Weise von der al Azhar vor dem Erscheinen beschlagnahmt, wie zum Beispiel die Bücher von Professor Nasr Hamid Abu Zaid.

International gilt Ägypten als ein "gemäßigtes" und "westlich orientiertes" Land. Außenpolitisch mag das stimmen. Innenpolitisch ist das ein Trugschluss, meint Mohammed Said al Ashmwawy. Der ehemalige oberste Richter Ägyptens arbeitet heute als Islamforscher und ist einer der kritischsten Publizisten am Nil:

Selbst der ägyptische Erziehungsminister, der ein liberaler Mann ist, gibt zu, dass sich unser Bildungssystem seit gut zwanzig Jahren in den Händen religiöser Extremisten befindet. Die Extremisten haben viele Generationen im Geiste falscher Ideen auf einer falschen Grundlage erzogen. Unzählige Ägypter haben nie den wirklichen Geist des Islam kennen gelernt. Sie verhalten sich nicht tolerant, nicht zivilisiert, nicht gebildet und nicht menschenfreundlich. Sie glauben, man müsse hart, man müsse ein Aggressor sein, und allen seine Ideen aufzwingen, um ein guter Muslim zu werden. Als sie das Bildungssystem den religiösen Extremisten überließ, hat die Regierung viel von ihrem Spielraum preisgegeben.

Wieso knüpft gerade eine internationale islamische Lehr- und Forschungseinrichtung wie die al Azhar nicht an die intellektuelle Tradition der islamischen Blütezeit an, wieso blockiert sie einen diskussionsfreudigen Islam - und wieso hilft ihr der ägyptische Staat bei der Blockade? Die Antwort liegt in Kairo, wenn nicht auf der Straße, so doch an vielen Straßenecken. Immer wieder stößt man in der Stadt auf die Gefängnisse der unterschiedlichen Sicherheitsdienste. Teils mit Wachtürmen, Stacheldraht und hohen Mauern, teils unauffällig, mitten in den Wohnvierteln. Seit mehr als 20 Jahren herrscht in Ägypten das Kriegsrecht. Seit mehr als 20 Jahren herrscht Präsident Mubarak über eine Fassadendemokratie.

Gruppierungen wie die Wafd, die Nasseristen oder andere Parteien spielen eine Statistenrolle gegenüber der nicht abwählbaren Präsidentenpartei NDP, zu der es dank regelmäßiger Wahl- und Medienmanipulation keine echte Alternative gibt. Schon jetzt wird Jamal Mubarak, der Sohn des Präsidenten, zum Nachfolger seines Vaters aufgebaut. Nicht nur Islamisten, sondern auch diejenigen, die eine echte Demokratie einfordern, finden sich schnell hinter Gittern wieder. - Said Abdel Hafis von der Ägyptischen Organisation für Menschenrechte :

Über politische Gefangene veröffentlicht die Regierung keinerlei Zahlen. Sie behauptet, es gebe cirka 5000. Nach Einschätzung der NGO's sind es um die 20 000. Folter ist an der Tagesordnung. Die gebräuchlichsten Methoden sind: Ankettung von Händen und Füßen, das Verbinden von Augen, Elektroschocks in sensible Körperteile. Die Gefangenen werden wie Schafe an der Wand aufgehängt, während ihnen die Hände auf dem Rücken gebunden sind. Nur eine einzige Bewährungsstrafe ist bisher gegen einen dieser Folterer ergangen, denn die für die Folter verantwortlichen Beamten behandelt man als wichtige Personen der Öffentlichkeit, und deshalb dauert es bei ihnen sehr lange, bis eine Anklage zugelassen wird, in der Regel rund zwei Jahre. Dann erst wird das Opfer auch von einem Amtsarzt untersucht. Viele Folterspuren sind aber nach zwei Jahren nicht mehr eindeutig nachzuweisen.

Auf eine echte demokratische Legitimation kann sich Präsident Mubarak nicht berufen. Das aber verleitet sein Regime zum Populismus.

Seit mehr als zwanzig Jahren versucht das Regime, dem so genannten "gesunden Volksempfinden" entgegenzukommen, man setzt auf Feindbilder, auf eine verschwommene "religiöse Identität", auf konturlose, doch populäre Slogans, auf religiöse Ideologie statt Religion.

Dazu bedient der Staat sich der Universität al Azhar - der wichtigsten internationalen Lehreinrichtung des Islam. Nach außen erscheint die Azhar zwar wie eine unabhängige religiöse Instanz. Tatsächlich aber ist der Rektor der Islam-Hochschule, Ahmed Omar Hashim, einer der engsten Mitarbeiter des ägyptischen Präsidenten. Er ist auch Mitglied im Politbüro von Mubaraks staatstragender NDP-Partei. Rektor Hashim dient dem Regime dazu, das als Islam zu verbreiten, was innenpolitisch von Nutzen scheint.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist das ein hermetisch abgeschlossener, unveränderbarer Islam aus dem 12. Jahrhundert - ein mittelalterlicher Islam, betrachtet durch die Brille einer zeitgenössisch-modernen Diktatur: Eine Welt voller Verbote, voller Vorschriften, voller Feindbilder, voller Regeln, die nicht hinterfragbar sind - eine Art "geschlossener" Islam als Gegenprojekt zur westlichen Moderne, die als "offen" wahrgenommenen wird.

Nur wenige Ägypter wagen es, der staatstragenden Kulturideologie eine wissenschaftliche Theologie entgegenzusetzen. Zu diesen Wenigen gehört der Linguist Professor Nasr Hamid Abu Sejd:

Mein Denkansatz kommt aus dem historischen Kontext. Ich meine, wir können nicht die eine islamische Denkschule als richtig und eine andere als falsch bezeichnen. Wir können nicht die eine Denkschule als überlegen und die andere als unterlegen erklären. Jede Denkschule ist vor dem Hintergrund einer bestimmten soziokulturellen Situation entstanden. In ein und derselben Gesellschaft finden sie ganz unterschiedliche ideologische Ansätze. Ich meine: Wir sollten alle Schulen der islamischen Theologie, der islamischen Philosophie, der Jurisprudenz, alle Varianten einer islamischen Interpretation studieren - als historisch und sozial beeinflusst. Keine von ihnen hat die Wahrheit geerbt.

Die offizielle Antwort auf diese Idee folgte postwendend. Das al Azhar-Komitee "für islamische Forschung" erklärte die Bücher Abu Zaids für "unislamisch". Ein schwerwiegendes Urteil. Hatte dasselbe Komitee doch kurz zuvor die Bücher des Schriftstellers Farag Foda als "unislamisch" indiziert, woraufhin der kritische Publizist ermordet wurde - und zwar von einem Attentäter, der sich auf das Azhar-Gutachten berief. Denn: Dürfe nicht, der Scharia gemäß, ein Gotteslästerer von jedem Gläubigen getötet werden? - Nicht alle der vielen Azhar-Professoren schätzen einen derartigen intellektuell fragwürdigen Stil. Vor allem in den modernen Fakultäten wie etwa den Sprachwissenschaften gibt es Nischen, in denen man tabulos debattiert, mit offenen und diskussionsfreudigen Gelehrte wie Professor Mansour von der Fakultät für deutsche Sprache.

Ich persönlich bin der Meinung, keiner darf einen als Ungläubigen bezeichnen, nein, keiner darf das tun. Wenn ich hier, im Jahre 2002 einen Text lese und verstehe, es genau so verstehe wie derjenige vor 800 ihn verstand, dann sage ich: nein, das geht nicht, das darf nicht, das muss nicht passieren.

Die Fakultät für deutsche Sprache und Literatur an der Islamhochschule strahlt etwas surreal Zeitloses aus. Namen wie Kant, Lessing, Schiller, Schopenhauer und Thomas Mann scheinen hier wichtiger zu sein als alle Tagesaktualität und schaffen eine Atmosphäre, in der sich scheinbar alles hinterfragen, alles diskutieren, alles kommentieren lässt.

Regelmäßig veranstaltet die Fakultät für deutsche Sprache Diskussionsrunden mit Vertretern deutscher christlicher Kirchen und deutscher Studentenorganisationen. Dort pflegt man einen kritischen und selbstkritischen Austausch zum 11. September, zum Palästina-Konflikt und über gegenseitige Klischees und Vorurteile. Professor Shahid auf der Veranstaltung:

Zum Thema Gewalt: Ich unterscheide zwischen persönlicher Gewalt und staatlicher Gewalt. Keine von beiden ist entschuldbar. Keine von beiden ist richtig.

Doch während sich Gelehrte wie Mansur und seine Kollegen von der neusprachlichen Fakultät vor dem Hintergrund der brisanten Lage in Nahost um einen Dialog bemühen, entdeckt der Staat gerade im Palästina-Konflikt ganz neue Chancen für seinen Populismus. Azhar-Rektor und NDP-Politbüromitglied Ahmed Omar Hashim:

Es ist zwar richtig, dass der Islam Angriffe nach dem Muster des 11. September ablehnt, also Angriffe auf Unschuldige und öffentliche Einrichtungen oder Institutionen. Die palästinensischen Selbstmordattentate gegen Zivilisten haben damit aber nichts zu tun. Diese Menschen betrachtet der Islam als Märtyrer. Diese Menschen sind für den Islam gestorben.

Wer die Quellen des Islam mit diesen Äußerungen vergleicht, kann sich bei solchen Statements nur verwundert die Augen reiben. Denn: Sowohl der Koran, als auch die islamische Tradition verbieten jeden Angriff auf Unschuldige, auf Zivilisten, Frauen und Kinder.

Zu den wichtigsten Würdenträgern an der Azhar gehört Scheich Farahat. Der etwa Sechzigjährige ist Direktor der Foreign Students City und als solcher zuständig für die vielen tausend ausländischer Studenten, die die Azhar-Universität besuchen. Was sagt Scheich Farahat den zukünftigen Imamen, Korangelehrten und Religionslehrern aus der ganzen Welt, wenn sie seine Meinung hören wollen, zu Selbstmordattentaten, die sich gegen israelische Zivilisten richten?

Die Geschichte der Menschheit kennt kein Beispiel eines Volks, das sich jemals so terroristisch verhalten hätte, wie es die Israelis tun. Alle Mitglieder der israelischen Gesellschaft greifen die Palästinenser an. Die israelischen Frauen greifen die Palästinenser an. Die israelischen Zivilisten greifen die Palästinenser an. Sie alle zusammen töten die Palästinenser. Wenn Palästinenser sich dann mit einem Sprengsatz in die Mitte des israelischen Volks begeben und sich in die Luft jagen, sind sie aus islamischer Sicht keine Selbstmörder, sondern Märtyrer, und wir betrachten solch einen Menschen als jemanden, der für die islamische Religion den Heldentod gestorben ist.

Statements wie diese wirken bis ans andere Ende der arabischen Welt. Und fallen auf fruchtbaren Boden.

Sie war nur 16 Jahre alt, Alter der Träume, Alter des Lebens. Sie war verliebt und wollte heiraten. Freitag, den 29. März, hat sie sich im Jerusalemer Markt in die Luft gesprengt. Durch ihre Entscheidung hat sie die Demütigung abgewaschen, die Schande, die Israel ihrem Volk aufzwingt. Der Donner ihrer Explosion, das war der Ruf nach der Würde, ein Ruf der Befreiung...

...so kommentiert die säkular orientierte marokkanische Zeitung Opinion den Selbstmordanschlag einer jungen Palästinenserin in einem israelischen Supermarkt. Und in ähnlicher Weise bejubelt die Presse in der ganzen arabischen Welt die so genannten Märtyrer, die keine sind - weder im Sinne des Islam, noch im Sinne irgendeiner anderen Religion.

Wie wird jener Islam aussehen, den Korangelehrte wie Scheich Abbas den Gläubigen in kommenden Jahrzehntem vermitteln wollen? Mohammed Said al Ashmwawy hofft auf eine längst überfällige Reform.

Worauf es wirklich ankäme, wäre eine Reform des islamischen Geistes. Der islamische Geist schwebt heute jenseits von Zeit und Raum. Wir brauchen neue Analyse-Methoden. Wir müssen die Definition jedes theologischen Begriffes klären, den wir als Muslime täglich verwenden. Tatsächlich benutzen wir viele Begriffe fahrlässig und das wirkt sich direkt auf unseren Glauben aus und stiftet Verwirrung. Man kann die Koranverse nicht richtig interpretieren, wenn man sie von ihrem historischen Zusammenhang isoliert. Wenn man das tut, kommt etwas heraus, das mit der Zielrichtung der Verse nichts zu tun hat. Genau das tun die Extremisten. Sie reißen Koranverse aus ihrem historischen, ja selbst aus ihrem sprachlichen Kontext, um sie als Slogans zu verwenden. Und das ist sehr gefährlich.

Der Schritt zu einer Theologie, die wissenschaftlichen Standards entspricht, setzt voraus, dass die Religion nicht als Vehikel benutzt wird, um einem morschen autoritären Regime die erhoffte innenpolitische Legitimation zu sichern. Bis jetzt wachen der ägyptische Staat und die Azhar mit Argusaugen darüber, dass sich am status quo nichts ändert. - Und wenn ein Azhar-Komitee demnächst wieder einmal die Schriften moderner Islamforscher verbietet, wenn die Scheichs der Islamhochschule Mörder zu Heiligen erklären - dann werden wohl auch die meisten Gläubigen wieder so reagieren wie der 24-jährige Azhar-Student Omar:

Die Gelehrten von al Azhar haben das gesagt? Dann sage ich auch: Das ist richtig. Denn sie haben immer recht.

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