Donnerstag, 25.02.2021
 
Seit 14:35 Uhr Campus & Karriere
StartseiteKultur heute"Message einer neuen Redekultur"16.01.2021

Albrecht von Lucke über die digitale CDU-Wahl"Message einer neuen Redekultur"

Auf dem ersten großen digitalen Parteitag habe Armin Laschet von den Anwärtern auf den CDU-Vorsitz am besten begriffen, wie man mit dem leeren Raum umgehen müsse, sagte der Publizist Albrecht von Lucke im Dlf.

Albrecht von Lucke im Gespräch mit Mascha Drost

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Albrecht von Lucke im Porträt (imago/Jürgen Heinrich)
Der Journalist Albrecht von Lucke (imago/Jürgen Heinrich)
Mehr zum Thema

Nach Wahlsieg Laschets zum CDU-Vorsitzenden Christian Schmidt (CSU): K-Frage müssen Unionsparteien gemeinsam entscheiden

Wahl des CDU-Vorsitzenden Widmann-Mauz: "Für uns steht gesellschaftlicher Zusammenhalt an erster Stelle"

Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden Warum Laschet gewinnt - normalerweise

Laschet, Merz oder Röttgen Rennen um CDU-Vorsitz geht in die heiße Phase

Politologe Korte über Laschet "Ein Gefühlsmanager für mutige Aktionen"

Dabei habe es technisch "ungemein gut geklappt", 1.000 Delegierte auf digitalem Wege miteinander zu versammeln, so Lucke. Die "eigentliche Ironie der Geschichte" sei gewesen, dass im Anschluss an die drei Reden der Kandidaten Merz, Röttgen und Laschet das Forum für Fragen geöffnet worden wäre. Daraufhin habe sich Jens Spahn zu Wort gemeldet. Allerdings nicht mit einer Frage, sondern mit einer "explizite(n) Werberede". Spahn habe eine "klare Wahlaussage zugunsten von Armin Laschet getätigt". 

"Er hat gewissermaßen diese Rede gehackt", folgert Lucke, der unter anderem Redakteur für die politische Monatszeitschrift "Blätter für deutsche und internationale Politik" ist. Das digitale Format habe dazu geführt, dass "digital zugeschaltete Personen" - darunter auch Spahn - den Ablauf des Wahlvorgangs gestört hätten. Dadurch werde diese Wahl im Nachhinein mit "einem ungemeinen Makel versehen" werden. Es sei der Eindruck entstanden, als habe jemand "einen Telefon-Joker" gezogen.

Digitales Format "sehr geschadet"

Das digitale Format stelle völlig neue Anforderungen, allein an die Rede. Die Message sei - in Anspielung an Marshall McLuhan - eine neue Redekultur: "In einem leeren Raum zu sprechen, ist etwas völlig anderes", so der Publizist. Dadurch seien Effekte denkbar, die "in fataler Weise" eigentlich klare Ergebnisse wieder in Abrede stellen könnten. Laschet jedenfalls habe das digitale Parteitags-Format "sehr geschadet".

Es gehe nun darum, den "Eindruck der Objektivität" aufrecht zu erhalten und keine Stimmen dominieren zu lassen, die Lucke zufolge bereits im Vorfeld dieses Parteitags davon gesprochen hätten, der Wahlvorgang sei "vom Establishment heraus gesteuert" gewesen. "Es ist ein lernender Prozess, in dem wir uns befinden", schlussfolgert er. Und die CDU habe dabei für Deutschland die Premiere geleistet.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk