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StartseiteVerbrauchertippGlyphosat-Rückstände im Gerstensaft04.06.2018

Alkoholfreie Biere im TestGlyphosat-Rückstände im Gerstensaft

Ob eher herb oder mit süßlicher Note: Alkoholfreie Biere liegen im Trend. Die Stiftung Warentest beurteilt jedes zweite Produkt mit guten Noten. Erstaunlich hoch aber sind die Werte des Pestizids Glyphosat, die mit dem Gerstensaft im Glas landen.

Von Dieter Nürnberger

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Ein Glas mit alkoholfreiem Weißbier (picture alliance / dpa)
Ein Glas mit alkoholfreiem Weißbier (picture alliance / dpa)
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Was "alkoholfrei" bei Bieren bedeutet – das ist zumindest etwas interpretierbar. Denn bei vermeintlich alkoholfreien Bieren ist gesetzlich immerhin noch ein Restalkohol von bis zu 0,5 Prozent erlaubt. In der Untersuchung der Stiftung Warentest von 20 alkoholfreien Bieren gab es mit dem Gerstensaft von "Heineken" immerhin eines, in dem tatsächlich praktisch überhaupt kein Alkohol zu finden war. Doch auch bei den anderen Bieren bestehe aufgrund des geringen Alkoholgehalts kein Grund zur Beunruhigung, so Warentester Thomas Koppmann. 

"Tatsächlich ist es so, dass alkoholfreie Biere bis zu 0,5 Volumenprozent Alkohol enthalten dürfen. Das halten sie auch alle ein. Gleichzeitig braucht man sich aber keine Sorgen machen, wenn man zwei oder drei alkoholfreie Biere trinkt, davon einen Schwips oder ähnliches zu bekommen. Weil teilweise auch andere Lebensmittel wie Säfte oder Bananen beispielsweise mehr Alkohol enthalten können."

Aussehen, Geruch und Geschmack geprüft

Generell ist Bier natürlich eine Frage des individuellen Geschmacks. Manche mögen es eher herb, andere bevorzugen eine eher süßliche Note. Für die sensorische Beurteilung wurden deshalb geschulte Prüfer engagiert, die Aussehen, Geruch und Geschmack beurteilten.   

"Die sollten vor allem auch darauf achten, ob die Biere Fehlaromen haben. Das heißt, ob sie zum Beispiel käsig riechen. Und wenn Bier solche Fehler in Anführungszeichen hatten, dann war das natürlich ein Grund für uns, sie weniger gut zu bewerten. Andere Biere, die fehlerfrei waren oder sich durch besonders fruchtige Aromen hervorgetan haben, wurden entsprechend gut bewertet."

In der sensorischen Bewertung gab es mitunter leichte Fehlaromen, doch gravierende Abwertungen waren deshalb nicht nötig. Die gab es aber wegen vergleichsweise hoher Glyphosat-Rückstände. Tatsächlich wurde das Pestizid in fast allen Produkten gefunden. Ausnahme waren die Bio-Biere. Das umstrittene Pflanzenschutzmittel schadet nicht nur der Artenvielfalt, sondern wird beispielsweise von der Weltgesundheitsorganisation auch als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft. Eine Gesundheitsgefährdung dadurch bestehe aber trotzdem nicht, sagt Warentester Thomas Koppmann, allerdings:       

"In zwei Bieren waren die Gehalte vergleichsweise hoch - nämlich im "Holsten" und auch im "Flensburger". Es ist bisher noch nicht zweifelsfrei geklärt, ob ein krebserregendes Potential besteht. Und solange es hier noch offene Fragen gibt, sind wir aus vorsorgendem Verbraucherschutz vorsichtig und werten ab, wenn hohe Glyphosatgehalte gefunden werden."  

Auf der anderen Seite gab es hinsichtlich der mikrobiologischen Qualität, hier geht es um Keimbelastungen, überhaupt keine Auffälligkeiten.

Kalorienarmer Durstlöscher für warme Tage

In der Untersuchung vorn lagen bekannte Markenbrauereien wie "Warsteiner", "Clausthaler" und "Krombacher". Auch zwei alkoholfreie Craft-Biere konnten vor allem mit ihrem Geschmack punkten. Sie stammen aus den kleinen und unabhängigen Brauereien "Kehrwieder" und "Riegele".

Fast jedes zweite alkoholfreie Bier erhielt somit eine gute Gesamtbewertung. Und als Durstlöscher an warmen Tagen eignen sie sich auch, so die Stiftung Warentest:        

"Als Durstlöscher ist rund die Hälfte der getesteten Biere einwandfrei geeignet. Es sind Mineralstoffe enthalten, die zu unserem Bedarf beitragen. Auch ist der Kaloriengehalt nicht so hoch. Ähnlich wie bei Apfelsaftschorlen - das ist bei den meisten gut. Viele Biere werden aufgrund ihrer isotonischen Zusammensetzung auch als Sportgetränke beworben. Hier ist es aber so, dass diese Biere meistens viel Kalium enthalten und wenig Natrium. Genau dieses Natrium bräuchte es aber, um beispielsweise Verluste durch Schwitzen zu kompensieren. Deswegen eignen sich die Biere nur bedingt als Sportgetränk."

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