Montag, 19.11.2018
 

Alles an Bord

Intel stellt neue Prozessoren mit integrierten Grafik- und Sicherheitsfunktionen vor

Hardware.- Intel hat auf seiner Entwickler-Konferenz in Peking ein neues Prozessor-Design vorgestellt. "Sandy-Bridge" ist sein Codename. Die Architektur wird in den nächsten Monaten in eine Vielzahl von Server-, Desktop- und Notebook-Chips gegossen.

Von Achim Killer

Vor allem im Bereich Audio und Video am Computer sollen die neuen Prozessoren Verbesserungen bringen.  (AP)
Vor allem im Bereich Audio und Video am Computer sollen die neuen Prozessoren Verbesserungen bringen. (AP)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast

"Tick Tack" nennt sich Intels Entwicklungsstrategie. "Tack" steht für eine neue Architektur, also für neue Befehle und einen anderen Aufbau des Prozessors, und "Tick" für kleinere Strukturen auf den Chips. Bis hinunter auf 32 Nanometer hat der Konzern jene inzwischen geschrumpft. "Tick" und "Tack" lösen sich ab. Und deshalb steht dieses Jahr wieder ein "Tack" an, das Sandy-Bridge-Design. Der stellvertretende Entwicklungschef David Perlmutter hat es auf der Entwicklerkonferenz in Peking vorgestellt:

"Ich zeige Ihnen jetzt einen Wafer mit Sandy-Bridge-Chips. Wir beginnen mit der Produktion im vierten Quartal dieses Jahres. Sandy-Bridge bringt einen gewaltigen Sprung nach vorne hinsichtlich der Energie-Effizienz und der Verarbeitungsleistung bei Multimedia. Wir führen eine neue Gruppe von Prozessorbefehlen ein, die Advanced Vector Extensions, um die Verarbeitung von Gleitkomma-Berechnungen zu beschleunigen."

Und was es damit auf sich hat, mit diesen Advanced Vector Extensions, das erläutert Frank Gillett vom Anlysten-Haus Forrester Research so:

"Das ist einer der vielen Technologie-Namen, die sie bei Intel haben. Im Wesentlichen verbessern diese Befehle die Verarbeitung von Audio und Video durch Computer."

Und dem dient auch die augenfälligste Neuerung, die Sandy Bridge bringt:

"Eine Verbesserung, die man leicht nachvollziehen kann, ist, dass sie die Grafik-Einheit, die bislang üblicher Weise ein eigener Chip auf der Hauptplatine war, auf dasselbe Siliziumstückchen wie den Hauptprozessor gepackt haben. Dadurch können Grafik- und Hauptprozessor den Cache gemeinsam nutzen und schneller und effektiver miteinander kommunizieren."

Schließlich werden noch spezielle Kryptographie-Befehle in das Instruction-Set aufgenommen, so dass die Prozessoren der neuen Generation schneller ver- und entschlüsseln können. Alles in allem also eher Verbesserungen im Detail und nichts qualitativ Neues, vergleichbar dem, was das noch aktuelle Nehalem-Design seinerzeit eingeführt hat.

"Die Nehalem-Architektur von vor zwei Jahren brachte einen gewaltigen Leistungssprung. Ich habe nichts gesehen, was die Vermutung rechtfertigen würde, Sandy Bridge brächte einen ähnlichen Quantensprung. Es ist wohl mehr die übliche Ablösung einer Prozessorgeneration durch die nächste. Sandy Bridge bringt bemerkenswerte Verbesserungen. Aber die sind nicht so dramatisch, wie sie bei Nehalem waren."

Die Einführung von Nehalem damals hat tatsächlich die Branche durcheinandergewirbelt. Seitdem ist nichts langweiliger als die Vorstellung eines neuen Servers, egal von welchem Hersteller. Das Innere der Rechner ist nahezu identisch, und die Entwickler versuchen, ihre Server durch Anordnung, Form und Größe der Lüftungsschlitze von einander unterscheidbar zu machen. Viel mehr geht nicht mehr im Server-Bau. Denn Intel hat die wichtigsten Funktionalitäten bereits ins Prozessor-Silizium gegossen. Server werden seitdem zusammengeschraubt wie spätestens seit den Pentium PCs. Da werden die Nischen für Spezialprozessoren eng. Und das gilt auch für Intels eigenen Hochleistungsprozessor. Gartner-Analyst Andrew Butler vermutet denn auch, dass Intel seine beiden Prozessorlinien bald zusammenführen wird.

"Obwohl darüber noch nichts veröffentlicht worden ist, sind wir doch der festen Überzeugung, dass am Ende der Xeon- und der Itanium-Befehlssatz auf einen einzigen Prozessor zusammengefügt werden."

Wegen des Itanium wurden seinerzeit konkurrierende Hochleistungsarchitekturen wie PA-RISC und Alpha aufgegeben. Jetzt gräbt Intel mit seiner Standard-Architektur dem Chip, der das große Prozessor-Sterben eingeläutet hat, selbst das Wasser ab. Alle Anzeichen deuten darauf hin. So kommt etwa dieser Tage ein unmissverständliches Signal aus Redmond: Microsoft wird kein neues Windows mehr für den Itanium entwickeln.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk