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StartseiteCampus & Karriere"Alles was zum Leben ist, ist in Deutschland sehr teuer"15.06.2009

"Alles was zum Leben ist, ist in Deutschland sehr teuer"

Eine Umfrage unter ausländischen Studierenden über ihr Leben in Hochschuldeutschland

Eine unbekannte Sprache, ein anderes Klima, Menschen mit einer anderen Mentalität. Wer aus dem Ausland kommt, um in Deutschland zu studieren, muss sich auf viel Neues einstellen. Trotzdem reizt es immer wieder Abiturienten aus aller Welt, sich auf den Weg nach Deutschland zu machen und hier ein Studium zu beginnen. Ein Meinungsbild.

Von Hilde Braun

Zahlreiche Ausländische Studierende lernen an deutschen Hochschulen. (Humboldt-Stiftung)
Zahlreiche Ausländische Studierende lernen an deutschen Hochschulen. (Humboldt-Stiftung)

Yen Pham ist 21 Jahre alt. Sie kommt aus Vietnam und studiert im 2. Semester Wirtschaftsinformatik an der Universität Duisburg Essen. Ihre Mutter wollte, dass sie nach Deutschland geht, weil sie glaubt, dass Yen hier eine bessere Ausbildung bekommt und größere Chancen auf einen Job hat:

"Ja, das ist eine andere Kultur, eine andere Mentalität, man muss kennenlernen."

Ihr Deutsch ist noch ziemlich holprig, so ist die Sprache auch die größte Schwierigkeit für sie, den Vorlesungen zu folgen. Die 21-Jährige hat aber nicht nur sprachliche, sondern vor allem finanzielle Probleme:

"Alles was zum Leben ist, ist in Deutschland sehr teuer, auch das Studieren, der Studierendenbeitrag und Lebensmittel, ich denke schon es ist alles sehr teuer."

Yen lebt bei einer Freundin ihrer Mutter und zahlt dort keine Miete. Anders wäre das Studium in Essen für sie nicht denkbar. Ira Terwyen arbeitet im Akademischen Auslandsamt an der Universität Duisburg Essen. Die finanziellen Schwierigkeiten sind ein Hauptproblem der ausländischen Studierenden. Viele ihrer Beratungsgespräche drehen sich deshalb ums Geld:

"Ein zweiter Punkt ist oftmals eine fehlende fachliche Betreuung am Anfang, so dass sie vielleicht nicht von Anfang an richtig an das Studium herankommen und das führt dann dazu, dass wahrscheinlich die Absolventenquote bei den Ausländern nicht so hoch ist..."

Die meisten Studierenden, die ihre Beratung aufsuchen, kommen nicht mit den Verhältnissen an den deutschen Hochschulen zurecht. In Vietnam zum Beispiel gibt es nur Vorlesungen am Vormittag. Dafür gibt es dort Anwesenheitskontrollen. Generell ist das Studium viel verschulter als hier, weiß Yen:

"Man muss nicht in die Vorlesung gehen. Es ist bei uns zu Hause in Vietnam anders man muss immer an der Uni sein, wenn es dreimal fehlt, darf er die Prüfung nicht machen."

Vivi Liao ist Chinesin. Das Studium in Deutschland war für sie eine ganz schöne Umstellung:

"Die Ausbildungsqualität in Deutschland ist ganz gut. Das sag ich ehrlich, wenn wir in China studieren, spielen wir die ganze Zeit, den ganzen Studiengang meine ich, hier ist schwer, viel schwerer als in China."

Dennoch könnte die Hochschule Duisburg Essen ihrer Meinung nach mehr für ausländische Studierende tun:

"Alles muss man selber machen, man muss selber Deutsch lernen, bekommen wir kaum Hilfe von der Uni..."

In der Freizeit ist sie lieber mit ihren Landsleuten zusammen, aus mehreren Gründen:

"Die verschiedene Kultur, das Essen, die Feierart, die Lebensart, deswegen in unserer Freizeit treffen wir gerne mit unseren Landsleuten, auch um das Heimweh zu reduzieren..."

Meryem Gögdagöz ist Kurdin, wurde aber in Deutschland geboren. Sie studiert Lehramt im 10. Semester mit den Fächern Englisch und Sozialwissenschaften. Die 26-Jährige glaubt, dass die Integration von ausländischen Studierenden an der Hochschule oft deshalb schwierig ist, weil viele gar kein Interesse daran haben, mit Deutschen Kontakte zu pflegen.

"Was mein Eindruck ist, von den Studenten an der Uni dass die Leute sich schon sehr zurückziehen, und sehr in ihren eigenen Volksgruppen sich zurückziehen und da auch nicht sehr viel Kontakt mögen."

Auch im akademischen Auslandsamt der Universität Duisburg Essen weiß man das. Ira Terwyen:

"Das schwierigste Problem für die ausländischen Studierenden ist tatsächlich die Integration. Das Kommunizieren mit Bildungsinländern - mit deutschen Studierenden. Es ist faktisch so, dass einige ausländische Studierende besser Deutsch sprechen wenn sie das Studium anfangen als Mitte des Studiums. Und das bezeichnet schon, wie wenig Kontakt sie zum Bildungsinländer teilweise haben."

Tatenlos zu sieht das Amt aber nicht. Neben Deutschkursen oder Orientierungstagen zu Beginn des Studiums gibt es spezielle Tutorien, in denen ausländische Studierende Hilfe bekommen, ihr Studium zu organisieren. Außerdem gibt es sogenannte Sprachtandems, bei denen ein Deutscher und ein Ausländer vereinbaren sich regelmäßig zu treffen und gegenseitig in ihrer Sprache zu unterstützen. Und es werden Freizeitaktivitäten angeboten, zum Beispiel der internationale Stammtisch, an dem 60 bis 70 Studierende teilnehmen:

"Wir haben feste Lokale wo das stattfindet, da haben wir fest reservierte Tische und das findet ganz regelmäßig statt und wird sehr, sehr gemocht."

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