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StartseiteSonntagsspaziergangWie das Virus die Welt verändert15.03.2020

Alltag mit CoronaWie das Virus die Welt verändert

Ausgangssperren, Kontaktverbote, täglich mehr Tote : Das Coronavirus hat weltweit das Leben der Menschen verändert, aber wie geht man in den einzelnen Ländern mit der Pandemie um? Ein durchaus persönlicher Einblick in die Situation in Italien, Russland, Iran und Mauritius.

Gespräche mit A.Allroggen, C. Coletti, V.Smekalina und S. Zare

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"Alles wird gut" hat jemand auf Italienisch auf ein Laken in Verona geschrieben und dieses über ein Balkongeländer gehängt (imago / Mickael Chavet)
"Alles wird gut" hat jemand auf ein Plakat im italienischen Verona geschrieben. Das Land ist von dem Coronavirus besonders betroffen. (imago / Mickael Chavet)
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Schlange stehen in russischen Kirchen 

In Russland fährt die Metro trotz Corona noch. Es werde auch nicht beabsichtigt, die Metro überhaupt  zu schließen, weil das "zu katastrophalen Folgen führen" würde, so Valentina Smekalina in der Gesprächsrunde. Smekalina ist Russin und wohnt und lebt in Berlin. Fast sieben Millionen Menschen würden jeden Tag mit der Metro fahren. Damit sei sie eine "lebensspendende Arterie der Stadt", die auch über große Räumlichkeiten verfüge. Man könne sich hier also aus dem Weg gehen.

Was Smekalina kritisiert, ist, dass die Kirche in Russland - so der Stand Mitte März - "nicht weitblickend handelt", was ihren Umgang mit Corona anbetreffe. So habe die Kirche die Anbetung der Reliquien und der Gebeine, die Mitte des Monats stattfand, sogar organisiert. Tausende von Menschen hätten in den Kirchen Schlange gestanden, um die Gebeine zu berühren.

Ein Junge im mazedonischen Skopje empfängt die Kommunion per Silberlöffel  (Picture Alliance / EPA / Georgi Licovski) (Picture Alliance / EPA / Georgi Licovski)Griechenland - Corona mit dem Silberlöffel
In der griechisch-orthodoxen Kirchen spielt sich ein Krimi ab: Darf die Kirche an der Kommunion mit gemeinsamen Silberlöffel festhalten? Die Regierung hat ihr die Entscheidung abgenommen. Die Kirchen sind zu. Fest verankerte Traditionen über Bord zu werfen – wie schaffen Menschen das in der Krise?

Trotzdem sei man in Russland "philosophisch-optimistisch", was den Umgang mit dem Virus anbetreffe: "Natürlich gibt es auch Panikstifter. Es gibt auch viele Menschen, die Hamsterkäufe betreiben." Und den Anblick leerer Regale in den Supermärkten kenne man in Russland noch aus den Zeiten der Sowjetunion. Die Leute "haben in extremen Zeiten gelebt" und nähmen die derzeitige Coronakrise deshalb gelassen. Gerade seien Lebensmittel wie Zucker, Salz und Gries kaum noch zu bekommen. Die Solidarität sei in Russland nicht so hoch wie anderswo. Nicht jeder alte Mensch kenne hier jemanden, der für ihn einkaufen gehen könne. In Russland werde "nicht massenhaft getestet", weil es nur wenige Labore gebe.

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Zwischen Einsicht und Skepsis in Iran

In Iran würden viele Menschen mittlerweile zu Hause bleiben, berichtet Susan Zare aus ihrem Heimatland. Es sei immer noch so, dass sich das Virus exponentiell im Land verbreiten würde. Viele Infizierte, die ein Krankenhaus aufsuchten, stünden dort vor verschlossenen Türen. Das Land spalte sich immer mehr in die, die in der Coronakrise eine "ganz ernste Lage" sähen und denen, die sagen, das alles sei doch gar nicht so schlimm.

Gerade erst ist in Iran das persische Neujahrsfest gefeiert worden. Und da gehe man gewöhnlich raus mit den Familien. Durch Corona habe man nun versucht, die Feierlichkeiten einzudämmen, aber nach Medienberichten habe das "nicht so geklappt", so Zare. Eine offizielle Ausgangssperre durch die Regierung gebe es bisher aber nicht.  Dabei sei die aktuelle medizinische Lage "katastrophal": Offizielle Aussagen dazu gebe es nicht.

Coronavirus (imago / Science Photo Library)Coronavirus (imago / Science Photo Library)

Aufruf zur Solidarität in Italien

In Italien sei es nicht mehr an der Zeit, in politischen Zusammenhängen zu denken, sagt die italienische Kulturjournalistin Cristiana Coletti, die aus und über Italien berichtet: "Wir sind alle, wir hängen alle zusammen."  Vielmehr sei es jetzt wichtig, für Solidarität im Land zu sorgen. Mittlerweile seien einige Menschen aggressiv und  misstrauisch, was die Entscheidungen der Regierung anbetreffe. "Sie verlangen mehr und strengere Maßnahmen, und es kommt zu richtigen verbalen Auseinandersetzungen", so Coletti. 

Andere wiederum betonten, dass die Italiener "respektvoll und sensibel" miteinander umgehen würden.  Am 20. März hätten etwa alle Radios in Italien gleichzeitig gemeinsam die italienische Nationalhymne und zwei weitere populäre italienische Lieder gespielt. Das wecke das Solidaritätsgefühlt der Italiener. Viele Italiener würden ihren Nachbarn im Moment auch Kuchen vor die Haustür stellen, "damit alle etwas Süßes haben".

Man sieht von weitem Männer in weißen Schutzkleidungen. Eine schiebt einen Wagen mit einem Sarg in Richtung Bildrand, zwei stehen vor einem Lastwagen, zwei weitere sind auf der Ladefläche.   (Massimo Paolone/LaPresse via ZUMA Press/dpa) (Massimo Paolone/LaPresse via ZUMA Press/dpa)Coronavirus - Warum ist die Sterberate in Italien so hoch?
In Italien ist die Zahl der Todesopfer innerhalb kürzester Zeit gestiegen. Forscher legen nahe, dass zwei Besonderheiten in der Struktur der italienischen Bevölkerung die rasche Ausbreitung der Krankheit begünstigt habe. Außerdem wurde zu Beginn der Epidemie ein gravierender Fehler begangen.

Angst vor Chaos auf Mauritius

Auf Mauritius sei man noch ganz am Anfang der Krise. "Ich glaube, es gibt viele Mauritier, die gedacht haben, das trifft uns nicht", meint Antje Allroggen, die einen Teil ihres Lebens auf Mauritius gelebt und gearbeitet hat. Auch auf Mauritius seien die Menschen sehr gläubig und hofften, Corona möge "die kleine Insel mitten im Indischen Ozean einfach" vergessen.

Mittlerweile gebe es aber auch hier erste Infektionen und Todesfälle. Die Regierung habe für die komplette Insel eine Ausgangssperre angeordnet. Weil die Mauritier fast ausschließlich draußen leben, dürfte es für die Insulaner eine echte Herausforderung sein, sich jetzt in den Innenräumen zu verbarrikadieren, so Allroggen. Der Flughafen sei geschlossen, keiner komme mehr raus oder rein. Wenn "das Ganze noch größere Züge" annehme, sei durchaus vorstellbar, dass auf Mauritius Chaos ausbreche.

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