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StartseiteDie neue PlatteWeltliche Arien aus der Zeit Ludwigs XIV.15.05.2016

Alte Musik Weltliche Arien aus der Zeit Ludwigs XIV.

Zur Zeit des "Sonnenkönigs" waren es die sogenannten "Airs de cour", die den musikalischen Alltag bestimmten: liedhafte Arien im höfischen Ton, die keineswegs nur bei Hofe gesungen wurden. Diesem Repertoire widmet sich William Christie mit seinem Ensemble "Les Arts Florissants" auf einer neuen CD.

Von Bernd Heyder

Ein Cembalo (picture alliance / dpa / David Ebener)
Der Aufnahme gelingt es vortrefflich, die Textnuancen der höfischen Arien in vielfältigen Solo- und Ensemble-Schattierungen abzubilden. (picture alliance / dpa / David Ebener)

Vorgestellte CD:

"Bien que l'amour ... Airs sérieux et à boire. Weltliche Arien aus der Zeit Ludwigs XIV."
von Michel Lambert, François Couperin, Marc-Antoine Charpentier u. a.
Les Arts Florissants, Leitung William Christie (Cembalo)
Harmonia mundi France // HAF 8905276 (CD)
LC 07045

Michael Lambert: Chantez, petits oiseaux dans la saison nouvelle
Les Arts Florissants
Leitung: William Christie (Cembalo)

William Christie stellt in seiner Auswahl von "Airs de cour" den Hofkomponisten Michel Lambert in den Vordergrund. Der war in Paris als Gesangslehrer eine Berühmtheit und seit 1662 der Schwiegervater des Hofkapellmeisters Lully. Aus Lamberts Feder stammt auch die vierstimmige Vertonung "Chantez, petits oiseaux", die gerade in der teilweise etwas anderen französischen Lautung des 17. Jahrhunderts erklang. Das Air verwendet Verse des Hofdichters Philippe Quinault, um dem fröhlichen Gesang der Vögel die Liebesschmerzen eines betrogenen Hirten in herben Dissonanzen gegenüberzustellen. Wie man es aus italienischen Madrigalen kennt, kleiden solche Arien das Leiden an der unerfüllten Liebe in Bilder aus einem mythischen Arkadien. Doch nicht nur die Text-, sondern auch die Tonsprache ist eine ganz und gar französische: fast wie in einem Rezitativ schmiegen sich die Arien-Melodien an den Rhythmus der Worte. Besondere harmonische Wendungen und elegante Ornamente setzen darüber hinaus eigene Akzente.

Dem Beispiel Lamberts folgt sein Schüler Honoré d'Ambruys in seinem Air "Le doux silence de nos bois". Die zweite Strophe hat er überbordend verziert, um die Schönheiten des Frühlings zu besingen. Das ist eine geradezu ideale Partie für die flexible Baritonstimme von Marc Mauillon.

Honoré d'Ambruys
Le doux silence de nos bois
Marc Mauillon (Bariton)
Thomas Dunford (Theorbe)
Myriam Rignol (Viola da gamba)
Leitung: William Christie

William Christie und seinem Ensemble "Les Arts Florissants" gelingt es vortrefflich, die Textnuancen der höfischen Arien in vielfältigen Solo- und Ensemble-Schattierungen abzubilden, mit schön gestalteten instrumentalen Zusatzstimmen und eigenständigen Ritornellen. Christie selbst begleitet die zwei Sängerinnen und drei Sänger am Cembalo, dazu kommen zwei Violinen, Laute und Gambe. Alle Stimmen dieser kammermusikalischen Besetzung werden von der Aufnahmetechnik plastisch abgebildet, ohne dass es der Produktion aber an klanglicher Wärme mangelt.

Ihren besonderen Reiz gewinnt die CD dadurch, dass dem gehobenen Ton der "Airs sérieux" gesellige Trink- und Spottlieder gegenübergestellt werden. In solchen "Airs à boire" meldet sich vornehmlich eine jüngere Generation zu Wort – beispielsweise der Hofkomponist François Couperin, der vor allem als großer Tastenmeister in die Musikgeschichte eingegangen ist. Im zweistimmigen Kanon singen Emmanuelle de Negri und Marc Mauillon den Nachruf auf einen Faulenzer, der sein Leben mit zwei Dingen verbracht hat: mit Schlafen und mit Nichtstun.

François Couperin

Épitaphe d'un passereux

Emmanuelle de Negri (Sopran)

Marc Mauillon (Bariton)

Les Arts Florissants

Leitung: William Christie (Cembalo)

Ein besonderes "Schmankerl" auf der neuen CD stammt aus der Feder von Marc-Antoine Charpentier. Der fand in dem Dramatiker Molière einen kongenialen künstlerischen Partner für mitreißende Bühnenmusiken und schrieb 1672 ein Intermezzo zu einer Wiederaufführung von dessen Komödie "Le Mariage forcé". William Christie setzt es in die Mitte seines Programms.

Marc-Antoine Charpentier
aus: Intermèdes nouveaux du Mariage forcé
"Bonjour, bonjour ... "
Les Arts Florissants
Leitung: William Christie (Cembalo)

Wie Charpentier hier die italienische Commedia dell'arte parodiert, das hat Christie mit seinem Ensemble schon einmal 1982 auf Schallplatte vorgeführt. In der Neueinspielung sind "Les Arts Florissants" aber noch stimmgewaltiger und theatralischer, wenn sie sich mit Charpentier über die Katzenmusik von Arlecchino, Pantalone & Co. lustigmachen.

Marc-Antoine Charpentier
aus: Intermèdes nouveaux du Mariage forcé
"Oh, le joli concert ... "
Les Arts Florissants
Leitung: William Christie (Cembalo)

Seit 1979 erkunden "Les Arts Florissants" die französische Vokalmusik des 17. und 18. Jahrhunderts. Längst gilt der jetzt 71-jährige Ensemblegründer William Christie als ein Altmeister der Barockmusik-Szene – unter seinen Schülern finden sich solch illustre Namen wie Christophe Rousset, Hervé Niquet und Emmanuelle Haïm. Die neue CD beweist aber nachdrücklich, dass Christie weiterhin erfrischend Neues zur alten französischen Musik zu sagen hat. Ihm gelingt es eben immer wieder, sich gemeinsam mit der Besetzung seiner Arts Florissants künstlerisch zu verjüngen. Maître Michel Lambert hätte an diesen Interpretationen seiner "Airs sérieux" vermutlich auch großen Gefallen gefunden.

Michael Lambert
Tout l'Univers obéit à l'Amour
Les Arts Florissants
Leitung: William Christie (Cembalo)

Die Neue Platte im Deutschlandfunk. Wir haben Ihnen heute eine CD des Ensembles "Les Arts Florissants" mit barocken französischen "Airs de cour" von Michel Lambert und einigen seiner Zeitgenossen vorgestellt. Die CD ist gerade beim Label "Harmonia Mundi France" unter dem Titel "Bien que l'amour ... " erschienen und unter anderem im Vertrieb "Helikon" erhältlich. Im Studio verabschiedet sich Bernd Heyder mit Dank für Ihr Interesse.

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