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StartseiteVerbrauchertippMischstreichfette überzeugen mit Einschränkungen23.10.2019

Alternative zu Butter und Margarine im TestMischstreichfette überzeugen mit Einschränkungen

Die Stiftung Warentest hat 23 sogenannte Mischstreichfette auf Geschmack, Inhaltsstoffe und Nachhaltigkeit untersucht. Mehr als die Hälfte bekam eine positive Gesamtbewertung, vor allem aus ernährungsphysiologischer Sicht. Es gab aber auch Kritik.

Von Dieter Nürnberger

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Butter und Margarine in einem Lebensmittelmarkt (picture alliance/imageBROKER/Anton Luhr)
Mischstreichfette sollen die positiven Eigenschaften von tierischen und pflanzlichen Fetten vereinen (picture alliance/imageBROKER/Anton Luhr)
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In der EU ist vieles geregelt. So hat Butter einen hohen vorgeschriebenen Anteil an tierischem Milchfett, Margarine hingegen beinhaltet vor allem pflanzliches Fett. Mischstreichfette sollen das Beste aus beiden Produktgruppen vereinen: Sie sollen schmecken wie Butter, durch zugesetztes Rapsöl wertvolle Omega-Fettsäuren enthalten und vor allem besser zu verstreichen sein. Es kommt vor allem auf die richtige Mischung zwischen tierischen und pflanzlichen Fetten an, sagt Warentesterin Birgit Rehlender:

"Die Produkte mit Palm- und Kokosfett haben in der Regel mehr Rapsöl. Dafür aber kaum noch oder sehr wenig Butter. Und das hat Auswirkungen auf die geschmackliche Qualität. Und wenn auf der Verpackung die Butter mit ihrem feinen Geschmack ausgelobt wird, dann will man sie im Produkt auch schmecken. Bei zwei Produkten ist es allerdings so, dass sie überwiegend nach Margarine schmecken."

Bewertung fällt überwiegend positiv aus

Immerhin erhielten mehr als die Hälfte der 23 untersuchten Mischstreichfette eine gute Gesamtbewertung. Allen gemeinsam ist: Sie verzichten auf die Beimischung von Palm- oder Kokosöl, was den originären Buttergeschmack verfälschen oder mindern kann.

Interessant: Die nur mit "ausreichend" bewerteten Mischstreichfette "Botterram" und "Rama" - hier wurden die höchsten Palmfettanteile nachgewiesen - hatten auch bei der Schadstoffanalyse die größten Probleme.

"Wir haben 3-MCPD-Ester und Glycidyl-Ester gefunden. Diese Substanzen entstehen, wenn Öl oder Fett raffiniert wird, und insbesondere 3-MCPD-Ester gelten als möglicherweise krebserregend. Und deshalb haben die beiden schlechtesten Produkte in der Untersuchung bei der Schadstoffnote auch nur ein ausreichend bekommen."

In der Untersuchung vorn lagen die Produkte "Weihenstephan - Die Streichzarte" und "Arla Kaergarden - Das Original".

Ernährungsphysiologisch empfehlenswert

Ernährungsphysiologisch sind die meisten Streichfette eine Empfehlung wert. Denn durch das beigemischte Rapsöl steigt der Anteil an essenziellen und gesunden Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Die Stiftung Warentest sieht in den Streichfetten somit eine gute Alternative - vor allem zur Butter. Birgit Rehlender:

"Mischstreichfette haben weniger Fett als beispielsweise Butter. Auf den guten Buttergeschmack muss man dennoch nicht verzichten. Und man bekommt bei allen Produkten auch noch die gesunden Fettsäuren aus dem Rapsöl. Sie sind alle sofort streichfähig. Man streicht das Fett dann natürlich auch dünner und spart auch damit Fett."

Mischstreichfette nachhaltiger als Butter

Und in einem Nebenaspekt der Untersuchung wurde auch die Nachhaltigkeit von Butter, Margarine und Streichfetten eingeschätzt. Vor allem durch die Milchkuhhaltung und die damit verbundenen Methanausscheidungen schneidet Butter hier vergleichsweise schlecht ab.  

"Wenn man die Mischstrichfette anschaut, dann haben sie einen geringeren Milchfettanteil als Butter. Damit ist ihr Klimafaktor etwas besser. Denn besten Klimafaktor hat aber Margarine, denn hier haben wir weitaus mehr pflanzliche Fette und Öle als in den Mischstreichfetten."

Allerdings bleibt bei dieser Betrachtung ein anderer Umweltaspekt außen vor: Denn im Rapsanbau werden oft Dünger und Pestizide eingesetzt, handelt es sich um Monokulturen, leidet die Artenvielfalt. Und noch folgenreicher sind Palmölplantagen, für deren Rodung vor allem Regenwald weichen muss.  

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