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StartseiteCampus & KarriereGute Ideen für mehr Frauen in Führungspositionen04.03.2020

Alternativen zur FrauenquoteGute Ideen für mehr Frauen in Führungspositionen

Muss es immer die Quote sein? Oder gibt es andere Wege, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen? "Campus und Karriere" stellt vier Rezepte zur Frauenförderung vor - und schaut sich an, wie gut sie wirken.

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 Die Illustration zeigt eine Frau, die mit einem Hochsprung-Stab eine Treppe aufwärts überwindet. (imago / Jens Magnusson)
Durch Netzwerke, Coachings oder Stipendien können Frauen sich besser für Führungspositionen qualifizieren. (imago / Jens Magnusson)
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Business Schools – mit Coaching und Stipendium die Quote verbessern

Der Grundstein für spätere Führungspositionen wird schon in der Ausbildung gelegt. Deshalb haben Business-Schools wie die European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin besondere Fördermaßnahmen für Frauen aufgelegt.

Das fängt beim Geld an: Spezielle Stipendien erleichtern Frauen das kostenpflichtige Studium an der ESMT. Frauen stünden weniger finanzielle Mittel zur Verfügung, so der Eindruck von Stefanie Kluth, Leiterin des Zulassungsbüros an der ESMT. Mit den Stipendien wolle die ESMT den Anteil der weiblichen Studierenden erhöhen.

In konservativen Unternehmen herrscht immer noch eine sehr männlich geprägte Kultur - auch darauf will die ESMT ihre Studentinnen vorbereiten. Einzelcoachings sollen den Studentinnen die Mittel an die Hand geben, sich trotzdem durchzusetzen. Sie lernen, selbstbewusst mit eigenen Stärken und Schwächen umzugehen und sich auf Stellen zu bewerben, auch wenn sie nicht alle gewünschten Kriterien schon erfüllen.

Serie: Nur mit Quote? Frauenförderung. Frauenstipendien und Coaching
Ein Beitrag von Stephanie Gebert

Großunternehmen - Jobsharing auch auf Leitungssebene

Als flexibles Arbeitszeitmodell hat sich das Jobsharing schon in vielen Unternehmen durchgesetzt – nur auf Führungsebene kaum. Die Deutsche Bahn geht neue Wege und hat seit vergangenem Jahr zwei Frauen gemeinsam im Personalmanagement eingestellt.

Carola Garbe und Catherine-Marie Koffnit teilen sich die Verantwortung über rund 5000 Mitarbeiter in der Personalabteilung der DB Netz AG für den Regionalbereich Ost. Mit je zwei 60-Prozent-Stellen und wöchentlicher Übergabe koordinieren sie ihre Aufgaben. Grund für die Entscheidung zum Jobsharing war der Wunsch, mehr Zeit für Privates zu haben und gesund zu bleiben, erzählt Garbe, denn die Arbeit fordere physisch und psychisch ihren Preis. Den Vorteil am Jobsharing sieht sie nicht nur in der Entlastung, sondern auch in der gegenseitigen Unterstützung und dem einzigartigen Feedback, das sich beide Seiten geben können.

Auch der Arbeitgeber profitiert von dem Konzept: Flexible Arbeitszeiten sprechen viele gut ausgebildete Männer und Frauen an, die auf der Suche nach einer besseren Balance zwischen Job und Freizeit sind. Die Einbußen beim Gehalt nehmen Jobsharer dafür in Kauf.

Serie: Nur mit Quote? Frauen in Führungspositionen: Jobsharing bei Deutscher Bahn 
Ein Beitrag von Stephanie Gebert

Gründerinnen – Kooperation in der "Weiberwirtschaft"

Immer mehr Frauen in Deutschland machen sich selbständig. Aber immer noch gelten Unternehmerinnen und Existenzgründerinnen als Ausnahme von der Regel. Das will die Genossenschaft "Weiberwirtschaft" ändern und hat in Berlin-Mitte Europas größtes Gründerinnenzentrum errichtet. Hier bekommen Frauen, die gründen wollen, Beratung und günstige Mikro-Kredite sowie als Starthilfe ein Büro, Ladengeschäft oder Werkstatt für eine vergleichsweise geringe Miete. Zur Infrastruktur gehört auch eine Kita und Konferenzräume.

Serie Frauen in Führungspositionen: Weiberwirtschaft für Gründerinnen Ein Beitrag von Stephanie Gebert

Hochschulen – Mentoring für Akademikerinnen

Im Wissenschaftsbetrieb stagnieren die Zahlen seit Jahren: Der Frauenanteil innerhalb der Professorenschaft lag zuletzt bei 25 Prozent (Quelle: Statistisches Bundesamt), noch seltener sind Frauen auf den Posten des Dekans oder des Präsidenten einer Hochschule zu finden. Hilfe zur Selbsthilfe auf dem Karriereweg bietet die Universität Köln Frauen mithilfe des Cornelia-Harte-Mentoring. Akademikerinnen, die eine Wissenschaftskarriere planen, werden mit Professorinnen und Professoren zusammengebracht und von ihnen auf dem Karriereweg gecoacht.

Serie Frauen in Führungspositionen: Mentoring für Akademikerinnen Ein Beitrag von Stephanie Gebert

Wie ist es in anderen Bereichen um die Geschlechtergerechtigkeit bestellt?

Politik

Andrea Nahles (2.v.l), Vorsitzende der SPD, und Daniela De Ridder (l, SPD) machen zusammen mit anderen Bundestagsabgeordneten, alle in weiße Blusen gekleidet, ein Selfie-Foto. (dpa / picture alliance / Bernd von Jutrczenka) (dpa / picture alliance / Bernd von Jutrczenka)SPD-Politikerin "Ohne gesetzliche Regelungen geht es nicht"
Im aktuellen Bundestag sind gut 30 Prozent der Abgeordneten weiblich. "Ich glaube, eine Demokratie ist wirklich erst dann vollkommen, wenn auch die Geschlechterverhältnisse entsprechend repräsentiert", sagte Elke Ferner (SPD), Vorstandsmitglied des Deutschen Frauenrates.

Die Fahne vom Bundesland Brandenburg mit dem Märkischen Adler weht auf dem Landtag. (ZB/ dpa-Zentralbild/ Patrick Pleul) (ZB/ dpa-Zentralbild/ Patrick Pleul)Parität in der Politik: Die gesetzliche Frauenquote 
Der Landtag von Brandenburg hat ein Paritätsgesetz verabschiedet, das Parteien dazu verpflichtet, Frauen und Männer bei der Aufstellung von Landeslisten gleichermaßen zu berücksichtigen. 

Wirtschaft

EZB-Präsidentin Lagarde, Parlamentspräsident Sassoli, Kommissionspräsidentin von der Leyen und Ratspräsident Michel stehen auf einem Treppenabsatz nebeneinander. (Kenzo Tribouillard / AFP) (Kenzo Tribouillard / AFP)Gleichberechtigung: Auch 2020 bleibt einiges zu tun
Eine Frau steht an der Spitze der EU-Kommission, es gibt erstmals eine Dax-Chefin – und auch die Europäische Zentralbank wird von einer Frau geführt. Top-Frauen stehen im Rampenlicht. Doch die Statistik spricht noch eine andere Sprache. In zwei von drei Vorständen der 160 Unternehmen des DAX, des MDAX und SDAX sitzt keine einzige Frau.

Bildung

Das Foto zeigt eine Menge von Demonstrantinnen und ein Plakat mit der Aufschrift "Plakat The Future Is Equal" auf dem Internationalen Frauentag unter dem Motto Feiern Streiken Weiterkaempfen am 8. Maerz in Berlin. (www.imago-images.de / IPON) (www.imago-images.de / IPON)Soziologin: Bruch im Erwerbsleben beginnt mit der Familienplanung
Tatsächlich habe man im Bildungsbereich die Gleichstellung mehr oder weniger erreicht, sagte die Soziologin Yvonne Lott. Es gebe sogar Tendenzen, dass Frauen die Männer überholt hätten.

Kultur

Ein Dirigent steht mit einem Taktstock vor seinem Pult und schaut in die Notenblätter (imago/suedraumfoto) (imago/suedraumfoto)Geschlechtergerechtigkeit im Opernbetrieb: Fernziel 50:50
An deutschen Opernhäusern stehen am Dirigentenpult mehrheitlich Männer. Auch im Bereich Regie und Komposition sind Frauen in den Opern-Spielplänen in der Minderheit. Aber: In den Köpfen der Intendanten wächst das Bewusstsein für das Ungleichgewicht.

Vier männlich wirkende Spielfiguren stehen in einer Reihe mit einer Lücke in der Mitte, davor steht eine weiblich wirkende Figur. (imago images / allOver-MEV) (imago images / allOver-MEV)Verlagsprogramme: Braucht es eine Frauenquote?
In den Vorschauen literarischer Verlage finden sich im Schnitt 40 Prozent Autorinnen und 60 Prozent Autoren – das ist ein Ergebnis der Aktion "#vorschauenzählen". Die Initiatorin sieht strukturelle Diskriminierung.

Kirche

Frau im Gebet mit Kerzen vor Jesus am Kreuz, im Kirchenschiff der Santa Maria della Salute in Venedig, Italien. (picture alliance / dpa / imageBroker) (picture alliance / dpa / imageBroker)Theologin: "Ein Zückerchen, mit dem Frauen abgespeist werden"
Die Theologin Magdalene Bußmann sieht in der geplanten Frauenquote von einem Drittel in Leitungspositionen der katholischen Kirche ein Manöver, um die Frauen "ruhig zu stellen". Sie fordert, dass Frauen zur Weihe zugelassen werden.

Medien

Podiumsdiskussion von ProQuote (Anke Beims) (Anke Beims)Funkhäuser: Männer dominieren in den Führungsetagen
In den deutschen Radio-Fernsehanstalten sind die Führungsebenen überwiegend von Männern besetzt.Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Vereins Pro Quote. Der Schnitt aller öffentlich-rechtlicher Sender liege – so die Studie – bei 37,7 Prozent – und das, obwohl der Frauenanteil insgesamt in den Häusern bei in etwa 50 Prozent liege. 

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