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StartseiteVerbrauchertippKein tolles Ergebnis für die Beratung der Rentenversicherung17.09.2019

AltersversorgungKein tolles Ergebnis für die Beratung der Rentenversicherung

Alle Versicherten haben einen Rechtsanspruch auf eine kostenlose Beratung durch die Deutsche Rentenversicherung. Die Stiftung Warentest hat das Angebot genutzt - und geschulte Testpersonen zu den Terminen geschickt. Doch es hakte oftmals bei den professionellen Tipps für eine gute Altersversorgung. [*]

Von Dieter Nürnberger

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Das gestellte Foto zeigt einen Rentenbescheid miot Euro-Geldscheinen und Euro-Geldmünzen, Illustrationsfoto zum Thema Renten, Geld, Alter, Einkommen vom 29.01.2007. Etwa jeder sechste Bundesbürger rechnet im Alter mit Armut. Gut jeder fünfte der heutigen Berufstätigen unter 30 Jahren erwägt dann die Auswanderung. Dies sind Ergebnisse einer neuen Umfrage zur Altersvorsorge in Deutschland. Laut Allensbacher Untersuchung im Auftrag der Postbank hat inzwischen jeder dritte Deutsche "gar kein Vertrauen" mehr in die Stabilität des staatlichen Rentensystems. Foto: Hans Wiedl +++(c) dpa - Report+++ | Verwendung weltweit (dpa-Zentralbild)
Neben der gesetzlichen Rente sollten auch betriebliche oder private Ansprüche geprüft werden (dpa-Zentralbild)
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Wenn die Rente nicht zum Leben reicht

55 Millionen Versicherte, davon 21 Millionen Rentner: Die Deutsche Rentenversicherung ist zuständig, wenn es um Fragen zur gesetzlichen Rente geht. Und die ist ja bekanntlich für die meisten das Rückgrat ihrer Altersversorgung. 80 geschulte Testpersonen meldeten sich in den bundesweiten Beratungs- und Auskunftsstellen der DRV an - und schon dieser erste Schritt zur Terminvereinbarung verlief nicht immer reibungslos, sagt Warentesterin Katharina Henrich:   

"Ungefähr die Hälfte klappte ganz gut, bei den anderen gab es teils kleinere und auch teilweise größere Probleme: Klein war beispielsweise, dass man keine Bestätigung über den Termin bekam. Und teilweise war es auch so, dass man bis zu vier Monate auf den Termin warten musste. Das war einfach zu lang."

Im Idealfall sollte beim Beratungsgespräch eine umfassende Analyse erfolgen: das spätere Renteneinkommen eingeschätzt, auch andere Einkünfte aus privater oder betrieblicher Altersvorsorge eingerechnet werden. Wer heute Mitte Vierzig ist, sollte sich auf jeden Fall beraten lassen, denn dann bliebe noch Zeit, mögliche Rentenlücken auszugleichen. Doch im Praxistest schwächelte ein Großteil der Berater - besonders, wenn es um mehr als die gesetzlichen Rentenansprüche ging.

Mängel beim Gesamtüberblick

"Das klappte immer ganz gut, solange die gesetzliche Rente selbst betroffen war. Aber sobald es dann um betriebliche oder private Ansprüche ging, wurde es schwieriger. Wir denken aber, dass vor allem der Gesamtüberblick wichtig ist. Eben über die gesetzlichen, betrieblichen und die privaten Anwartschaften. Weil nur dann kann ich ja entscheiden, ob es hier eine Rentenlücke gibt. Oder kann ich später irgendwie ganz gut klarkommen, kann ich meine laufenden Kosten bezahlen. Diese Informationen bekamen die Versicherten viel zu selten."

Für die Warentester überraschend. Denn die Testpersonen hatten sich gut auf das Gespräch vorbereitet, auch alle notwendigen Unterlagen und Nachweise wurden mitgebracht. Etwa die jährlichen Standmitteilungen einer Riester- oder Rürup-Rente. Bezeichnend: Obwohl es längst einen standardisierten Erfassungsbogen für die verschiedenen Rentenansprüche gibt, nutzen die Berater vor Ort sie nicht immer.

Weswegen die ohnehin nur grob zu leistende Einschätzung über die spätere Gesamtrente noch unbefriedigender wurde. Denn zu beachten gibt es vieles, sagt Warentesterin Katharina Henrich, etwa den Kaufkraftverlust durch Inflation.

"Das hängt natürlich auch von anderen Faktoren ab - beispielsweise, ob ich zur Miete wohne oder im Eigenheim. Werde ich etwas erben? Das sind jetzt keine Bereiche, die die Rentenversicherung unbedingt in ihrer Beratung abdecken muss. Aber es müsste eine Sensibilisierung stattfinden. Dass Menschen verstehen, wenn sie eine gute Rente haben und gleichzeitig aber eine sehr hohe Miete, dass dies eventuell doch nicht hinhaut."

Deutsche Rentenversicherung muss besser werden

Bei der Beratungsqualität lagen die regional organisierten Rentenversicherungsträger in Baden-Württemberg und Bayern vorn. Schlusslichter waren Rheinland, Westfalen, Oldenburg-Bremen und Mitteldeutschland.

Fazit der Stiftung Warentest: Die Deutsche Rentenversicherung muss besser werden. Wer mit den Ergebnissen einer Beratung nicht zufrieden ist, sollte einen zweiten Termin bei der Deutschen Rentenversicherung nicht scheuen, so die Empfehlung. Und eventuell auch über weitere Hilfe nachdenken:

"Wenn es Probleme mit der Rentenversicherung selbst gibt, dass man etwa das Gefühl hat, es gibt Anwartschaften und die werden nicht richtig angerechnet - dann kann man sich auch an die Sozialverbände wenden. An den SoVD oder den VdK. Die beraten zum Sozialversicherungsrecht und sie geben auch Rat zur Rente."

Voraussetzung für die Beratung bei den beiden Sozialverbänden ist allerdings eine Mitgliedschaft. Der Monatsbeitrag liegt jeweils zwischen sechs und neun Euro.

[* Anm. der Redaktion: In einer ursprünglichen Version dieses Beitrags wurden in Überschrift und Vorspann die geschützten Begriffe Rentenberater und Rentenberatung falsch verwendet. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.]

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