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StartseiteVerbrauchertippOhne Abschlag früher in Rente23.04.2019

AltersversorgungOhne Abschlag früher in Rente

Wer früher in Rente gehen will, muss mit empfindlichen Abschlägen rechnen. Um das zu vermeiden gibt es die Möglichkeit, freiwillig in die Rentenkasse einzuzahlen. Dann ist auch eine Rente mit 63 statt 65 möglich, ohne finanziellen Verlust. Wie genau das geht und für wen sich das lohnt.

Von Susanne Lettenbauer

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Seniorenpaar steht auf einem Stapel Geldmünzen (imago stock&people)
Wer im Alter keine Rentenabschläge haben will, muss für einen früheren Ruhestand extra zahlen (imago stock&people)
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Erwarten Sie eine Abfindung oder eine Erbschaft? Haben Sie mehrere tausend Euro übrig und bekommen dafür bei der Bank keine Zinsen mehr? Die Deutsche Rentenversicherung bietet seit anderthalb Jahren die Möglichkeit für gesetzlich Versicherte, freiwillig Zahlungen zu leisten, um früher in Rente zu gehen - ohne Einbußen.

Die Voraussetzungen: eine Einzahldauer von 35 Jahren und die Vollendung des 50. Lebensjahres, erklärt Rentenberaterin Sandra Wissen von der Deutschen Rentenversicherung DRV Bayern Süd.

"Man muss dann einen Antrag stellen, und dieser Antrag wird dann eingereicht bei der Rentenversicherung. Dann wird ein Bescheid erteilt, wo die Möglichkeit erläutert wird, in welcher Höhe man diesen Beitrag ausgleichen kann."

Monatliche Zahlung nicht möglich

Die notwendigen Beratungstermine sollten unter einer bundesweiten Servicenummer vereinbart werden, so die Beraterin. Dort werden die Zahlen konkret berechnet. Geht man zum Beispiel ein Jahr früher in Rente, bedeutet das einen Abschlag von rund 50 Euro, bei zwei Jahren 100 Euro und bei drei Jahren 150 Euro.

"Also wir machen mal ein Beispiel: Um 100 Euro im Monat ausgleichen zu können, muss man rund 26 000 Euro nach derzeitiger Rechtslage entrichten."

Bei 50 Euro Abschlag wären es 12.000 Euro, die man hinzuzahlen müsste, bei 150 Euro 38.000 Euro und bei 200 Euro müsste man gleich 53.000 Euro für einen kompletten Ausgleich einzahlen.

Die Überweisung erfolgt entweder als Gesamtbetrag oder gestaffelt, aber höchstens zweimal im Jahr, monatlich ist nicht möglich.

Wenn die Rente 20 Jahre lang gezahlt werde, dann liege die Rendite bei zwei bis drei Prozent - Rentenerhöhungen sind dabei mit eingerechnet. Auch die Hinterbliebenenrente werde damit aufgestockt. Und falls das Geld doch ausgeht:

"Also da besteht keinerlei Verpflichtung, es ist ja eine freiwillige Zahlung, die sie da leisten. Sie können das auch stoppen, sie können sagen, ich möchte nur einen Teil dieses Abschlags ausgleichen, also es besteht keinerlei Verpflichtung, den komplett auszugleichen."

Steigender Freibetrag

Attraktiv wird die Sonderzahlung zum Ausgleich von Rentenabschlägen durch einen hohen Steuerfreibetrag. In diesem Jahr können 88 Prozent der Einzahlungen geltend gemacht werden, also rund 21.400 Euro. 2020 steigt der Freibetrag auf 90 Prozent. Und im Jahr 2025 ist eine hundertprozentige Entlastung angekündigt.

Prinzipiell sei die Einzahlungsmöglichkeit gut, sagt der stellvertretende Landesgeschäftsführer vom Sozialverband VDK Bayern, Herbert Lochbrunner. Vor allem mit Blick auf andere Anlagemöglichkeiten. Außerdem kann man dann zwei Jahre früher in Rente gehen, muss aber nicht. Wer länger arbeitet, hat später einen entsprechend höheren Rentenanspruch. Viele Menschen hätten allerdings gar nicht 20 oder 30.000 Euro übrig.

Und: "Das ist, grob gesagt, eine Wette auf den eigenen Tod, weil wenn Sie früher versterben sollten, dann ist das Geld weg. Es ist nicht wie auf dem normalen Kapitalmarkt, wo die Erben dann noch in der Regel profitieren. Im besten Falle, wenn Sie verheiratet sind, dann der Witwer oder die Witwe, die davon profitiert, aber das auch nur zum gewissen Teil."

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