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StartseiteVerbrauchertippFrühzeitiger Blick ins Rentenkonto kann Geld wert sein22.07.2019

AltersvorsorgeFrühzeitiger Blick ins Rentenkonto kann Geld wert sein

Im jährlichen Bescheid der Deutschen Rentenversicherung steht, wie viel Rente man erwarten kann. Es lohnt sich, schon lange vor dem Ruhestand die Angaben dort zu überprüfen. Denn häufig enthält der Rentenverlauf Lücken oder sogar Fehler, die sich später schwer ausbügeln lassen.

Von Claudia Rometsch

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Die Finger eines Mannes tippen auf einem Taschenrechner Zahlen ein, im Hintergrund ist der Arm einer Frau zu sehen (picture alliance/dpa/Christin Klose)
Wenn es um die Rente geht, ist jeder Einzelfall genauso individuell wie der Lebenslauf eines Menschen (picture alliance/dpa/Christin Klose)
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Viele Versicherte schöpfen die Leistungen der Rentenversicherung nicht voll aus, beobachtet der unabhängige Rentenberater Wolfgang Thaysen. Der Grund: Nicht alle relevanten Informationen erreichen die Rentenkasse automatisch:

"Aktuell war ein Mandant bei mir, der seinen Ruhestand geplant hat, und wo im Konto unklar war, ob es sich hier um Zeiten des Arbeitslosengeldbezuges oder der Arbeitslosenhilfe gehandelt hat."

Unverhofft ohne Abschläge vorzeitig in Rente

Die Folge: Ein Jahr im Rentenverlauf des Mannes blieb ungeklärt und wurde somit nicht angerechnet. Zum Glück konnte er diese Lücke noch schließen: 

"Der Mandant hatte noch Unterlagen darüber, dass es sich hierbei um Zeiten eines Unterhaltsgeldbezuges handelte, weil er in der Zeit eine Umschulung absolviert hat."

Und diese Zeit wurde dann für die Rente angerechnet, sodass er damit 45 Jahre rentenversichert war. Die Folge: Der Mann konnte unverhofft ohne Abschläge vorzeitig mit 63 in den Ruhestand gehen. Andernfalls hätte er zwei Jahre länger arbeiten müssen, um seine volle Rente zu erhalten. Dies sei kein Einzelfall, weiß Rentenberater Thaysen. Gundula Sennewald von der Deutschen Rentenversicherung empfiehlt deshalb allen Versicherten, sich bereits in jüngeren Jahren beraten zu lassen:

"Wenn ich mich erst spät um die Klärung meines Versicherungskontos kümmere, kann es eben sein, dass in früheren Beschäftigungszeiten Daten nicht vollständig übermittelt wurden. Und wenn ich dann selbst keine Unterlagen mehr in meinen persönlichen Ordnern habe, um das zu belegen, könnte es schwierig sein, hier tatsächlich noch diesen ungeklärten Zeitraum zu befüllen."

Kindererziehungszeiten und Ausbildungsjahre anrechnen lassen

Fragen zur Rente beantworten die bundesweiten Beratungsstellen oder die Service-Hotline der Deutschen Rentenversicherung. Kontakt mit der Rentenversicherung ist auch deshalb wichtig, weil einige wichtige Informationen dort grundsätzlich nicht automatisch eingehen. Das gilt zum Beispiel für die Kindererziehungszeiten. Deren Anrechnung müssen Versicherte selbst bei der Rentenkasse beantragen. Das lohnt sich. Denn für jedes Kind bekommt ein Elternteil – in der Regel die Mutter – Renten-Entgeltpunkte gutgeschrieben. Für nach 1992 geborene Kinder sind es drei, für vorher geborene 2,5 Punkte. Ein Entgeltpunkt ist derzeit rund 33 Euro Rente wert. Melden sollte man der Rentenkasse auch, wenn man studiert hat. Acht Schul- und Studienjahre können als Anrechnungszeit gewertet werden. Die kann später beispielsweise entscheidend für die Möglichkeit eines früheren Ruhestands sein. Wer eine Ausbildung gemacht hat, sollte darauf achten, dass diese im Rentenkonto auch als solche gekennzeichnet ist.

"Viele beschränken sich darauf, dass sie feststellen, da wo ich gelernt habe, ist die Zeit im Rentenkonto enthalten. Aber es fehlt häufig der Zusatz 'Zeit der beruflichen Ausbildung'. Und das ist wichtig, damit die Zeit der beruflichen Ausbildung für die Rentenberechnung günstiger bewertet wird. Kann unterm Strich mal schnell 30, 40 Euro zusätzliche Rente ausmachen."

Auch Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen, haben unter Umständen zusätzliche Renten-Ansprüche. Hier ist die Pflegekasse Ansprechpartner. Wenn es um die Rente geht, so ist jeder Einzelfall genauso individuell wie der Lebenslauf eines Menschen. Hinzu kommt, dass das komplizierte Rentenrecht für den Laien oft schwer zu durchschauen ist. Der entscheidende Tipp lautet deshalb: frühzeitig beraten lassen.

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