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StartseiteKommentare und Themen der WocheEher Weckruf als Strategie05.02.2019

Altmaiers "Industriestrategie 2030"Eher Weckruf als Strategie

Das Konzept von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sei ein Weckruf, der spät komme, aber vielleicht noch nicht zu spät sei, kommentiert Theo Geers. Der Staat solle jedoch nicht unternehmerisch tätig werden, sondern sich auf die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen konzentrieren.

Von Theo Geers

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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier spricht in ein Mikrofon.  (dpa-news / Bernd von Jutrczenka)
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier stellt "Nationale Industriestrategie 2030" vor (dpa-news / Bernd von Jutrczenka)

Mit viel Liebe und Nachdenken hat Peter Altmaier sein 21-seitiges Papier über eine nationale Industriestrategie für das Jahr 2030 geschrieben. Endlich ist es da und man fragt sich: Warum nur wurde es erst jetzt geschrieben. Dieses Papier hätte früher auf den Markt kommen müssen, zu Beginn der Koalitionsverhandlungen etwa, als Union und SPD noch dabei waren, sich gegenseitig beim Erfinden neuer sozialer Wohltaten zu überbieten, der Gedanke, wie das alles aber erwirtschaftet wird, hingegen ziemlich  weit nach hinten rutschte. Peter Altmaier stellt die richtigen Fragen. Wie stellt sich eine prinzipiell offene Volkswirtschaft wie Deutschland auf, wenn sie global zunehmend durch eine staatlich gelenkte Volkswirtschaft wie etwa die chinesische herausgefordert wird, was ist zu tun, wenn auch deutsche Unternehmen den Anschluss verlieren - bei der Digitalisierung, der künstlichen Intelligenz und leider auch auf ihren angestammten Domänen.

Staat ist ein schlechter Unternehmer

Denken wir an die Autohersteller, wo manche Hersteller lieber Betrugssoftware entwickelten statt zukunftsfester Antriebssysteme. Die Frage dabei ist aber auch, wie der Staat hier strategisch vorgehen soll. Wirtschaft wird immer noch in der Wirtschaft gemacht, also von den Unternehmen, der Staat ist erfahrungsgemäß ein schlechter Unternehmer. Deshalb sollte sich der Staat eher auf die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen konzentrieren und nur ausnahmsweise nationale oder gar europäische Champions definieren und diese durch erleichterte Fusionen auch noch vor dem lästigen Wettbewerb schützen. Andererseits: Die schiere Größe eines Unternehmens zählt heutzutage auch. Und dann hat auch die deutsche Wirtschaft in den letzten Jahren eine fast schon fahrlässige Nonchalance an den Tag gelegt, wenn es um den Erhalt oder auch den Erwerb von Schlüsseltechnologien und -fertigkeiten ging. High-Tech-Unternehmen wie der Industrieroboterhersteller Kuka wurden an chinesische Investoren verkauft, zukunftsgerichtete Technologien wie die Batteriezellfertigung gar nicht erst aufgebaut.

Wertschöpfungskette erhalten

Stattdessen ist teilweise bis heute zu hören, es reiche doch, sich die wichtigen Batteriezellen für die Elektroautos der Zukunft aus China oder Korea zuliefern zu lassen. Selbst bauen müsse man diese Batterien hierzulande nicht - eine geradezu abenteuerliche Vorstellung. Natürlich müssen Wertschöpfungsketten hierzulande möglichst geschlossen erhalten bleiben – und wenn an die Stelle eines Tanks plus Verbrennungsmotor eine Batterie mit Elektromotor tritt, dann sollte auch diese Produktion beherrscht werden. So gesehen kommt der Weckruf – und es ist einer – von Peter Altmaier spät, aber vielleicht noch nicht zu spät. So wie vor 50 Jahren Airbus aus der Taufe gehoben wurde, um den Flugzeugmarkt nicht allein den Amerikanern zu überlassen, so müssen auch jetzt Basisinnovationen wie die künstliche Intelligenz gezielt gefördert werden. Die Jobs entstehen dann fast von selbst.

Theo Geers, 1959 in Sögel geboren, Studium der Volkswirtschaft an der Universität Köln, seit 1984 freier Journalist u. a. für DLF, WDR und andere ARD-Anstalten, seit 1991 als Wirtschaftsredakteur beim Deutschlandfunk. 1997 bis 2001 Korrespondent in Brüssel, 2010 bis 2011 Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt, seit 2012 Berliner Korrespondent für die Programme des Deutschlandradio, Themenschwerpunkt Wirtschaft und Finanzen.

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