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StartseiteCorsoGefangen im Eis23.03.2018

Amazon-Serie "The Terror"Gefangen im Eis

Die von Regisseur Ridely Scott mitproduzierte Serie "The Terror" erzählt die wahre Geschichte der verschollenen Franklin-Expedition. Der Stoff taugt als Geschichtslehrstunde - und wirkt mit seinen mit Horrorelementen wie eine irdische Neuauflage des Filmklassikers "Alien".

Von Julian Ignatowitsch

Der Regisseur Ridley Scott, 2008 in Rom (picture-alliance/ dpa)
Ridley Scott hat die Serie "The Terror" von Regisseur Edward Berger mitproduziert (picture-alliance/ dpa)
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Es ist der Kampf Mensch gegen Natur in Teilen der Welt, in denen der Mensch eigentlich nichts zu suchen hat, in denen er nicht leben, sondern nur überleben kann - und trotzdem seit jeher suchen wir Menschen diese Orte auf:

Schnee, Eis, beißende Kälte: Eine Arktisexpedition im 19. Jahrhundert auf der Suche nach der Nordwestpassage und natürlich nach Ansehen, Ruhm - und der eigenen Unsterblichkeit.

Die Serie "The Terror" basiert auf der wahren Geschichte der Franklin-Expedition: Zwei Schiffe, die HMS Terror und die HMS Erebus, mitsamt ihrer Crew und den beiden Kapitäne Sir John Franklin und Sir Francis Crozier verschwanden 1845 im Eis.

Oben Dinner, unten Blut

Eine fremde, extreme Welt, erbarmungsloser Überlebenskampf und ein ungelöstes Rätsel: Das ist der ideale Stoff für eine Serie, die noch dazu zur Geschichtslehrstunde taugt.

Gleich zu Beginn führt eine perfekt inszenierte Parallelmontage die zwei Klassen an Bord vor: Oben dinniert das Führungspersonal bei Wein und Roastbeef und unten bricht ein Matrose blutend zusammen.           

Ein Vorbote des drohenden Unheils, des Terrors, der sich schon bald in den Körpern und Köpfen der Besatzung ausbreitet.

Ach ja, und dann ist da noch dieses Ding: Ist es ein Bär, ein Monster, vielleicht nur eine Fantasie des kollektiven Realitätsverlustes an Bord?

So wie die prämierte Buchvorlage von Dan Simmons integriert auch die Serie nach und nach verstörende Horror- und Fantasyelemente in die Handlung, was größtenteils gut gelingt, Tempo und zusätzlichen Interpretationsspielraum schafft.

Neuer Genretrend?

Am Mix zwischen History und Horror versuchte sich gerade erst die Sky-Serie "Britannia", der es allerdings an Authentizität und Glaubwürdigkeit mangelt - genau das findet man bei Amazons "The Terror". Ist da also ein neuer Genretrend erkennbar? Gut möglich und wünschenswert.

Noch dazu, wenn sich eine Filmlegende wie Ridley Scott, hier als Produzent, mal wieder dem Format Serie zuwendet. Tatsächlich erscheinen Thema und Setting von "The Terror" sogar ein wenig wie die irdische Version des Filmklassikers "Alien": Schiff / Raumschiff, Arktis / All, die Havarie und natürlich der unheimliche Eindringling.   

Allerdings: Wer hier wirklich der Eindringling ist? Diese Frage stellt man sich eben auch bei "The Terror" immer und immer wieder und staunt über so ein größenwahnsinniges Unterfangen. Zwei Schiffe und Hunderte Kilometer Eis. Allein dieses Bild aus der Vogelperspektive überwältigt.

Letztlich gilt auch in "The Terror" - wie schon im ersten großen AMC-Hit "The Walking Dead": In der Extremsituation offenbart sich die ganze Natur des Menschen. Und dann ist es nicht nur Mensch gegen Natur, sondern Mensch gegen Mensch.

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