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StartseiteVerbrauchertippProfessionelle Unterstützung lohnt sich 24.02.2020

Ambulante PflegeProfessionelle Unterstützung lohnt sich

Etwa die Hälfte der 3,4 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland erhält im Alltag Hilfe von Familienmitgliedern. Professionelle Unterstützung kann in vielen Aspekten eine Entlastung sein. Oft wissen Angehörige und Pflegebedürftige jedoch nicht, welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

Von Bernd Debus

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 Eine Altenpflegerin begleitet eine ältere Frau mit dem Rollator durch den Flur eines Pflegeheims (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)
Pflegende Familienangehörige können sich vielfältige Unterstützung holen (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)
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"Ich habe es noch kennengelernt, der Bruder meines Opas, der lebte auf dem Land, hatte einen Bauernhof und da wohnten vier Generationen, die sich dann um die letzte, die Urgroßmutter kümmerten."

Christiane hat selber noch mit ihrer Mutter unter einem Dach gewohnt. Aber die Vier-Generationen-Großfamilie, die gemeinsam für die ältesten Mitbewohner sorgt, dürfte inzwischen die absolute Ausnahme sein. Meistens ist es heute nur eine Person, die sich um die Pflege, zum Beispiel eines dementen Partners oder eines erkrankten Elternteils, kümmern muss. Das ist belastend. Emotional und körperlich.

Gestaffeltes Pflegegeld als finanzielle Hilfe

Der Schlüssel für Hilfe und Entlastung ist der Pflegegrad. Der legt amtlich fest, wie pflegebedürftig ein alter oder kranker Mensch ist.

Raquel Reng von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland: "Der Pflegegrad eins ist der niedrigste und der Pflegegrad fünf ist der höchste. Pflegegrad eins ist sozusagen der Einstieg in die Leistungen der Pflegeversicherung. Da gibt es noch nicht allzu viel. Ab Pflegegrad zwei wird’s dann wirklich interessant, mit den Leistungen."

Zuständig ist die Pflegekasse. Ab Grad zwei zahlt sie ein monatliches Pflegegeld. Das fängt bei 316 Euro an und steigert sich bis auf 901 Euro bei Pflegegrad fünf.

Wachsen einem die Aufgaben über den Kopf, kann man sich Hilfe von einem professionellen Pflegedienst holen:

"Da bekommt man dann eben zusätzliches Geld, das heißt, der ambulante Pflegedienst kann das direkt dann mit der Pflegekasse abrechnen. Man muss dann allerdings wissen, dass das Pflegegeld, was man da noch für den pflegenden Angehörigen hat, anteilig gekürzt wird.", so Reng weiter.

Das zusätzliche Geld nennt sich Pflegesachleistung. Übernommen werden von 689 Euro monatlich bei Pflegegrad zwei bis zu 1.995 Euro bei Grad fünf.

Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege werden bezuschusst

Aber nicht immer müssen gleich die Profis ran. Manchmal reichen auch nette Nachbarn, die gegen ein kleines Honorar einspringen, wenn Pflegende mal eine kurze Auszeit brauchen. Das Stichwort dafür ist: Verhinderungspflege.

"Da gibt es dann eben die Möglichkeit, dass die Pflegeperson einfach zwischendurch mal ein bisschen Zeit für sich hat, ihren Hobbys nachgeht."

Das Jahresbudget für die Verhinderungspflege liegt bei 1.612 Euro.

Fällt jemand für längere Zeit aus, zum Beispiel um einfach mal Urlaub zu machen, dann gibt es die Kurzzeitpflege.

"Die Kurzzeitpflege, die gibt es für bis zu acht Wochen im Jahr, und die findet dann in einer Einrichtung statt, einem Pflegeheim, wo dann die pflegebedürftige Person auch komplett die ganze Zeit dort verbringt."

Im Topf für die Kurzzeitpflege: Ebenfalls 1.612 Euro pro Jahr.

Ganz wichtig ist Beratung. Die gibt es in Pflegestützpunkten und Pflegeberatungsstellen.

"Wir haben jetzt hier nur einen ganz kleinen Ausschnitt ansprechen können. Da gibt es also ganz vieles noch im Detail und viele Varianten, die man hier in Anspruch nehmen kann." 

Auch Christiane, die am Anfang des Beitrages vom Vier-Generationenhof erzählt hat, musste bei der Pflege ihrer eigenen Mutter lernen, dass sie alleine nicht leisten kann, was früher ganz viele Menschen gemeinsam gestemmt haben:

"Wenn man selber am Boden ist, dann kann man auch nicht mehr jemanden pflegen oder versorgen oder sich um ihn kümmern. Also auf die eigenen Grenzen gucken, aufpassen, dass man nicht drüber geht und rechtzeitig Abhilfe schaffen."

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