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StartseiteKalenderblattKunstmaler schreibt Industriegeschichte20.06.2015

Amerikanischer Erfinder Samuel MorseKunstmaler schreibt Industriegeschichte

Eigentlich war der Amerikaner Samuel Finley Breese Morse, der Erfinder des berühmten Morse-Alphabets, weder Techniker noch Wissenschaftler, sondern Kunstmaler. Dennoch hat das Patent, das er vor 175 Jahren für einen funktionstüchtigen Morse-Apparat erhielt, geholfen, Industriegeschichte zu schreiben. Die Eisenbahn synchronisierte damit ihre Abläufe und die Titanic schickte mit Punkten und Strichen ihre letzte Nachricht aus dem Eismeer.

Von Mathias Schulenburg

Zwei leere Gleise der Deutschen Bahn (imago / STPP)
Mitte des 19. Jahrhunderts durfte Samuel Morse die Eisenbahnlinie Washington-Baltimore mit Apparaten zur Nachrichtenübermittlung mittels kurzer und langer elektrischer Impulse ausstatten. So legte Morse die Grundlage für das dichte Zeitnetz von heute. (imago / STPP)

Das war, 1860, der damals schnellste Postservice der Welt, der Pony-Express, der mit 153 Zwischenstationen, 80 Kurieren, 500 Pferden und 200 Pferdepflegern über eine Strecke von 3100 Kilometern quer durch Nordamerika Dokumente transportierte. Wenn alles gut ging, brauchten die Reiter zehn Tage für eine Tour. Bill Cody, "Buffalo Bill", war der Berühmteste unter ihnen.

Nach nur eineinhalb Jahren wurde der teure Service eingestellt, denn Mitte Oktober 1861 war die erste elektrische Transkontinental-Telegrafenlinie der Western Union zwischen Missouri und Kalifornien fertig.

Die Nachrichtenübermittlung via Elektrizität war zu einem guten Teil durch einen Amerikaner in die Welt gekommen, der seine Berufung eigentlich in der Kunstmalerei hatte finden wollen: Samuel Finley Breese Morse, geboren am 27. April 1791 in Charlestown, Massachusetts.

Wenig gefragte Historienmalerei

Morse hatte als Maler schöne Erfolge, die allerdings kaum Geld einbrachten. Nach einer Periode wenig gefragter Historienmalerei verlegte er sich auf Porträts, die bis heute als glanzvoll gelten; mit dem Bildnis seines Präsidenten John Adams allerdings hatte er kein Glück. Der meinte:

"Es lohnt sich wohl kaum, einen Kahlkopf, auf den achtzig Winter geschneit haben, zu malen."

Am fertigen Porträt missfiel Adams Gattin Abigail "eine unbarmherzige Ähnlichkeit".

Auf der Rückkehr von einer Studienreise in Europa, 1832 auf dem Dampfschiff Sully, wurde Morse Zeuge, wie ein Mitreisender zur Unterhaltung der Passagiere verschiedene elektrische Gerätschaften demonstrierte, darunter einen Elektromagneten; man hielt es für möglich, dass sich Elektrizität für die Übermittlung von Signalen eignen könne. Nicht lange danach malte Morse sein letztes Bild und konzentrierte sich von nun an voll auf die Entwicklung eines Telegrafen. Mit der tatkräftigen finanziellen und fachkundigen Hilfe fähiger Geschäftspartner und Freunde gelang schließlich die Herstellung eines praxistauglichen Gerätes.

Entwicklung eines Telegrafen

Am 20. Juni 1840 erhielt Samuel Morse ein Patent auf seinen epochalen Telegrafen mit "Morse-Taste" und "Morse-Alphabet". Das Schlüsselelement des über Draht mit dem Sender verbundenen Empfängers ist ein Schreibstift an einem beweglichen Hebel, der über einem laufenden Papierstreifen schwebt. Die „Große Medienchronik" erklärt:

"In Ruhestellung berührt der Schreibstift das Papier nicht, bei Stromfluss zieht aber der Elektromagnet den am Schreibhebel sitzenden Anker an, der Stift wird gegen das Papier gedrückt und markiert je nach Dauer des Stromflusses einen Punkt oder einen Strich auf dem Streifen. Damit ist der binäre Code des "Morse-Alphabets" geschaffen, der Buchstaben in Längen und Kürzen übersetzt, beziehungsweise codiert."

Die maximale Übertragungsgeschwindigkeit lag bei zwei Zeichen pro Sekunde.

Nach der Patenterteilung wurden Stimmen laut, die Morse - dem gelernten Kunstmaler! - die Erfindungen streitig machen wollten. Der aber gewann sämtliche Prozesse. Ein Vollbluterfinder war Morse dennoch nicht, sein Ratgeber Joseph Henry, ein angesehener Wissenschaftler, schrieb:

"Ich bin mir nicht bewußt, dass Morse jemals eine selbstständige Entdeckung auf dem Gebiet der Elektrizität, des Magnetismus oder Elektromagnetismus gemacht hat, die für die Erfindung des Telegrafen verwend­bar wäre. Ich habe immer angenommen, dass sein Verdienst in der Kombination und Ausnutzung der Erfindungen anderer bestanden habe, in der Erfindung eines besonderen Instruments und eines Verfahrens für Telegrafierzwecke."

Das traf es wohl, und bevor sich sein Ruhm entfaltet hatte, war auch Morse dieser Ansicht gewesen. Erst später ließ seine Erinnerung an die Leistungen anderer nach.

Mitte des 19. Jahrhunderts durfte Samuel Morse die Eisenbahnlinie Washington-Baltimore mit Apparaten zur Nachrichtenübermittlung mittels kurzer und langer elektrischer Impulse ausstatten, was gut gelang. So legte Morse die Grundlage für das dichte Zeitnetz von heute.

Er starb 81-jährig, wohlhabend und mit einer großen Nachkommenschaft gesegnet.

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