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StartseiteKulturfragen"Wieso hat der Islam keinen Humor?"08.02.2015

András Schiff im Gespräch"Wieso hat der Islam keinen Humor?"

Der ungarische Pianist András Schiff ist schon sein ganzes Leben lang Antisemitismus ausgesetzt - gerade in seiner Heimat sei das heutzutage geradezu salonfähig, sagte er im DLF. Er findet, in Europa begegne man dem Islamismus gleichzeitig häufig zu unkritisch: "Diese Gutmenschen, die Fundamentalisten verstehen wollen, machen mich verrückt."

Der ungarische Pianist András Schiff im Gespräch mit Jochanan Shelliem

Der ungarische Pianist András Schiff (picture-alliance/dpa/Martin Schutt)
Der ungarische Pianist András Schiff (picture-alliance/dpa/Martin Schutt)
Weiterführende Information

Antisemitismus - "Das tut sehr weh"
(Deutschlandradio Kultur, Aus der jüdischen Welt, 10.01.2014)

"Vergessen wir nicht, dass der Mensch auch genial ist"
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 31.03.2013)

An den Taten der Attentäter von Paris beispielsweise gebe es nichts zu verstehen. Es sei absolut inakzeptabel, dass Islamisten versuchten, in Europa mit solchen Taten die Todesstrafe einzuführen, so Schiff.

Er verstehe die heftigen Reaktionen in der islamischen Welt auf Mohammed-Karikaturen im Allgemeinen nicht: "Was ist das Problem mit dieser Religion? Wieso hat der Islam kein Humor?" fragt Schiff. "Ist eine Religion so schwach, dass sie einen Witz nicht ertragen kann?"

Neben den Themen Islam und Fundmentalismus hält er auch den Antisemitismus für ein in Europa sehr relevantes Thema. Schiff hat in verschiedenen Ländern gelebt, in vielen davon sei Antisemitismus ein großes Problem. So habe er Österreich verlassen müssen, als Jörg Haider dort politisch aktiv war.

"Sie wollen Fußball, Würstchen und ein bisschen Sex"

Im Zusammenhang damit kritisierte Schiff die Bequemlichkeit vieler Menschen in Deutschland bei der Beurteilung der Situation im Nahen Osten. "Es ist nicht so, dass man die Politik Israels nicht kritisieren darf, aber es ist sehr bequem, das aus seinem Wohnzimmer zu tun," so Schiff. Viele Menschen hätten keine Ahnung, was dort vor sich ginge und ihre Informationsquellen - die Medien - seien manipuliert und berichteten nur einseitig. Den Staat Israel hält er für eine Notwendigkeit: Denn wenn es zum Schlimmste käme, gebe es einen Ort, an dem man als Jude willkommen sei.

Die politische Lage in seiner Heimat Ungarn beschreibt Schiff als schlimm, aber nicht hoffnungslos. Das Problem sei das Volk: Das habe Viktor Orban schließlich gewählt. Allgemein hält er die Bürger für zu passiv und desinteressiert an der Politik: "Sie wollen nur Fußball sehen und Würstchen essen und ein bisschen Sex haben, der Rest interessiert sie nicht." Doch auch der von der Regierung geförderte Nationalismus und Patriotismus im Land bereite ihm eine Gänsehaut. Die Ungarn hätten auch Vieles aus ihrer Geschichte nicht aufgearbeitet - im Gegensatz zu Deutschland: "Ich habe einen hohen Respekt vor Deutschland," so Schiff. Die Pegida-Demonstrationen hält er für Randerscheinungen. Man dürfe sie zwar nicht bagatellisieren, aber die Menschen und die Politik in Deutschland würden nicht zulassen, dass die Geschichte sich wiederhole.

Das gesamte Gespräch können Sie mindestens fünf Monate in unserem Audio-Player nachhören.

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