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StartseiteInformationen am MorgenMänner, Frauen und die Macht13.08.2019

Andrea Nahles in Maria LaachMänner, Frauen und die Macht

Anfang Juni sorgte der Rücktritt von Andrea Nahles im politischen Berlin für Aufsehen. Nun ist die ehemalige SPD-Vorsitzende erstmals wieder öffentlich aufgetreten. In ihrem Wahlkreis sprach sie über Gleichberechtigung - Fragen zur SPD oder ihrer Zukunft waren jedoch nicht erwünscht.

Von Moritz Küpper

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Rheinland-Pfalz, Maria Laach: Andrea Nahles, ehemalige Vorsitzende der SPD, hält einen Vortrag im Kloster Maria Laach. Nahles spricht über das Thema «Die Gleichberechtigung von Mann und Frau laut Grundgesetz und im wahren Leben». (dpa / Thomas Frey)
SPD-Politikerin Andrea Nahles sprach im Kloster Maria Laach über die Gleichberechtigung von Mann und Frau. (dpa / Thomas Frey)
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Auch Andreas Nahles selbst ist überrascht, wie diszipliniert das Publikum ist.

"Wissen Sie, ich bin echt froh, dass das jetzt erst kommt. Also, ich muss sagen: Es ist erstaunlich geradezu."

Mehr als eine Stunde von Nahles erster öffentlicher Veranstaltung nach ihrem Rücktritt als SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzende vor zwei Monaten ist da bereits rum, bis dann doch eine Frage nach ihrer Zukunft kommt - ob und wann sie ihr Bundestagsmandat abgeben werde.

"Ja, die Frage wird sich zügig, zeitlich, in absehbarer Zeit beantworten."

Nahles, blau-weiß gestreiftes Sakko, weißes Oberteil, schwarze Hose und die bekannten schulterlangen Locken, steht hinter einem hellen, hölzernen Redepult. Du musst drin bleiben, heißt es aus dem Publikum.

"Ja, klar, danke."

Applaus, Nahles lacht. Wie häufig an diesem Abend in der Benediktinerabtei Maria Laach, direkt in ihrem Wahlkreis gelegen. "Aber weißt Du, man muss auch manchmal wissen, wann man was Neues anfangen muss."

Über Macht unter Männern

Dennoch: Der Abend ist – nicht nur geographisch – ein Heimspiel:

"Früher habe ich immer gesagt, wenn ich mich irgendwo vorgestellt habe: Ich bin Maria Mühlenbruch, ich komme aus Andrea Nahles-Land."

Die 61-Jährige sitzt in der ersten Reihe, schaut bewundernd. Rund 200 Menschen sind gekommen, darunter viele Journalisten, die sich sogar aus der Hauptstadt in die Vulkaneifel aufgemacht haben. Nahles Thema: "Gerechtigkeit, insbesondere im Hinblick auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Wer sollte dies besser können als sie, Andrea Nahles hat diesbezüglich Historisches geschafft, schließlich war sie die erste Frau, die zur Vorsitzenden der ältesten Partei Deutschlands gewählt wurde. Schön, dass Sie heute Abend bei uns sind."

Zu Beginn Grüße an alte Weggefährten, dann ein etwas hölzerner Vortrag, doch als die Fragen kommen, blüht Nahles geradezu auf – und wird persönlich, erzählt davon, wie sie und andere Frauen auf Spitzenpositionen kamen: "Ich bin dann immer in die Vorstände gekommen und dann war die Macht immer das flüchtige Reh. Ich dachte, jetzt kommst du ins Präsidium, jetzt bist du aber am Hebel hier. Da haben sich die Jungs doch wieder außen vor dem Präsidium getroffen, nach dem Präsidium getroffen, unter sich getroffen, ich war schon wieder draußen. Das änderte sich logischerweise, als ich dann tatsächlich selber an die Spitze gekommen bin, da gab es dann auch nicht so viele Circle, mehr, wo ich dann nicht dabei war, aber doch zu viele."

Elternzeit, Kita-Öffnungszeiten, Gender-Pay-Gap

Mehr zur SPD gibt es an dem Abend nicht. Und Nahles Fazit ist durchaus selbstkritisch: "Je mehr Frauen in die Gremien kamen, desto mehr hat sich die Macht auch ins informelle wieder verflüchtigt. So dass es teilweise Scheinerfolge waren."

Sie klatscht in die Hände. Weiter geht’s: "Bitte."

Elternzeit, Kita-Öffnungszeiten, Gender-Pay-Gap; Mindestlohn. Nahles steht alleine auf der Bühne, moderiert, ruft zur Ordnung. 

"Psst. Bitte, ich kann kaum hören."

Kind und Karriere, meldet sich eine Frau, weiter hinten im Saal, das sei doch nicht wirklich vereinbar: "Ich habe immer versucht, das auch selbst zu widerlegen. Ich habe ja auch eine achtjährige Tochter. Und es ist mir eigentlich auch ganz gut gelungen. Bis auf einen kleinen Punkt: Es ist wahnsinnig anstrengend. Und wie man sich im Grunde selber killt."

Von ihrer Vorkämpfer-Biographie aufs Allgemeine zu kommen, darin liegen die starken Momente, dieses Abends. Beispielsweise, wenn Nahles über Solidarität unter Frauen spricht: "Ich glaube, dass die Frauen immer noch wenig Erfahrung mit diesem Vernetzen und sich wechselseitig stabilisieren haben. Eben wurde sehr schön beschrieben, diese Lobekartelle, die man bei den Männern seit Jahrtausenden pflegt. Das ist bei Frauen immer noch dünner."

Knapp zwei Stunden dauert die Veranstaltung, die Eindruck macht: 

"Sie war sehr kommunikativ, sie war gut gelaunt, sie war gut drauf."

"Ich habe Sie wenige Tage vor ihrem Ausscheiden aus der großen Politik erlebt, da war sie nicht so gelöst wie heute."

"Sie geht ihren Weg, sie weiß, was sie will! Die sagt nicht einfach: Ich trete zurück und hat keinen Plan. Das wird sie sich überlegt haben, bin ich von überzeugt."

Die Entscheidungen waren richtig, so Nahles beim Rausgehen, aber viele Veranstaltungen wie diese, werde es nicht mehr geben.

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