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StartseiteKalenderblattAnfänge des Terrors24.02.2005

Anfänge des Terrors

Adolf Hitler verkündete vor 85 Jahren das Programm der NSDAP

<em>Das Programm der Deutschen Arbeiterpartei ist ein Zeit-Programm. Die Führer lehnen es ab, nach Erreichung der im Programm aufgestellten Ziele neue zu formulieren.</em>

Von Otto Langels

Am Ziel: 13 Jahre nachdem er erstmals bei einer Massenveranstaltung das NSDAP-Programm verkündete, jubelt München dem Reichskanzler Adolf Hitler zu. (AP Archiv)
Am Ziel: 13 Jahre nachdem er erstmals bei einer Massenveranstaltung das NSDAP-Programm verkündete, jubelt München dem Reichskanzler Adolf Hitler zu. (AP Archiv)

Mit diesen Sätzen beginnt das Programm der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, das am 24. Februar 1920 im Münchner Hofbräuhaus verkündet wurde.

Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden in dem politisch aufgeheizten Klima von Niederlage und Revolution überall in Deutschland rechtsradikale, völkische Gruppen, darunter die Deutsche Arbeiterpartei, eine antimarxistische und antisemitische Sekte. Zunächst veranstaltete sie nur mäßig besuchte Diskussionsabende in Münchner Gaststätten. Im September 1919 nahm der Gefreite Adolf Hitler zum ersten Mal an einer Versammlung der Partei teil, einem Häuflein von 20 Personen. Hitler trat dann in die Deutsche Arbeiterpartei ein und wurde ihr Propagandist.

In einer Rede im November 1935 in München erinnerte er an die Anfänge der Bewegung:

Ein Häuflein von Narren schien das damals zu sein, von wahnsinnigen, von verblendeten, von törichten, von apolitischen Elementen, die nicht wussten, wie man nun einmal Politik macht. Wir wissen alle, wie dieses kleine Häuflein damals, ausgehend von dieser Stadt hier langsam gewachsen ist.

Anfang 1920 bereitete Adolf Hitler die erste Massenversammlung der Partei vor. Auf ihr sollten der neue Name Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei und das 25-Punkte-Programm vorgestellt werden.

Das Jahr 1920, das die Proklamation unseres Programms bringt, zum ersten Mal eine größere Versammlung. Damals kam mir der Saal zehn mal so groß vor wie heute.

Durch geschickte Inserate in der Münchner Lokalpresse kamen am 24. Februar 1920 im Festsaal des Hofbräuhauses 2000 Menschen zusammen. Sie applaudierten, als die 25 Punkte des Parteiprogramms verkündet wurden.

1. Wir fordern den Zusammenschluss aller Deutschen auf Grund des Selbstbestimmungsrechts der Völker zu einem Groß-Deutschland. 2. Wir fordern die Gleichberechtigung des deutschen Volkes gegenüber den anderen Nationen. 3. Wir fordern Land und Boden (Kolonien) zur Ernährung unseres Volkes und Ansiedlung unseres Bevölkerungsüberschusses.

Die 25 Punkte sind eine Mischung aus antidemokratischen und antisemitischen Forderungen, mit deutlichen Bezügen zu einem völkerbiologischen und rassentheoretischen Nationalismus.

4. Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtnahme auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein.

Angereichert ist das Programm mit verworrenen wirtschaftspolitischen Phrasen, die aus dem Arsenal kleinbürgerlicher Proteste gegen das so genannte "Finanzkapital" stammten.

11. Wir fordern: Abschaffung des arbeits- und mühelosen Einkommens, Brechung der Zinsknechtschaft. 14. Wir fordern Gewinnbeteiligung an Großbetrieben. 18. Gemeine Volksverbrecher, Wucherer, Schieber usw. sind mit dem Tode zu bestrafen.

Die am 24. Februar 1920 verkündeten 25 Punkte geben nur begrenzt Auskunft über die Ziele der NSDAP. Im Vordergrund stand ohnehin nicht die Ideologie- und Programmdiskussion. Adolf Hitler, der sich zunächst bescheiden als "Trommler" der Partei bezeichnete, aber schon bald nach der Versammlung im Hofbräuhaus die Führung an sich riss, machte die NSDAP zu einer dynamischen Kampfbewegung neuen Stils.

Und endlich konnten wir in diesem Jahr 20 die ersten wirklich vollen Säle erzielen, und zum ersten Mal außerhalb Münchens eine Ortsgruppe gründen. Unsere Bewegung, die wuchs dabei, wurde stärker und stärker. Die Nachwelt wird es einmal lernen, wir aber können sagen, wir sind dabei gewesen, wir haben das gemacht, wir haben es geschaffen.

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