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StartseiteKommentare und Themen der WocheDen Weg aufs Altenteil im Blick19.07.2019

Angela MerkelDen Weg aufs Altenteil im Blick

Was die aktuellen Themen betrifft, hält Bundeskanzlerin Angela Merkel das Heft des Handelns weiter in der Hand, kommentiert Theo Geers. Aus dem Gerangel um die Kanzlerkandidatur halte sie sich hingegen wohlweislich heraus. Da sei der politische Abstand, den Merkel allmählich zur Macht gewinnt, spürbar.

Von Theo Geers

Angela Merkel während ihrer Sommer-Bundespressekonferenz am 19. Juli 2019 (Michael Kappeler/dpa)
Deutschland kann, so wie Merkel das jetzt auch erst mal macht, beruhigt in den Sommerurlaub fahren, meint Theo Geers (Michael Kappeler/dpa)
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Knochenharte Wochen liegen hinter Angela Merkel. Fernreisen, Gipfeltreffen, Personalentscheidungen, dazu die Zitteranfälle, die bei all dem Stress den Menschen Angela Merkel noch zusätzlich verunsichert haben. Doch die Kanzlerin hat sich weder diese Strapazen noch die persönlichen Erschütterungen anmerken lassen. Ihre Botschaft war eindeutig: Amtsmüde ist Angela Merkel nicht. Im Gegenteil: Es gibt viel zu tun und mit Blick auf das, was noch zu erledigen ist, arbeitet sie mit dem angeschlagenen Koalitionspartner SPD sehr verlässlich zusammen.

Kramp-Karrenbauer stolpert weiter vor sich hin

Mit anderen Worten: Die Kanzlerin macht weiter und will weiter machen. Wenn es nach ihr geht bis 2021, bis zum Ende der vollen Legislaturperiode. Und sollte etwas Unerwartetes passieren, ist auch das kein Problem. Erstens macht genau das ja den Reiz des Kanzlerinnendaseins aus, und zweitens: Sollte etwas sein, ist sie ja erreichbar, weil immer im Dienst. Deutschland kann, so wie Merkel das jetzt auch erst mal macht, beruhigt in den Sommerurlaub fahren.

Dazu passt die zweite Botschaft Merkels: Das Haus ist gut bestellt - jetzt mit Ursula von der Leyen an der Spitze der EU-Kommission und Annegret Kramp-Karrenbauer als neue Verteidigungsministerin. Doch das öffentliche und das mediale Urteil lauten anders und natürlich ist es auch Angela Merkel nicht entgangen, dass das Berlaymont-Gebäude, der Sitz der EU-Kommission in Brüssel, besser bestellt ist als der Bendlerblock in Berlin, sprich das Verteidigungsministerium. Während Ursula von der Leyen mit einer einzigen Rede den Zweiflern Paroli geboten hat, stolpert Annegret Kramp-Karrenbauer weiter vor sich hin, kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus.

Klug hält sich Merkel aus der Kanzlerkandidatenfrage heraus

Die Zielrichtung solcher Attacken, die mit Olaf Scholz übrigens auch ein anderer potenzieller Kanzlerkandidat seit Wochen immer mal wieder wegstecken muss, ist klar. Hier wird in Zweifel gezogen, ob Kramp-Karrenbauer wirklich aus Kanzlerholz geschnitzt ist. Umso bemerkenswerter ist daher wie sehr Merkel Annegret Kramp-Karrenbauer in Schutz nimmt. Allerdings klangen Merkels Worte der Aufmunterung teilweise auch wie eine Aufforderung an Kramp-Karrenbauer nach dem Motto "Nun mach mal, nun zeig es ihnen endlich." Und klug hält sich Merkel aus der Entscheidung, ob aus AKK einmal die KK, die Kanzlerkandidatin der Union wird, wohlweislich heraus. Das sei Sache der beiden Schwesterparteien CDU und CSU.

Auch da war der politische Abstand, den Angela Merkel zur Macht allmählich gewinnt, spürbar. Klimaschutz, Grundrente oder die Migrationspolitik in der EU – was die aktuellen Themen betrifft, hält Merkel das Heft des Handelns weiter in der Hand. Zu spüren ist aber auch: Den Weg aufs Altenteil hat sie schon im Blick.

Theo Geers, 1959 in Sögel geboren, Studium der Volkswirtschaft an der Universität Köln, seit 1984 freier Journalist u. a. für DLF, WDR und andere ARD-Anstalten, seit 1991 als Wirtschaftsredakteur beim Deutschlandfunk. 1997 bis 2001 Korrespondent in Brüssel, 2010 bis 2011 Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt, seit 2012 Berliner Korrespondent für die Programme des Deutschlandradio, Themenschwerpunkt Wirtschaft und Finanzen.

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