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Anglizismen, Gendern, SprachverboteNiemand im Bundestag setzt laut Germanist Henning Lobin so stark auf Sprachpolitik wie die AfD

Henning Lobin steht in der Bibliothek. (dpa / Uwe Anspach)
Henning Lobin, Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim. (dpa / Uwe Anspach)

Sprachpolitik ist offenbar für die AfD ein besonders wichtiges Instrument.

Das legt eine Untersuchung des Direktors des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim, Henning Lobin, nahe. Die explizite Ablehnung von Anglizismen, vermeintlich politisch korrekten Sprachvorgaben und gendergerechter Sprache beispielsweise finden sich neben vier weiteren Aspekten nur im Grundsatzprogramm der AfD wieder, erläutert der Professor für Germanistische Linguistik im Blog "Scilogs". So heiße es in dem AfD-Papier zum Beispiel, man sehe "mit Sorge, wie die deutsche Sprache im Sinne einer falsch verstandenen 'Internationalisierung' durch das Englische ersetzt oder 'gegendert' wird." Die Sprache werde "abstrus umgestaltet", damit sich die Geschlechteraufhebung auch im alltäglichen Sprachgebrauch wiederfinde.

Insgesamt hat Lobin 12 bis 13 sprachpolitische Positionen im aktuellen AfD-Parteiprogramm ausgemacht. In dem der CDU tauchen demzufolge sieben, die wenigsten mit zweien in dem der Linken auf. Fast alle Parteiprogramme fordern Deutsch im Kontext von Integration und Migration.

Überschneidungen mit der NPD

Der Germanist legt zudem nahe, dass Sprachpolitik ein Charakteristikum rechter Parteien sein könnte. Dazu verweist er auf das Parteiprogramm der NPD. Darin gebe es trotz deutlich geringen Umfangs sechs sprachpolitische Positionen. Sie deckten sich mit denen der AfD oder gingen noch darüber hinaus. Beispielsweise heiße es dort, die deutsche Sprache sei "vor Primitivierung und Anglisierung" zu schützen.

Sprachpolitik hat laut Lobin gegenwärtig Konjunktur: Sie werde zunehmend als Medium für Parteienprogrammatik vereinnahmt. Aus dieser Perspektive fungiere Sprache als Medium für Nationalismus, traditionelle Gesellschaftsvorstellungen, kulturelle Dominanzansprüche, für Legitimation "populistischer Diskurspraktiken" und "propagandistische Kommunikation". Geeignet ist Sprache dafür aber nach Lobins Auffassung nicht. Sprachen seien "Paradebeispiele für Vielfalt und Wandelbarkeit", betont er.

Der Wissenschaftler hat für seine Untersuchung neben den jeweils aktuellen Parteiprogrammen parlamentarische Anfragen und Initiativen der AfD berücksichtigt sowie Aufrufe anderer Akteure wie dem "Verein Deutsche Sprache", zu denen sich AfD-Landesverbände und die Bundestagsfraktion zustimmend geäußert hatten.