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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin Bündnis gegen Irans Terrorexport14.08.2020

Annäherung von Israel und Vereinigten Arabischen EmiratenEin Bündnis gegen Irans Terrorexport

Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate wollen diplomatische Beziehungen aufnehmen. Das zeige, welche Bruchlinie die Region tatsächlich bestimme, kommentiert Marcus Pindur: der Konflikt der sunnitisch geprägten arabischen Staaten mit dem schiitischen Iran.

Von Markus Pindur

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Die beleuchteten Fenster eines Gebäudes ergeben die Farben der Nationalflagge der Vereinigten Arabischen Emirate, nach der historischen Vereinbarung zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel über die Aufnahme uneingeschränkter diplomatischer Beziehungen am 13.08.2020 (dpa / Oren Ziv)
Die beleuchteten Fenster eines Gebäudes ergeben die Farben der Nationalflagge der Vereinigten Arabischen Emirate, nach der historischen Vereinbarung zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel über die Aufnahme uneingeschränkter diplomatischer (dpa / Oren Ziv)
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Die Aufnahme regulärer diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten macht die Region sicherer und stabiler. Bislang galt es als Tabu für arabische Staaten, Abkommen mit Israel zu schließen, bevor der Nahost-Konflikt gelöst ist. Unter dem Nahostkonflikt verstand man bisher den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern.

Seit Jahren bestehen heimliche Kontakte 

Die jetzige Annäherung zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel zeigt aber, welche Bruchlinie die Region tatsächlich bestimmt: Der Konflikt der sunnitisch geprägten arabischen Staaten mit dem schiitischen Iran. Der Terrorexport des Iran und seine imperialistische Expansion in Staaten wie Syrien, Jemen und Libanon machen nicht nur den Staaten in der Region große Sorgen. Der Iran finanziert die Hamas im Gazastreifen, die andauernd Israel mit Granaten und Raketenangriffen terrorisiert. Der Iran finanziert die Hisbollah im Libanon. Ohne iranische Unterstützung wäre der Schlächter Assad in Syrien nicht mehr an der Macht.

Israel und die Emirate pflegten seit Jahren heimlich Kontakte. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Emirate vor ihrem Schritt mit Saudi-Arabien abgesprochen haben. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass auch andere arabische Staaten nach einer gewissen Schamfrist ihre Beziehungen zu Israel normalisieren wollen.

Palästinenser spielen bei Emiraten keine nennenswerte Rolle mehr

Die Palästinenser haben zu oft die Chance verpasst, mit Israel zu einem historischen Kompromiss zu kommen. Dreimal, unter drei verschiedenen israelischen Ministerpräsidenten, hat man ihnen eine Zwei-Staaten-Lösung angetragen, dreimal hat die palästinensische Führung abgelehnt. Die Palästinenser spielen in den strategischen Erwägungen der arabischen Staaten keine nennenswerte Rolle mehr. Und der israelische Ministerpräsident Netanjahu kann die Drohung mit einer Teil-Annexion des Westjordanlandes immer wieder als Verhandlungsmasse gegenüber den arabischen Staaten benutzen.

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Marcus Pindur, Korrespondent in Washington (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Marcus Pindur (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Marcus Pindur hat Geschichte, Politische Wissenschaften, Nordamerikastudien und Judaistik an der Freien Universität Berlin und der Tulane University in New Orleans studiert. Er war Stipendiat der Fulbright-Stiftung, der FU Berlin sowie des German Marshall Fund. 1997 bis 1998 arbeitete er als Politischer Referent im US-Repräsentantenhaus. Pindur war ARD-Hörfunkkorrespondent in Brüssel, bevor er 2005 zum Deutschlandradio wechselte. Von 2012 bis 2016 war er Korrespondent für Deutschlandradio in Washington, D.C. Seit Anfang 2019 ist er Deutschlandfunk-Korrespondent für Sicherheitspolitik.

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