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StartseiteForschung aktuellAnpassung15.11.2013

Anpassung

Die Erde im Schwitzkasten 7: Abmilderung der Folgen

Geowissenschaften. - Der Klimawandel kommt, da sind sich alle Experten einig. Und selbst wenn es den Staaten gelingt, den weltweiten CO2-Ausstoß zu drosseln und die Erwärmung zu begrenzen, werden Folgen nicht ausbleiben. Wie diese aussehen werden und welche Möglichkeiten der Anpassung es gibt, wird der Weltklimarat im kommenden Frühjahr in einem ausführlichen Bericht beschreiben.

Von Monika Seynsche

Stärkere Stürme und höhere Pegelstände machen verstärkte Deiche nötig. (picture alliance / dpa / Christian Charisius)
Stärkere Stürme und höhere Pegelstände machen verstärkte Deiche nötig. (picture alliance / dpa / Christian Charisius)

Alle Klimamodelle der Welt bergen Unsicherheiten. Nehmen die Kohlendioxidemissionen weiter zu oder sinken sie? Steigt der Meeresspiegel um einen halben Meter an oder um einen ganzen? Antworten auf diese Fragen fehlen. Trotzdem müssen sich die Menschen jetzt schon auf die möglichen Veränderungen der Zukunft vorbereiten. Dafür sei es vernünftig, sich auf das Schlimmste einzustellen, sagt Saleemul Huq.

"Im Moment besteht die robusteste Anpassungsstrategie darin, anzunehmen, das sich die negativen Einflüsse des Klimas in jedem Bereich verschlimmern werden."

Der Direktor des Internationalen Zentrums für Klimawandel und Entwicklung in Bangladesh ist einer der Hauptautoren des nächsten IPCC Berichts zu den Folgen des Klimawandels, der im kommenden Frühjahr erscheinen wird.

"Wenn Sie in einer Region leben, die anfällig für Dürren ist, sollten Sie davon ausgehen, dass die Dürren zunehmen werden. Wenn Sie in einem flutgefährdeten Gebiet leben, stellen Sie sich auf mehr und heftigere Überflutungen ein. In einem Hurrikangebiet müssen Sie mit mehr Stürmen rechnen, und wenn Sie in einer niedrig gelegenen Küstenregion leben, wird die Versalzung der Böden zunehmen."

In seinem Heimatland Bangladesh seien die Menschen heute schon gezwungen, sich an solche Veränderungen anzupassen, sagt Saleemul Huq. Agrarforscher in Bangladesh haben Reissorten entwickelt, die salztolerant sind und nahe der Küsten gedeihen, wo der steigende Meeresspiegel immer mehr Salzwasser in den Boden drückt.

"Außerdem haben sie überflutungstolerante Reissorten gezüchtet, die bis zu zehn Zentimeter pro Tag wachsen können. Wenn der Pegel ansteigt, können diese Pflanzen sich so an der Wasseroberfläche halten und wochenlange Überflutungen überleben."

Der Weltklimarat hat vier Weltregionen ausgemacht, die nach Ansicht der Wissenschaftler besonders vom Klimawandel betroffen sein werden, in denen also Anpassungsstrategien dringend erforderlich sind. Neben den flachen Inselstaaten im Pazifik, im Indischen Ozean und in der Karibik sind das zum zweiten tief gelegene Flusstäler in Asien. Huq:

"Besonders das Tal des Ganges-Brahmaputra, des Indus sowie des Mekong und der großen Flüsse Chinas mit ihren Dutzenden bis Hunderten von Millionen Einwohnern sind sehr, sehr gefährdet. Die dritte vom Klimawandel besonders bedrohte Weltregion ist der gesamte Afrikanische Kontinent. Dort werden gerade in Ost- und Westafrika immer mehr Dürren auftreten. Und die vierte Region ist die Arktis. Hier leben zwar nicht viele Menschen, aber die Temperaturen steigen extrem schnell und führen zu einer starken Eisschmelze in der Region um den Nordpol."

In all diesen Weltregionen werden sich die Menschen auf massive Veränderungen einstellen müssen. Sie sollten entweder versuchen, sich vor den Folgen zu schützen, mit ihnen zu leben, oder die Regionen verlassen, sagt Virginia Burkett. Die Chefwissenschaftlerin für Klima und Landnutzungsänderungen beim Geologischen Dienst der USA in Many, Louisiana, untersucht, welche Auswirkungen der Meeresspiegelanstieg auf Küstenregionen und deren Bewohner hat. Dabei träte die soziale Komponente immer stärker in den Vordergrund.

"Wir haben schon Fälle gehabt, in denen Menschen aus Küstenregionen wegziehen mussten. Das hat zu großen gesellschaftlichen Problemen geführt. Nach dem Hurrikan Katrina zum Beispiel, wurden die Leute einfach mit Bussen in andere Teile des Landes gebracht. Sozialwissenschaftler haben untersucht, welche Auswirkungen das auf das Leben dieser Menschen hatte, aber auch auf die Gemeinden, in denen die Flüchtenden untergekommen sind. Die sozialen Folgen solcher Umsiedlungen darf man nicht vernachlässigen."

Nicht in einer Industrienation wie den USA und erst recht nicht in ärmeren Ländern, die noch viel stärker unter den Folgen des Klimawandels leiden werden.

Hinweis: Die ist der letzte Teil der Sendereihe Die Erde im Schwitzkasten.

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