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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin Warnsignal für viele andere Länder21.04.2019

Anschläge in Sri LankaEin Warnsignal für viele andere Länder

Auch wenn es bereits mehrere Verhaftungen gegeben habe, sei noch immer nicht klar, wer hinter den verheerenden Anschlägen in Sri Lanka stecke, kommentiert Bernd Musch-Borowska. Eine Spekulation führe in den Bereich islamistischer Terroristen. Waren es IS-Kämpfer, die aus Syrien zurückgekehrt sind?

Von Bernd Musch-Borowska

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Helfer tragen Leichensäcke vor der St. Anthonys Kirche in Sri Lanka weg, nachdem hier viele Menschen durch einen Anschlag ums Leben gekommen sind  (NurPhoto/Tharaka Basnayaka)
Helfer tragen Leichensäcke vor der St. Anthonys Kirche weg. Mindestens 200 Menschen wurden bei Anschlägen vor Kirchen und Hotels in Sri Lanka getötet. (NurPhoto/Tharaka Basnayaka)
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Trauer, Wut und Entsetzen, aber auch Fassungslosigkeit über das Ausmaß und die Grausamkeit dieser Anschlagsserie am Ostersonntag in Sri Lanka. So lässt sich die Stimmungslage zusammenfassen - in Sri Lanka selbst, aber auch in der ganzen Welt. Es gab Solidaritätserklärungen und Beileidsbekundungen aus vielen Hauptstädten rund um den Globus.

Mehr als 200 Tote hat es offenbar gegeben und Hunderte Verletzte, bei einer Serie von Bombenanschlägen auf voll besetzte Kirchen während der Messe am Ostersonntag und auf mehrere Luxushotels in Colombo und außerhalb der Hauptstadt von Sri Lanka.

Die Täter hatten es ganz offensichtlich darauf abgesehen, möglichst viele Menschen zu töten und sie hatten bei ihrem Vorhaben ganz offensichtlich die christliche Minderheit in Sri Lanka im Visier, sowie eine der wichtigsten Branchen des Landes, den Tourismus.

Blutflecken sind an der Wand und auf einer Jesus Christus-Figur in der durch eine Explosion beschädigte St.-Sebastians-Kirche. (dpa-Bildfunk / AP )Blutflecken sind an der Wand und auf einer Jesus Christus-Figur in der durch eine Explosion beschädigte St.-Sebastians-Kirche. (dpa-Bildfunk / AP )

Lange Geschichte blutiger Gewalt im Land

Wer für die Anschläge verantwortlich war, steht noch nicht fest. Noch gibt es keine offiziellen Hinweise auf die Täter. Auch wenn es bereits erste Verhaftungen gegeben hat. Aber es gibt viele Spekulationen.

Eine Spekulation führt in den Bereich islamistischer Terroristen. Es könne sich um IS-Kämpfer gehandelt haben, die nach dem Ende des Krieges in Syrien nach Sri Lanka zurückgekehrt seien, berichteten verschiedene Medien des Landes. Da nach bisherigen Erkenntnissen mindestens zwei der Explosionen von Selbstmordattentätern verursacht wurden, erhält zumindest diese Spekulation, eine gewisse Plausibilität.

Islamistischer Terror hat in der Vergangenheit kaum eine Rolle in Sri Lanka gespielt. Möglicherweise hatten die Sicherheitsbehörden diese Gefahr deshalb nicht auf dem Radar. Dabei hat das Land eine lange Geschichte blutiger Gewalt gegen und zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen und Religionsgemeinschaften. Der jahrzehntelange Bürgerkrieg, der im Jahr 2009 zu Ende ging, war geprägt von gegenseitigem Hass der tamilischen Minderheit und der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit.

Seit Jahren heizen radikale buddhistische Mönche immer wieder den Hass auf muslimische und auch christliche Minderheiten an. Im vergangenen Jahr gab eine Welle von Gewalt gegen Moscheen und muslimische Geschäfte.

Die kleine Minderheit der Christen in Sri Lanka war hingegen bislang nie im Mittelpunkt solcher Exzesse. Da die Christen sowohl bei der tamilischen Minderheit, als auch bei der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit vertreten sind, konnten sie in der Vergangenheit oftmals eine Art Vermittlerrolle einnehmen. Bis heute, bis sie im Mittelpunkt einer der schwersten Anschlagsserie standen, die das Land seit Jahren erlebt hat.

Islamistischer Terror wäre ein weiteres Problem

Sollte sich die Spur zu islamistischem Terror bewahrheiten, dann wäre die Anschlagsserie in Sri Lanka ein Warnsignal für viele andere Länder, in die jetzt ehemalige IS-Kämpfer aus Syrien zurückkehren. Die Gefahr, die von diesen kampferprobten und von Terror geprägten Fanatikern ausgeht, kann leicht unterschätzt werden, nicht nur in Sri Lanka. Die Regierung in Colombo hat sich in den vergangenen Jahren mehr mit eigenen Machtspielen und der Bekämpfung der politischen Gegner befasst, statt mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes, der Aufarbeitung des jahrzehntelangen Bürgerkriegs und der Lösung gesellschaftlicher Probleme.

Islamistischer Terror wäre ein weiteres Problem, das von heute an ganz oben auf der Tagesordnung der Regierung von Sri Lanka stehen dürfte.

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