Samstag, 23.02.2019
 
Seit 17:30 Uhr Kultur heute
StartseiteKommentare und Themen der WocheAn Gewalt gegen Politiker dürfen wir uns nicht gewöhnen08.01.2019

Anschlag auf Frank MagnitzAn Gewalt gegen Politiker dürfen wir uns nicht gewöhnen

Der Angriff auf den Bremer AfD-Chef Frank Magnitz sei durch nichts zu rechtfertigen, kommentiert Frank Capellan. Auch eine Relativierung sei fehl am Platz. Körperliche Gewalt in der politischen Auseinandersetzung - das müsse der Rechtsstaat entschieden bekämpfen.

Von Frank Capellan

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Frank Magnitz (MdB, AfD) auf dem Weg zur Fraktionssitzung der AfD-Bundestagsfraktion im Deutschen Bundestag. (imago / Jens Jeske)
Schwer verletzt durch mindestens drei Männer: Frank Magnitz - die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Unbekannt (imago / Jens Jeske)
Mehr zum Thema

Frank Magnitz überfallen Empörung über Angriff auf Bremer AfD-Chef

Die Bilder sind furchtbar. Frank Magnitz hat offensichtlich viel Glück gehabt. Unter Zustimmung seiner Familie soll jenes Foto veröffentlicht worden sein, das seinen blutüberströmten Kopf zeigt. Der Bremer AfD-Chef ist Opfer eines schweren Verbrechens geworden, das natürlich durch nichts zu rechtfertigen ist, das auch nicht relativiert werden darf.

In diesem Sinne hätte sich Cem Özdemir heute früh besser ein Beispiel an seinem grünen Parteivorsitzenden Robert Habeck nehmen und das schnelle Twittern bleiben lassen sollen.

"Auch gegenüber der AfD gibt es keinerlei Rechtfertigung für Gewalt", schreibt Özdemir da, um im nächsten Satz hinzuzufügen: "#Nazis raus, aber mit den Methoden unseres Rechtsstaates!"

Hetze und Provokation im Repertoire

Ungewollt hat er Alexander Gauland damit eine Steilvorlage geliefert: Wer uns in einem solchen Moment als undemokratische Partei ausgrenzt, der macht uns vogelfrei und verschärft das Klima des Hasses - so argumentiert der AfD-Bundesvorsitzende und gibt seiner Partei damit eine Märtyrerrolle. Auch das allerdings ist völlig daneben. Zur Wahrheit gehört eben auch, dass Ausgrenzung, Hetze und Provokation leider zum Standardrepertoire der sogenannten Alternativen gehören. Frauke Petry startet damit einst, als sie den Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge an Deutschlands Grenzen forderte, Beatrix von Storch schwadronierte später im Bundestag verantwortungslos über "Kopftuchmädchen und andere Taugenichtse", Björn Höcke wünscht sich nach der tausendjährigen Vergangenheit eine tausendjährige Zukunft für Deutschland, Alexander Gauland schließlich bagatellisiert den Nationalsozialismus als "Vogelschiss der Geschichte" und Boris Beckers Sohn wird von einem AfD-Politiker als "kleiner Halbneger" diffamiert.

Körperliche Gewalt entschieden bekämpfen

Derlei Zitate lassen sich leider zuhauf finden, diese Verrohung anzuprangern und die Nähe vieler AfD-Politiker zur extremen Rechten beim Namen zu nennen, das gehört zur Pflicht eines jeden Demokraten. Sozialdemokrat Martin Schulz hat unter der geschichtsträchtigen Reichstagskuppel im vergangenen Jahr eindrucksvoll bewiesen, dass die Auseinandersetzung mit Worten durchaus scharf geführt werden muss. Die Medien wiederum hetzen in ihrer Mehrheit nicht gegen die AfD, sondern geben wieder, was von Populisten auf Kosten anderer ausgesprochen wird. Das ist gut so, und doch lässt der Anschlag von Bremen Böses befürchten.

"Drohen uns Weimarer Verhältnisse?", haben sich viele 2018 gefragt und meinten die immer schärfer werdende verbale Auseinandersetzung. Inzwischen aber müssen wir auch über körperliche Gewalt sprechen. Das muss unser Rechtsstaat entschieden bekämpfen. An furchtbare Bilder wie die des verletzten Frank Magnitz dürfen wir uns niemals gewöhnen!

Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub  )Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub )Frank Capellan, geboren 1965 im Rheinland, studierte Publizistik, Neuere Geschichte und Politikwissenschaften, Promotion an der Universität Münster. Nach einer Ausbildung bei der Westdeutschen Zeitung folgte ein Volontariat beim Deutschlandfunk, dem er bis heute treu geblieben ist. Zunächst Moderator der Zeitfunk-Sendungen, unter anderem der Informationen am Morgen; seit vielen Jahren als Korrespondent im Hauptstadtstudio tätig, dort u. a. zuständig für die SPD, die Familienpolitik und E

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk