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StartseiteSpielweisenEin strahlender Favorit05.12.2018

Anspiel - Neues vom KlassikmarktEin strahlender Favorit

Wie viel Privates verträgt ein Album? Muss eine neue Aufnahme der Bach-Solo-Sonaten die historische Aufführungspraxis reflektieren? Und wie spielt man Schostakowitsch eigentlich gut? Eine Blitz-Diskussion über neue Klassik-CDs - mit Gewinnern und Verlierern.

Eleonore Büning, Bjoern Woll im Gespräch mit Susann El Kassar

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Christian Gerhaher stützt seinen Kopf auf die Hände, blickt hinterfragend. (Gregor Hohenberg / Sony Music Entertainment)
Prägt seit mehreren Jahren den Kunstlied-Gesang nachhaltig: der Bariton Christian Gerhaher (Gregor Hohenberg / Sony Music Entertainment)
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Drei CDs musste jeder Musikkritiker für die Sendung aussuchen: die beste CD der vergangenen sechs Monate, eine Enttäuschung, die zuletzt erschien, und eine Entdeckung oder Überraschung. So hatten Eleonore Büning, Bjoern Woll und Susann El Kassar insgesamt neun CDs vor sich, über die sie in knapp 45 Minuten diskutierten. Mal überraschend kontrovers, mal als einstimmiger Lobeshymnus.

Die Musikjournalisten Bjoern Woll, Eleonore Büning und Susann El Kassar. (Deutschlandradio / Simone Wien)Bereit, um zu argumentieren, ob eine Aufnahme gelungen ist oder nicht: Bjoern Woll, Eleonore Büning und Susann El Kassar (v.l.n.r.) (Deutschlandradio / Simone Wien)

Die besprochenen CDs:

Life
Igor Levit, Klavier
sony classical

Eleonore Büning: "Die beste CD, die Igor Levit bislang veröffentlicht hat. Sie bricht eine Lanze für die Virtuosen Liszt und Busoni - jeder kennt sie, aber die wenigsten spielen sie. Auf dieser CD kann man erleben, wie Igor Levit ein ungeheuer tiefes Verständnis der lyrischen Passagen bei Liszt aber auch bei Busoni herausarbeitet."

Der deutsch-russische Pianist Igor Levit tritt am 08.11.2013 im Kulturhaus Dussmann in Berlin im Rahmen eines Showcase auf. Foto: Roland Popp/dpa | Verwendung weltweit (dpa)Igor Levit - Showcase in Berlin (dpa)

Frage
Lieder und Balladen von Robert Schumann
Christian Gerhaher, Bariton
Gerold Huber, Klavier
sony classical

Susann El Kassar: "Wissen, Erfahrung und Können fügen sich hier auf perfekte Weise. Die Interpretation zeugt von Wortverständnis und von Detailliebe, mit denen Huber und Gerhaher eine suggestiven Zugang zu Schumanns Liedern ermöglichen."

Schostakowitsch
Streichquartett Nr. 3 / Klavierquintett
Belcea Quartett
Piotr Anderszewski, Klaiver
Alpha classics

Bjoern Woll: "Mich erschüttert, mich berührt die Art, wie das Belcea Quartett Schostakowitschs drittes Streichquartett spielt. Sie zeigen Mut zum Risiko, spielen planvoll ausbalanciert und gehen bewusst in dynamische Grenzbereiche." 

Die Geigerin Hilary Hahn (Peter Miller/DSO)Die Geigerin Hilary Hahn (Peter Miller/DSO)

Johann Sebastian Bach
Sonaten Nr. 1 und Nr. 2, Partita Nr. 1
Hilary Hahn, Violine
Decca

El Kassar: "Hilary Hahn ist eine der begabtesten Geigerinnen. Dieses Bach-Album knüpft an, an ihr CD-Debüt, das sie als 17-jährige aufgenommen hat. 20 Jahre später hat sie die fehlenden Bach-Solo-Werke aufgenommen. Das Enttäuschende für mich, dass der Unterschied marginal ist. Ich frage mich, ob sie tatsächlich nicht verfolgt hat, wie man Bach mittlerweile auch spielen kann..."

Puccini in Love
Roberto Alagna, Tenor
Alexandra Kurzak, Sopran
Sinfonia Varsovia
Leitung: Riccardo Frizza
sony classical

Woll: "Puccini in Love hat das Ehepaar Alagna Kurzak das Album genannt, leider höre ich beispielsweise bei "o suave fanciulla" wenig von Liebe, ich höre da kein Knistern und keine Erotik, mich lässt das eiskalt."

Schostakowitsch #5
NDR Elbphilharmonie Orchester
Leitung: Krzystof Urbanski
alpha classics

Büning: "Ein bisschen zu ungenau, ein bisschen zu grob auch in der Phrasierung wie das bei Urbanski öfters der Fall ist - Hauptsache laut. Es gibt eine Menge Referenzaufnahmen, die sind einfach um Lichtjahre besser und ich frage mich, warum wird das gemacht? Man braucht es nicht."

Miroir(s)
Elsa Dreisig, Sopran
Orchestre National de Montpellier Occitanie
Michael Schoenwandt
Erato

Woll: "Ein Debütalbum, das ich nicht nur von der Zusammenstellung der Arien, vom Konzept her überzeugend finde, sondern auch eine schöne Visitenkarte einer jungen Sängerin, die großes Potential zeigt." 

Johannes Brahms
Sonaten für Violine und Klavier Nr. 1-3
Leila Schayegh, Violine
Jan Schultz, Klavier
Glossa

El Kassar: "Mein erster Höreindruck war Irriation bis Ablehnung. Ich wollte die CD aber nicht einfach so beseite schieben und mich auf dieses Experiment von Leila Schayegh und Jan Schultz einlassen. Verstehen, warum die beiden Brahms so anders spielen. Und dann hat es was: Wärme, einen anderen Flow." 

Der Cembalist und Dirigent Christophe Rousset auf einem roten Designer-Stuhl (Ignacio Barrios)Der Cembalist und Dirigent Christophe Rousset (Ignacio Barrios)

Les Horaces
Les Talens Lyriques
Judith van Wanroij (Camille), Cyrile Dubois (Curiace), Julien Dran (Horace, der Jüngere), Sebastien Bou (Horace, der Ältere), Les Chantres du Musique Baroque de Versailles
Leitung: Christophe Rousset
Aparté

Büning: "Für mich war das DIE Entdeckung des Jahres! Salieri hat kurz vor der französischen Revolution einen neuen Opernstil ausprobiert, der zwischen Gluck und Wagner steht."

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