Sonntag, 12.07.2020
 
StartseiteVerbrauchertippApp hilft bei Ärger mit dem Flug09.06.2020

Ansprüche gegenüber Fluggesellschaften App hilft bei Ärger mit dem Flug

Zu spät, abgesagt oder ausgefallen? Bei Problemen mit dem Flug müssen Passagiere ihre Ansprüche schnell geltend machen. Eine App der Verbraucherzentralen soll Fluggästen helfen, bei Flugärger kostengünstig und ohne viele Hindernisse zu ihrem Recht zu kommen.

Von Michael Voregger

Das Foto zeigt die Anzeigetafel am Flughafen Köln/Bonn am 10. Januar 2018. (picture-alliance / dpa / Federico Gambarini)
Verbraucherzentralen erleichtern Beschwerden bei Fluggesellschaften, beispielsweise wenn der gebuchte Flug ausfällt (picture-alliance / dpa / Federico Gambarini)
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Die Zahl der Flüge hat in den letzten Jahren beständig zugenommen. Knapp 47 Millionen Starts und Landungen waren es im letzten Jahr. Und ohne Corona wären es in diesem Jahr noch mehr geworden. Bei so einer großen Zahl ist es kein Wunder das es zu Verspätungen, abgesagten Flügen und schlechten Verbindungen kommt. In einem solchen Fall hat der Reisende Anspruch auf eine Entschädigung. Maximilian Hermandung ist Rechtsanwalt und sein Gebiet ist das Reiserecht.

"Wenn ich jetzt privat und individuell die Reise zusammenstelle und zum Beispiel Flüge selbstständig buche, ohne die Hilfe eines Reiseveranstalters in Anspruch zu nehmen. Dann kann ich gegebenenfalls, wenn es zu Problemen mit dem Flug kommt, Ansprüche aus europäischen Rechtsverordnungen haben. Im Speziellen wird dann meistens die sogenannte Fluggastrechteverordnung herangezogen werden müssen."

Bequem und schnell Ansprüche prüfen

Wenn etwas schiefgeht, dann sprechen die Juristen von einem Mangel. Dieser Mangel muss umgehend und möglichst schnell geltend gemacht werden. Geschwindigkeit ist also gefragt und es sollte auch eine schriftliche Nachricht sein. Wenn die Reisenden noch unterwegs sind, kann das kompliziert werden. Die Verbraucherzentralen wollen den Fluggästen helfen, bei Flugärger kostengünstig und ohne viele Hindernisse zu ihrem Recht zu kommen. Anke Hering von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat dabei ein spezielles Angebot zu machen.

"Unsere Flugärger-App ist ein Selbsthilfe Tool. Das ist eine App, wo man seine Ansprüche nach der EU-Flugtastrechteverordnung geltend machen kann, beziehungsweise bequem und kostenlos prüfen. Die App berechnet den Anspruch, den man hat, generiert ein Musterschreiben, das kann man dann per Mail oder per Post direkt an die Airline schicken."

Verpflegung oder Rückerstattungen?

Die App geht auf einen Beschluss des Landtags von Nordrhein-Westfalen zurück. Der Anlass war der chaotische Flugsommer 2018 mit zahlreichen Verspätungen und Annullierungen. Die Nutzer müssen sich nicht mit rechtlichen Verordnungen herumschlagen und es sind die Kontaktdaten aller Fluggesellschaften hinterlegt. Der Bedarf ist groß und inzwischen ist die App über 60.000 Mal heruntergeladen worden.

"Es gibt die sogenannten Ausgleichszahlungen. Das sind Festbeträge je nach der Flugstrecke und der Dauer der Verspätung. Dann gibt es die Betreuungsleistungen. Das ist zum Beispiel Verpflegung am Flughafen, wenn ich da länger warten musste, mir was zu essen kaufen musste oder sogar ein Hotelzimmer brauchte. Und es gibt die sogenannten Unterstützungs-Leistungen, das ist letztendlich der Ticketpreis, wenn man den Flug gar angetreten hat oder abgebrochen hat, dann kann man auch den Ticketpreis zurückfordern."

Je nach Länge der Flugstrecke gibt es bei Verspätungen über drei Stunden und bei Annullierungen zwischen 250 und 600 Euro. Das ist unabhängig vom Ticketpreis. Der Nutzer braucht nur seine Flugnummer eingeben und aus der Datenbank werden dann die Fluggesellschaft, Abflüge, Ankunftsdaten und die Verspätungen angezeigt. Das funktioniert 48 Stunden nach dem Flug und erst dann kann die App darauf zugreifen.

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