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Anti-Doping-KampfIOC zufrieden mit Razzia

Beschlagnahmte Dopingmittel aus der Anti-Doping-Razzia (Ufficio Stampa Comando Generale - dpa-Bildfunk)
Beschlagnahmte Dopingmittel aus der Anti-Doping-Razzia (Ufficio Stampa Comando Generale - dpa-Bildfunk)

Mehr als 230 Festnahmen in 33 Ländern: Das Internationale Olympische Komitee hat sich zufrieden über die Anti-Doping-Großrazzia geäußert. Der Leiter des Kölner Anti-Doping-Labors, Thevis, sagte im Dlf, gerade Freizeitsportlerinnen und -sportler gingen mit der Einnahme illegaler Substanzen ein "besonders hohes gesundheitliches Risiko" ein.

Das IOC erklärte, man begrüße die Nachricht von der erfolgreichen Operation "Viribus" sehr. Es sei entscheidend, Händler und Produzenten ins Visier zu nehmen, die Doping ermöglichten. Die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA betonte, die Ergebnisse von Europol zeigten, wie wichtig es sei, über Landesgrenzen hinweg zu ermitteln. Mit Blick auf die Razzia hieß es weiter, man sei inhaltlich nicht involviert gewesen, da es vor allem um den internationalen Vertrieb und Handel mit Dopingmitteln gegangen sei.

234 Festnahmen, aber nicht in Deutschland

Laut Europol wurden fast vier Millionen Präparate und gefälschte Medikamente sichergestellt und geheime Labore aufgedeckt. Die Ermittler legten ein online-basiertes Verkaufssystem offen, das sich vor allem an Hobby-Athleten gerichtet habe. 234 Personen wurden festgenommen, nach Angaben des Zollkriminalamtes in Köln aber niemand in Deutschland. Allerdings wurden bundesweit mehr als 450 Verfahren nach dem Anti-Doping-Gesetz eingeleitet. Das ist mehr als die Hälfte aller Verfahren nach der Razzia.

Keine chemischen Kenntnisse nötig

Die Sportredakteurin Andrea Schültke sagte im Deutschlandfunk, es handle sich um einen großen Schlag gegen die organisierte Doping-Kriminalität. Die Untergrund-Labore seien gewissermaßen die "Basis" für die Aktivitäten. Dafür brauche man im Prinzip nur eine Garage oder ein Zimmer. Die Rohsubstanzen bestellten die Täter dann über das Internet, etwa in Asien. Dann würden Anabolika zusammengemischt, ohne dass man unbedingt chemische Kenntnisse dafür benötige. Der Vertrieb geschehe weltweit mit einer riesigen Gewinnspanne. "Das ist das Gefährliche: Dass Menschen, die davon nichts verstehen, Substanzen in Umlauf bringen an Personen, die gar nicht wüssten, welche großen körperlichen Schäden sie sich zufügen."

Großes gesundheitliches Risiko

Der Leiter des Kölner Anti-Doping-Labors, Mario Thevis, sagte ebenfalls im Dlf (Audio-Link), man lerne aus der Razzia, dass es einen sehr großen Markt gebe und dass den Präparaten offenbar eine gewisse Wirksamkeit nachgesagt werde. Ob vom aktuellen Fall auch Leistungssportler betroffen seien, könne man derzeit nicht sagen, aber auch nicht ausschließen. Thevis betonte, die Freitzeitsportler gingen wegen fehlender Kontrollen ein besonders hohes gesundheitliches Risiko ein.

Der ARD-Dopingexperte Seppelt sagte im Deutschlandfunk, zudem seien unter der Federführung der Welt-Anti-Doping-Agentur mehr als 1.300 Urin- und Bluttests bei Sportveranstaltungen durchgeführt worden. "Diese Tatsache nährt den Verdacht, dass der Spitzensport betroffen ist."

FDP-Politikerin Dassler sprach von einem klaren Zeichen für sauberen Sport und unterstrich, das Doping sei längst auch im Amateursport angekommen.