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StartseiteKommentare und Themen der WocheSignal an Doper und Dealer 09.07.2019

Anti-Doping-Razzia in 33 LändernSignal an Doper und Dealer

Bei der "Operation Viribus" wurden 24 Tonnen Steroidpulver sichergestellt - Mittel, deren Nebenwirkungen tödlich sein können. Damit sei die Razzia nicht nur ein Erfolg für das deutsche Anti-Doping-Gesetz, sondern auch ein großer Beitrag zur Rettung von Leben, kommentiert Andrea Schültke.

Von Andrea Schültke

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Beschlagnahmte Dopingmittel aus der Anti-Doping-Razzia (Ufficio Stampa Comando Generale - dpa-Bildfunk)
Beschlagnahmte Dopingmittel aus der Anti-Doping-Razzia (Ufficio Stampa Comando Generale - dpa-Bildfunk)
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"Operation Viribus" - mit vereinter Kraft. So könnte man das übersetzen, was 33 Länder in Europa, Nord- und Südamerika gemeinsam unternommen haben. Eine Razzia im Kampf gegen die illegale Herstellung und den Verkauf von Dopingmitteln. Eine große Gemeinschaftsaktion und eine große sichergestellte Menge: 3,8 Millionen gefälschte Medikamente und 24 Tonnen Rohstoff für die Herstellung von Anabolika. Das zeigt: Es gibt Abnehmer und Käufer zuhauf auf der ganzen Welt.

In Deutschland hat das Anti-Doping-Gesetz gewirkt

Die Ermittler sprechen von Kunden aus dem Breitensport und der Fitness- und Bodybuilding Szene. Menschen, die dem Körperkult fröhnen, und fast wie im Rausch offenbar alles nehmen, was schneller oder vermeintlich schöner macht.

Allein in Deutschland haben Ermittler im Rahmen der Operation Viribus mehr als 450 Verfahren auf Grundlage des Anti-Doping-Gesetzes eingeleitet. Das sind mehr als die Hälfte aller Verfahren im Zuge der Razzia.

Das zeigt: Hier hat das Anti-Doping-Gesetz gewirkt. Vor dreieinhalb Jahren war es in Kraft getreten. Ziel: Polizeiliche Ermittlungen im Kampf gegen Dopingmittel-Herstellung und – Besitz zu ermöglichen. Die Operation Viribus - ein großer Erfolg für das Anti-Doping-Gesetz in Deutschland.

Und hoffentlich auch ein großer Beitrag zur Rettung von Leben.

Den Herstellern geht es ums große Geschäft

Denn bei den sichergestellten Medikamenten geht es unter anderem um gefährliche Präparate zum Muskelaufbau. Die können zerstörerische Nebenwirkungen und Langzeitfolgen haben.

Wenn diese Mittel von Laien mit krimineller Energie hergestellt und von ahnungslosen Käufern geschluckt werden, dann ist das hochgradig gefährlich und kann zu Todesfällen führen.

Den Herstellern ist egal, welches Produkt sie verkaufen und mit welchen Folgen. Ihnen geht es nur ums große Geschäft. Dafür nutzen sie die anonymen Vertriebswege übers Internet, arbeiten in kleinen überschaubaren Gruppen. Bezahlt wird mit aufladbaren Kreditkarten oder digitaler Währung.

Die Operation Viribus ist ein Signal an Doper und Dealer 

Die Dopingdealer profitieren von ambitionierten Sporttreibenden, die auf ihrem Level Leistung bringen wollen, egal um welchen Preis. Sie haben bisher vielleicht schon Nahrungsergänzungsmittel konsumiert und geraten von dort in den Strudel der Selbstoptimierung.

Auch in Fitnessstudios finden die Täter ihre Kunden. Und zwar unter denen, die dort vor dem Spiegel trainieren - ihre wachsenden Muskeln und den immer athletischer werdenden Körper die ganze Zeit im Blick. Die Operation Viribus hat ein Signal gesendet, an Doper und Dealer. Die wissen jetzt: Wir können aufgespürt werden und im Gefängnis landen. Und die Kunden? Die werden hoffentlich wach und kapieren -  im Zweifelsfall bezahlen wir dieses Geschäft mit dem Leben.

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