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StartseiteInformationen am MorgenTrump hält IS für fast vollständig besiegt07.02.2019

Anti-IS-KoalitionTrump hält IS für fast vollständig besiegt

US-Präsident Donald Trump hält offenbar an dem Plan fest, seine Truppen aus Syrien abzuziehen. Die Terrormiliz IS sei vermutlich bald besiegt, sagte er auf einer Anti-IS-Konferenz in Washington. Der "amerikanische Kampf" gegen den "Islamischen Staat" gehe aber weiter.

Von Thilo Kößler

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US-Präsident Donald Trump spricht im Rosengarten des Weißen Hause. (picture alliance / Olivier Douliery)
Man habe fast 100 Prozent der von den IS-Einheiten besetzten Gebiete in Syrien und Irak befreit, erklärte Trump (picture alliance / Olivier Douliery)
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Abzug der US-Truppen aus Syrien Trumps Geschenk an den IS, Assad und Co.

Der Präsident ging mit keinem Wort erneut auf seine Rückzugspläne ein. Er schilderte die Mission der Anti-IS-Koalition in Syrien aber als so erfolgreich, dass er offenbar allgemeine Zustimmung unterstellte, dass ein Rückzug der US-amerikanischen Truppen gerechtfertigt sei. Man habe fast 100 Prozent der von den IS-Einheiten besetzten Gebiete in Syrien und Irak befreit, erklärte Trump. Möglicherweise könne er noch in der nächsten Woche bekanntgeben, dass das Kalifat zu 100% nicht mehr existiere.

Donald Trumps Ankündigung, die US-Truppen aus den Kriegs- und Krisengebieten in Syrien und sukzessive auch in Afghanistan abzuziehen, haben nicht nur für innenpolitische Verwerfungen gesorgt, sondern auch große Befürchtungen auf Seiten der Partner in der Anti-IS-Koalition ausgelöst. So traten unmittelbar nach Trumps Äußerungen im Dezember Verteidigungsminister James Mattis und der Koordinator der US-Regierung für die Anti-IS-Koalition, Brett McGurk, zurück. Beide aus Protest gegen den politischen Alleingang des Präsidenten, der weder mit den Militärs noch mit seinem engsten Beraterkreis abgestimmt war.

IS-Kämpfer könnten sich neu aufstellen

Ebenso auf kaltem Fuß erwischt wurden die 79 Staaten und internationalen Organisationen, die sich der Anti-IS-Koalition angeschlossen haben. Einer, der deshalb mit vielen Fragen nach Washington gereist war, war Bundesaußenminister Heiko Maas, der sich vor allem eins von seinem Besuch erhoffte: Antworten.

Mit Blick auf den beabsichtigen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan gab er seiner Sorge Ausdruck, dass die Bundeswehr als zweitgrößter Truppensteller der internationalen Nato-Mission Resolute Support mit völlig neuen Konfliktlagen konfrontiert werden könnte.

Allerdings habe er bei seinem Besuch nicht den Eindruck gewonnen, dass die US-Administration bereits auf eine schnelle Umsetzung der Direktive des Präsidenten vorbereitet sei, erklärte Maas.

Ähnlich wie in Afghanistan tut sich nach einem Rückzug der US-Truppen auch in Syrien ein Machtvakuum auf – dort muss befürchtet werden, dass sich die etwa 2.000 verbliebenen IS-Kämpfer angesichts des nachlassenden internationalen Drucks neu aufstellen und neue Kämpfer rekrutieren könnten. Zumal ihre heftigsten Widersacher, die kurdischen YPG-Einheiten, ihre Rückendeckung durch die Vereinigten Staaten verloren haben und sich nun zunehmenden Drohungen der Türkei ausgesetzt sehen. Ankara sieht in ihnen den verlängerten Arm der verbotenen PKK.

Kein Ende des "amerikanischen Kampfes"

Folgerichtig hatte Mike Pompeo alle Mühe, den Teilnehmern zu versichern, dass der angestrebte US-amerikanische Rückzug aus Syrien nicht das Ende des "amerikanischen Kampfes" bedeute, wie er sagte. Er ließ allerdings viele Fragen offen, als er erklärte, es verändere sich lediglich die Art des Einsatzes, nicht aber die grundsätzliche Mission.

Wie es also tatsächlich konkret weitergehen soll in Syrien und Afghanistan, scheint auch in den US-Planungsstäben noch weitgehend offen zu sein.

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