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StartseiteNachrichten vertieftZehntausende demonstrieren "für eine bunte Welt"12.01.2015

Anti-Pegida-ProtesteZehntausende demonstrieren "für eine bunte Welt"

Von Rostock bis München sind erneut Zehntausende Menschen für ein friedliches Miteinander der Religionen auf die Straßen gegangen. Die Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie "Vielfalt und Toleranz". Die Anti-Islam-Bewegung Pegida konnte nur in Dresden eine größere Zahl von Anhängern mobilisieren.

Gegner der Anti-Islam-Bewegung "Dügida" demonstrieren am 12.01.2015 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) mit einer Leuchtschrift "Stop PEGIDA" (picture alliance / dpa / Federico Gambarini)
Wie hier in Düsseldorf haben am Montagabend Zehntausende gegen die islamkritische Pegida demonstriert. (picture alliance / dpa / Federico Gambarini)
Weiterführende Informationen

Karikaturisten appellieren an die Dresdner - "Hau ab, Pegida!"
(Deutschlandfunk, Aktuell, 12.01.2015)

Reaktion auf Pegida - Raus aus der Schockstarre
(Deutschlandfunk, Corso, 12.01.2015)

Islamismus-Debatte - "Wir sind in der Minderheit"
(Deutschlandfunk, Interview mit Islamwissenschaftler Bassam Tibi, 12.01.2015)

In mehreren deutschen Städten haben sich Zehntausende Demonstranten versammelt, um gegen das Anti-Islam-Bündnis Pegida zu protestieren. 30.000 Menschen gingen in Leipzig gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auf die Straße. 

In Dresden folgten dem Aufruf des Bündnisses "Dresden Nazifrei" zunächst einige hundert Menschen. Nach Polizeiangaben versammelten sich auch 25.000 Pegida-Anhänger - so viele wie bei keiner anderen Kundgebung zuvor. Die islamkritische Gruppierung hatte in Dresden für den Abend zu einem Trauermarsch für die Opfer des islamistischen Terrors von Paris aufgerufen. Die Organisatoren in der sächsischen Landeshauptstadt forderten die Teilnehmer auf, mit Trauerflor zu erscheinen. Viele Politiker und Verbände reagierten darauf mit Empörung. Sie bemängeln, dass Islamkritiker aus den Attentaten Kapital schlagen und Anteilnahme heucheln.

Gegenwind für Berliner Pegida-Ableger

Auch in Berlin bekam der Pegida-Ableger "Bärgida" Gegenwind auf den Straßen zu spüren. Nach Angaben von rbb-Reportern zogen gut 4.000 Demonstranten vom Kanzleramt zum Roten Rathaus. Zu der Demonstration hatten alle im Berliner Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien gemeinsam aufgerufen.

In Hannover gingen 17.000 Menschen auf die Straße. Unter dem Motto "Licht aus für Rassisten" schalteten zahlreiche Geschäfte und Institutionen ihre Außenbeleuchtung entlang der Straßen in der Innenstadt ab, durch die die Pegida-Anhänger laufen wollen. 

20.000 Pegida-Gegner in München

In München beteiligten sich 20.000 Menschen an einer Demonstration unter dem Motto "München ist bunt". "Wir stehen auf gegen jede Form von Rassismus, Antisemitismus und rechter Gewalt", sagte der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) bei der Kundgebung.

In Düsseldorf gab es ebenfalls sowohl Pegida-Aktionen als auch Gegendemonstrationen. 4.000 Menschen protestierten dort gegen Pegida. Am Abend entschied das Verwaltungsgericht Münster, dass die Rathausbeleuchtung während einer Kundgebung der islamkritischen "Dügida" aus Protest ausgeschaltet werden darf. In der Vorinstanz hatten die Richter die von Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel geplante Licht-aus-Aktion noch untersagt, weil er als Amtsträger zur Neutralität verpflichtet sei. Der Rathauschef hatte allerdings angekündigt, er werde sich notfalls über das Urteil der Richter hinwegsetzen - das Licht bliebe auf jeden Fall aus. Entlang des Rheins sollen zahlreiche markante Gebäude aus Protest gegen "Dügida" dunkel bleiben.

Politiker wenden sich gegen Pegida

Auch zahlreiche deutsche Politiker wenden sich in aller Deutlichkeit gegen Pegida. Dass ausgerechnet die Pegida-Bewegung, die regelmäßig Zeitungen als "Lügenpresse" beschimpfe, jetzt die Karikaturisten von "Charlie Hebdo" ehren wolle, sei geradezu abenteuerlich, sagte der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir. Bundesjustizminister Heiko Maas griff die Sympathisanten der Bewegung im Deutschlandfunk scharf an: "Wenn die gleichen Leute, die vor einer Woche über die 'Lügenpresse' schimpfen, jetzt mit Trauerflor zur Verteidigung der Pressefreiheit demonstrieren, ist das an Heuchelei nicht zu überbieten." Und er forderte: "Bleibt besser zu Hause."

(tzi/tj)

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