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StartseiteSprechstundeAntibiotika-restistente Keime im Fleisch15.07.2003

Antibiotika-restistente Keime im Fleisch

Das Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor gefährlichen Erregern

<strong>Sommerzeit ist Grillzeit. Aber gerade wenn es draußen warm ist und das Fleisch auf dem Rost vielleicht noch nicht ganz durch, droht Gefahr - durch neue gefährliche Keime. Kein Antibiotikum kann ihnen mehr etwas anhaben, denn sie sind zunehmend multiresistent. Gelingt es solchen Erregern, eine Infektion auszulösen, kann Menschen mit schwachem Immunsystem kaum noch geholfen werden, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin. Der Verbraucher kann jedoch vorbeugen.</strong>

William Vorsatz

Tausende Tiere auf engstem Raum. Das sind ideale Brutstätten für zahlreiche Bakterien, beispielsweise Salmonellen. Also wird das Vieh vorbeugend mit Antibiotika zugeschüttet. Das Risiko: immer mehr Keime werden unempfindlich gegen den Dauerbeschuss, reagieren irgendwann auf kein Antibiotikum mehr. Diese resistenten Keime gelangen über den Lebensmittelhandel bis zum Verbraucher. Dr. Andreas Schröter untersucht am Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin sämtliche Proben, die aus allen Bundesländern eingeschickt werden:

Hier sehen wir die Apparaturen, die wir für die Resistenzbestimmung benutzen, einen Halbautomaten und einen Automaten, die an PCs gekoppelt sind, wo wir direkt die erhaltenen Resistentdaten in unsere Datenbank übertragen können, und diese dann abrufbar sind.

Fazit: der Anteil resistenter Keime ist viel zu hoch und bei Geflügel in der letzten Zeit sogar noch weiter gestiegen. Überprüft werden speziell so genannte Zoonose-Erreger. Das sind solche Keime, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden und ihn ebenfalls krank machen können. Wie Salmonellen und Escheríchia Cóli-Bakterien, die Magen-Darm-Infektionen auslösen. Sie stammen von direkt von Nutztieren, von Lebens- und Futtermitteln sowie aus der Umwelt. Schon seit vierzig Jahren untersucht das Berliner Labor diese Resistenzen. Heute leitet Dr. Reiner Helmut die Forschungen:

Wir können auf einen Datenbestand bis mitte der 60 Jahre zurückgreifen und dadurch natürlich über die Zeit sehr aussagekräftige Statements abgeben, es ist leider so, dass wir feststellen müssen, dass in diesen 40 Jahren sowohl der Anteil als auch die Eigenschaften der Resistenzen gravierend zugenommen haben, wir haben heute bei unsern Salmonellen ungefähr sechsundfünfzig Prozent aller Salmonellen, die vom lebensmittel-liefernden Nutztier stammen, die resistent sind, und das war natürlich in den 60er/ 70er Jahren überhaupt nicht so, und leider ist es auch so, das heutzutage die meisten Salmonellen multiresistent sind.

Das heißt, auch vier oder fünf verschiedene Antibiotika können ihnen nichts anhaben. Für Menschen mit intaktem Immunsystem sind Salmonellen nicht so riskant. Bedroht sind jedoch Säuglinge und durch andere Krankheiten geschwächte Patienten sowie alte Menschen.

Es gibt keine genauen Daten, wie viele Opfer direkt auf das Konto von resistenten Keimen an Fleischprodukten gehen. Die USA zählen allein etwa 200 Tote jährlich nach Salomonellen-Infektionen. Aber die Schadensbilanz insgesamt ist noch viel höher, denn die Bakterien tauschen untereinander ständig ihre Informationen aus:

Das Bundesinstitut sieht sich durch die neuen Untersuchungsergebnisse bestätigt und fordert erneut, Antibiotika ausschließlich an wirklich kranke Tiere zu geben. Aber bis zur gesetzlichen Durchsetzung dieser Forderung werden noch Jahre vergehen. Derweil kann jedoch auch der Verbraucher schon einiges tun. Vor resistenten Keimen bei Fleischprodukten schützt er sich am Besten genau wie vor "normalen" Keimen auch: durch entsprechende Hygiene in der Küche und bei der Zubereitung:

Das heißt also besonders gut durcherhitzen, gerade jetzt im Sommer, wenn wir also eine Grillsaison wieder haben und die Leute im dunkeln vor einem Grill stehen, und Heißhunger haben, dann wird oft nicht lange genug durcherhitzt das Fleisch, so das relativ rohe Fleischanteile verzehrt werden, wir haben das Problem bei Eierspeisen, die in Vorbereitung von solchen Festen während des Tages zubereitet werden, unerhitzt sind, und dann längere Zeit bei erhöhten Temperaturen stehen, und wir haben weiterhin die Problematik, das Geflügelfleisch teilweise aufgetaut wird, nebenbei Salate zubereitet werden, auf die etwas von der Abtauflüssigkeit übertragen wird, Salate werden ja dann nicht wieder durcherhitzt, und so kann es dann auch zur Vermehrung von sowohl sensiblen als auch resistenten Erregern kommen.

Auch der Verzehr von Fleischwaren aus Biohöfen hilft. Bei Kleinerzeugern haben die Forscher ebenfalls nicht so viele resistente Keime gefunden.

Beitrag als Real-Audio

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