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StartseiteKalenderblattComputerrevolution aus dem Rucksack24.01.2014

Apple Macintosh Computerrevolution aus dem Rucksack

Als Apple-Gründer Steve Jobs 1984 einen kleinen beigen Kasten aus seinem Rucksack zaubert, ahnt niemand, dass dieses unscheinbare Ding die Entwicklung der Computertechnik umkrempeln wird.

Von Kay Müllges

Der erste Apple Macintosh  1984 mit Tastatur, kleinem Bildschirm, Floppy-Disc und Mausbedienung. (dpa/ picture alliance / apple)
Der erste Apple Macintosh bot 1984 eine revolutionäre Benutzungsoberfläche, aber noch wenig nützliche Anwendungen. (dpa/ picture alliance / apple)

Alljährlich im Januar stellt die Firma Apple in San Francisco ihre neuen Produkte vor. Diese Keynote genannte Veranstaltung genießt unter Computerfreaks Kultstatus. Insbesondere die Auftritte des charismatischen Firmengründers Steve Jobs waren es, die diesen Status prägten. Jobs stellte nicht einfach ein profanes Produkt, wie einen neuen Rechner oder ein Telefon vor, Steve Jobs zelebrierte ein quasi-religiöses Hochamt für alle Anhänger der Firma mit dem angebissenen Apfel im Logo. So auch am 24. Januar 1984.

Steve Jobs: "Nun zeige ich ihnen den Macintosh selbst. Alle Bilder, die sie auf der großen Leinwand sehen, werden erzeugt durch das, was in diesem Rucksack ist."

Zum Vorschein kommt ein viereckiger, beiger Kasten mit Bildschirm und einem Schlitz für eine Diskette. Zu den Klängen von "Chariots of Fire" von Vangelis flimmert der Schriftzug Macintosh über den Bildschirm, anschließend erscheinen diverse Grafiken. Und dann beginnt der Computer sogar zu sprechen:

"Hello, I am Macintosh. ... Unaccustomed as I am to public speaking, I'd like to share with you a maxim I thought of the first time I met an IBM mainframe. Never trust a computer you can't lift!"

Traue niemals einem Computer, den man nicht hochheben kann. Das bezog sich auf IBM – den damaligen Computergoliath, gegen den der selbst ernannte David Apple mit seinem neuen Produkt antreten wollte.

Die Computermouse, das unbekannte Wesen

Doch was unterschied die unscheinbare, schuhkartonkleine Mac-Kiste von anderen, seinerzeit auf dem Markt befindlichen Produkten? Im "Computerclub" des WDR stellte Moderator Wolfgang Rudolph den Rechner so vor:

"Liebevoll wird der von Apple 'Mac' genannt. Normal Macintosh. Und das ganze Gerät ist, was wir hier sehen, hier drin: Und zwar Netzteil, Monitor, Rechner, Diskettenlaufwerk, und zwar ein 3-Zoll Diskettenlaufwerk, ein kleines, dazu eine Tastatur die frei beweglich ist."

Außerdem lieferte Apple mit dem Computer auch noch ein bislang unbekanntes Zubehör:

"Die Maus ist ein Zusatzgerät, mit dem ich auf dem Tisch herumfahren kann, hier unten ist nämlich eine Kugel drin. Und wenn ich jetzt auf dem Tisch herumfahre, wird diese Kugel bewegt und diese Bewegung wird auf den Bildschirm übertragen."

Mit dem elektronischen Haustier ließ sich eine weitere revolutionäre Neuerung des Mac-Rechners problemlos anklicken: das Icon. Diese kleinen Bildchen auf dem Monitor dienten als grafische Benutzeroberfläche des Mac. Maus und Icon bewirkten eine völlig neue Form des Arbeitens am Rechner. Bis dahin war das im Wesentlichen eine Sache für Programmierer und Nerds gewesen, denn alle bisherigen Systeme auf dem Markt wurden über Tastatureingaben in einer Kommandozeile bedient.

Äußerst benutzerfreundlich war auch die erstmalig auf dem Ur-Mac eingeführte Undo-Funktion, mit der sich falsche oder vorschnelle Eingaben rückgängig machen ließen.

Düsterer Werbespot

Auch in der Werbung für den Mac ging Apple neue Wege. Regisseur Ridley Scott, der mit "Blade Runner" gerade einen Meilenstein der Filmgeschichte abgeliefert hatte, drehte einen einminütigen Spot, in dem kein einziger Computer zu sehen war, stattdessen düstere Visionen von George Orwells Big-Brother und eine furiose Ankündigung:

"On January 24th Apple Computer will introduce Macintosh. And you will see why 1984 won't be like '1984'."

Im Laden erwies sich der Ur-Mac allerdings als echter Hüter. Mit einem Verkaufspreis von 2495 Dollar in den USA und fast zehntausend DM war der Rechner einfach zu teuer für den Normalverbraucher und in seiner Urversion auch mit zu wenig Arbeitsspeicher ausgestattet. Erst spätere Modelle konnten Apple eine gewisse Marktnische sichern. Aber da hatte die Konkurrenz, vor allem Microsoft, längst auf- und überholt. Erst viel später, mit iPod und iPhone, wurde Apple wieder zu einem echten Herausforderer für den Giganten aus Redmond.

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