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StartseiteMarkt und MedienKonkurrenz für Spotify13.06.2015

Apples StreamingdienstKonkurrenz für Spotify

Musikstreaming, das legale Anhören von Musik online, verbinden bislang viele mit dem Namen Spotify. Deezer und Napster, in Deutschland eher unbekannt, gehörten bisher zu den schärfsten Konkurrenten. Jetzt steigt aber auch des Schwergewicht Apple mit einem eigenen Streamingdienst in den Ring – heiß auf den Marktführer-Titel und finanziell kräftig.

Von Victoria Reith

Kopfhörer mit Smartphone (picture alliance / dpa / Daniel Bockwoldt)
Kopfhörer mit iPhone: Auch Apple geht nun mit einem eigenen Musikstreaming-Dienst an den Start. (picture alliance / dpa / Daniel Bockwoldt)
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"Oh, ok." Das war alles, was ein offenbar konsternierter Spotify-Chef Daniel Ek via Twitter zu sagen hatte, als Apple am Montag den neuen Streamingdienst "Apple Music" auf seiner Entwicklerkonferenz in San Francisco vorstellte.

Eine Revolution verkündete der naturgemäß begeisterte Apple-Chef Tim Cook. Das nächste Kapitel der Musikgeschichte, das das Erleben von Musik für immer verändern werde.

Apple Music tritt Ende Juni auch in den deutschen Markt ein. 30 Millionen Titel sollen im Streaming-Angebot verfügbar sein. Zudem richtet Apple ein Radio-Programm ein und will personalisierte Musikvorschläge anbieten. Apple kannibalisiert dafür sein Geschäft mit Musikdownloads. Die Zahl potentieller Kunden ist groß. Vor einem Jahr gab es nach Apple-Angaben 800 Millionen iTunes-Konten.

Wenige Tage nach der Präsentation von Apple Music ist Daniel Eks Tweet gelöscht und die Sicht der Dinge im Spotify-Hauptquartier in Stockholm zumindest offiziell positiver. Spotify-Europachef Jonathan Forster sagte gegenüber dem Deutschlandfunk:

"Eine Zeit lang waren wir die einzige Firma, die versucht hat, zu vermitteln, dass Streaming die Zukunft des Musikkonsums ist. Für uns ist es normal, dass andere Firmen wie Apple jetzt auch Ja sagen zu Innovationen und dass für sie Streaming die Antwort ist."

Konkurrenten hoffen, vom Streaming-Boom zu profitieren

Spotify ist einst als Alternative zur Internetpiraterie entstanden und hat heute 75 Millionen Nutzer. 20 Millionen davon sind zahlende Kunden.

Der Punkt, an dem sich Spotify und Apple Music grundsätzlich unterscheiden, sind die Bezahl-Modi. Spotify stellt seine gesamte Musikbibliothek kostenlos zur Verfügung, mit Werbeunterbrechungen. Wer Musik offline speichern und weitere Dienste nutzen will, zahlt zehn Euro. Apple Music wird nach dreimonatiger Testphase für jeden Nutzer zehn Euro im Monat kosten, für Familien bis zu sechs Personen 15 Euro.

Jonathan Forster von Spotify hofft, dass Apple Music der ganzen Branche nutzt:

"Apple wird jedem bewusstmachen, dass Streaming das Zukunftsmodell ist, weil die Firma eine riesige Vermarktungsmaschine ist."

In Deutschland hören laut aktuellen Zahlen des Branchenverbandes BITKOM ungefähr 20 Millionen Menschen Musik über Streaming-Dienste. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Zahl mehr als verdreifacht. Apple Music könnte diesen Trend noch verstärken.

Und auch ein anderer Konkurrent hofft, vom Streaming-Boom zu profitieren. Vier bis fünf Anbieter werden sich durchsetzen, schreibt der Deutschlandchef von Deezer, Michael Krause, in einem Artikel auf horizont.net. Er sieht nicht die Gefahr eines Apple-Monopols.

Konkurrenzdruck durch Apple sei aber nicht nötig, um innovativ zu sein, so Spotify-Europachef Jonathan Forster. Die Stockholmer Ideenschmiede rühmt sich derzeit mit neuen Funktionen: Podcasts, Videoinhalten und einem Jogging-Modus. Spotify hat sich für Innovationen frisches Geld organisiert: Rund eine halbe Milliarde Euro erhält die Firma von 13 neuen Investoren.

Trotzdem könnte Spotifys Marktführerschaft mit dem Eintritt von Apple in den Streaming-Markt bald vorbei sein.

"Wir wollten immer so groß wie möglich sein. Wir wollen insgesamt wachsen, auch wenn wir dann nur noch Nummer zwei sind. Das ist besser, als in einem kleinen Markt Nummer eins zu sein."

Die gestiegene Konkurrenz werde nicht zur Folge haben, dass die Preise sinken, so Jonathan Forster. 2,50 Euro in der Woche seien nicht sonderlich viel. Und die Dienste arbeiten daran, überall verfügbar zu sein. Beim Sport, im Wohnzimmer, im Auto. Und nicht nur mit ihrer Musikbibliothek, sondern auch mit Radiosendern, Videoformaten und Podcasts.

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