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StartseiteVerbrauchertippWenn der Chef einen Kredit vergibt07.06.2019

Arbeitgeberdarlehen Wenn der Chef einen Kredit vergibt

Eine kaputte Heizung oder die teure Zahnspange fürs Kind - trotz regelmäßigen Einkommens können Arbeitnehmer plötzlich vor finanziellen Problemen stehen. In solchen Fällen können sie statt der Bank auch ihren Arbeitgeber nach einem Darlehen fragen – und von günstigen Konditionen profitieren.

Von Klaus Deuse

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Ein Mann unterschreibt am in einem Büro in einen Vertrag (gestellte Szene)  (dpa / Christin Klose)
Darlehenssumme, Zinssatz und Zeitraum des Darlehens sollten vertraglich festgelegt werden (dpa / Christin Klose)
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Viele Arbeitnehmer, die einen Engpass überbrücken müssen, wissen nicht, dass sie auch ihren Chef um einen Kredit bitten können. Dabei besteht in vielen Unternehmen, quer durch die Branchen, durchaus die Möglichkeit, vom Arbeitgeber ein Darlehen zu erhalten, sagt der Arbeitsrechtler und Geschäftsführer von Unternehmer NRW Professor Bernd Schiefer.

"Solche Darlehen gehören zumindest in mittleren und großen Unternehmen zu allgemein üblichen Sozialleistungen, mit denen man in der Regel eine Firmenbindung zu Leistungsträgern herstellen und fördern möchte."

Mit anderen Worten: ein Arbeitgeberdarlehen kann sich für beide Seiten lohnen. Einen Rechtsanspruch für Arbeitnehmer auf ein solches Darlehen gibt es jedoch nicht, ergänzt Bernd Schiefer.

"Allerdings ist der Arbeitgeber völlig frei, ob und welchen Arbeitnehmergruppen er ein solches Darlehen anbietet bzw. mit wem er so etwas vereinbart."

Was im Vertrag stehen sollte

Der Vertragsabschluss ist im Vergleich zu Darlehen bei Geldinstituten häufig weniger formal, sagt Stefanie Laag von der Verbraucherzentrale NRW und nennt einen wichtigen Aspekt:

"Meistens verlangen Arbeitgeber keine besonderen Sicherheiten für ein Darlehen. Man muss sich vorstellen, sie haben ja auch den direkten Zugriff auf das Gehalt. Dementsprechend werden meistens weitere Sicherheiten nicht zu stellen sein."

Ein Arbeitgeberdarlehen sollte immer schriftlich vereinbart werden, um im späteren Verlauf Missverständnisse möglichst ausschließen zu können. Stefanie Laag erläutert, was in diesem Vertrag festgehalten werden sollte.

"Unbedingt gehört hier rein die Darlehnssumme, um die es gehen soll. Der Zinssatz und für welchen Zeitraum das Darlehen gewährt wird. Und dementsprechend auch wie es zurückgezahlt werden soll."

Arbeitgeberdarlehen oft günstiger als herkömmliche Kredite

In der Regel behält der Arbeitgeber die monatliche Rate gleich vom Lohn oder Gehalt ein. Für den Fall, dass ein Arbeitnehmer zusätzlich einen schon laufenden Kredit bei einem Geldinstitut abbezahlen muss, rät Verbraucherberaterin Laag dazu, mit dem Arbeitgeber einen Lohnabtretungsausschluss zu vereinbaren.

Denn: "Das würde nämlich dann verhindern, dass wenn der Arbeitnehmer für einen früheren Kredit bei einer Bank zum Beispiel eine Lohnabtretung als Sicherheit vereinbart hat, dass diese dann bei der Rückzahlung des Arbeitgeberdarlehens zum Konflikt führt."

Das heißt: Der Arbeitgeber muss sich damit einverstanden erklären, dass zuerst die Bank und nicht er Zugriff auf das Gehalt erhält, falls der Arbeitnehmer die Raten nicht zahlen kann. Auf keinen Fall fehlen sollte eine Vereinbarung für den Fall, dass das Beschäftigungsverhältnis während der Darlehenslaufzeit gekündigt wird. Ohne eine solche Regelung kann es passieren, dass die verbliebene Restsumme sofort auf einen Schlag fällig wird.

Zu beachten ist außerdem der Zinssatz, der bei Arbeitgeberdarlehen oft günstiger ist als bei Banken. Kündigt nämlich ein Arbeitnehmer von sich aus das Arbeitsverhältnis, so kann der Arbeitgeber nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes den ursprünglich vereinbarten Zinssatz auf das marktübliche Niveau anheben, wenn nichts anderes vereinbart wurde.

Beendet das Unternehmen seinerseits das Arbeitsverhältnis, muss das Arbeitgeberdarlehen gesondert gekündigt werden. Dabei gilt eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Danach hat der Arbeitgeber Anspruch auf den noch ausstehenden Restbetrag. 

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