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StartseiteWirtschaft und GesellschaftNachfrage nach Arbeitskräften weiter hoch30.09.2019

Arbeitsmarkt im SeptemberNachfrage nach Arbeitskräften weiter hoch

Die Zahl der Arbeitslosen ist auf dem niedrigsten Septemberstand seit der Wiedervereinigung. Vor einem Jahr war die Herbstbelebung allerdings wesentlich deutlicher ausgefallen. Detlef Scheele, der Chef der Bundesagentur für Arbeit, sagt, das Beschäftigungswachstum halte an, verliere aber an Schwung.

Von Stanislaus Kossakowski

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Der designierte Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, blickt in Nürnberg am Rande einer Pressekonferenz in der Zentrale der Bundesagentur zum Fotografen.  (dpa / Nicolas Armer)
Detlef Scheele, Vorsitzender der Bundesagentur für Arbeit (BA), nennt trotz guter Entwicklung zwei Branchen, die die "konjunkturellen Delle" zu spüren bekommen. (dpa / Nicolas Armer)
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Die Konjunktur schwächelt. Im verarbeitenden Gewerbe wird teilweise Kurzarbeit eingeführt. Bei den Zeitarbeitern, die vor allem in Phasen einer gut laufenden Konjunktur stark gefragt seien, gibt es hingegen Rückgänge. Das alles aber nicht im vergleichbaren Maß wie zur Finanzkrise von 2008, betont der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele. Stattdessen sei der Arbeitsmarkt weiterhin in einer robusten Verfassung.

"Am Arbeitsmarkt gibt es nach wie vor eine günstige Lage. Die Beschäftigung entwickelt sich positiv, sie wächst. Sie ist im Vergleich zum Vorjahr um 510.000 Personen gewachsen. Die Arbeitslosigkeit ist erneut zurückgegangen im Vergleich zum Vormonat und zum Vorjahr. Wir haben jetzt 2,34 Millionen Arbeitslose. Das sind 4,9 Prozent. Das ist ein erfreulicher Wert."

Herbstbelebung und Sinken der Arbeitslosenzahlen

Die guten Zahlen seien auch auf die übliche Herbstbelebung am Arbeitsmarkt zurückzuführen, räumt Scheele ein. Dennoch ergebe sich auch wenn man die saisonalen Effekte herausrechnet, noch immer ein Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Das gelte auch im Bereich der Unterbeschäftigung, die auch Menschen in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit und in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen berücksichtigt. Sie ging im saisonbereinigten Vormonatsvergleich ebenfalls zurück: Um rund 4.000 auf nun 3.152.000 Personen. Der Konjunkturabschwung setzt nach Scheeles Worten nur zwei Branchen ernstlich zu.

"Manche Branchen reagieren auf konjunkturelle Veränderungen besonders sensibel. Dazu gehört insbesondere die Zeitarbeit und das verarbeitende Gewerbe, hier die Metall- und Elektroindustrie. Zeitarbeit ist aktuell die einzige Branche, in der in nennenswertem Umfang Personal abgebaut wird. Im verarbeitenden Gewerbe flacht das Wachstum zwar sichtbar ab. Die Beschäftigtenzahl ist aber weiterhin höher als vor einem Jahr."

Zeitarbeitsbranche baut Personal ab

Der Chef der Bundesagentur spricht von einer "konjunkturellen Delle", die regional verschieden stark ausgeprägt sei. Am stärksten in großen Industrieregionen, etwa in Nordrhein-Westfalen. Durchgängig zu spüren sei die konjunkturelle Abschwächung jedoch allein in der Zeitarbeit, berichtet Detlef Scheele. 

"Wir haben 100.000 Menschen aus der Zeitarbeit verloren. Das ist die einzige Branche, die wirklich so nachhaltig Personal abbaut. Die Zeitarbeit hat schon um 14 Prozent Personal eingebüßt."

Eine Fortsetzung der Konjunkturschwäche sei für ihn aktuell aber nicht erkennbar, meint er.

"Das Arbeitsmarktgeschehen koppelt sich weiterhin ein wenig von der konjunkturellen Lage ab."

Der oberste Chef der Arbeitsagenturen sieht es denn auch als Bestätigung, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften in Deutschland weiterhin auf hohem Niveau liege. Die Zahl geht nur langsam zurück: Gegenüber dem Vorjahresmonat um knapp 50.000 auf fast 790.000 freie Stellen.

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