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StartseiteCampus & KarriereNachwuchsförderung wie beim Fußball13.03.2015

ArbeitsmarktNachwuchsförderung wie beim Fußball

Immer mehr müssen Arbeitgeber um ihre Angestellten werben. Der VfL Bochum macht das schon lange mit seiner Nachwuchsförderung - und dient damit auf einer Fachtagung für Personaler in Bochum als praktisches Beispiel. Denn die Ideen lassen sich auch auf den Arbeitsmarkt übertragen.

Von Kai Rüsberg

Peter Neururer, der neue Trainer des Fußball-Zweitligisten VfL Bochum (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)
Der frühere VfL-Trainer Neururer mit dem VfL-Schal: Der Verein setzt seit Jahren auf Nachwuchsförderung. (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)

Christian Seiffert ist der Keynotespeaker. Der Geschäftsführer der Bundesliga ist der wichtigste Redner beim Treffen der Personalmanger aus dem mittleren Ruhrgebiet. Sie wollen von ihm erfahren, wie sich der Fußball fit macht, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Seiffert spricht über die jüngsten Erfolge der Nachwuchsförderung:

"Das Durchschnittsalter der Bundesligaspieler ist von 27 auf 25 Jahre gesunken, der Anteil deutscher von 50 auf 64 Prozent gestiegen."

Vor 15 Jahren wurde in der Bundesliga ein Nachwuchsförderprogramm verpflichtend für alle 36 Vereine eingeführt. Es gibt klare Regeln für die Förderung der Schulausbildung, für die Inhalte des sportlichen Trainings und für die Qualität der Sportanlagen. Der VfL Bochum war von Anfang an dabei und das hat Erfolge bei der Nachwuchssuche erzielt, sagt der U19-Trainer und Ex-Profi Dariusz Wosz.

"Gute Augen, gute Trainer, gute Nachwuchsarbeit und die Überzeugung, dass sie sich entwickeln. Im eigenen Stadion laufen zehn Jungs, die aus dem eigenen Nachwuchs kommen."

Als Jung-Profi hat sich Wosz gezielt den als graue Maus geschmähten VfL Bochum ausgesucht, weil er dort für sich die größten Chancen sah. Die großen Nachbarn Schalke und BVB kamen für ihn nicht infrage. Er sah beim Underdog aufgrund der guten individuellen Förderung die größten Entwicklungschancen.

"Bei Bochum spielst du 100-prozentig. So muss man das einschätzen. Und nicht sagen, ich möchte gleich nach Dortmund oder Bayern, sondern klein anfangen. Das ist Sprungbrett, auch wenn wir noch zweite Liga spielen."

Die Attraktivität von Fußballvereinen färbt auch auf die Unternehmen ab. Gut 100 Personalmanager und Interessierte haben 60 Euro Eintritt für die Diskussionsrunde gezahlt, so wie Rechtsanwältin Inken Hansen von einer großen Bochumer Kanzlei.

"Die, die alle haben wollen, den Mario Götze, die hätten wir natürlich auch gerne. Das Thema ist bei allen dasselbe."

Lockere Ansprache, glaubwürdige Marke

Obwohl die Kanzlei mit Fußball wenig zu tun hat, meint sie, dass man bei der Personalgewinnung dort viel lernen kann:

"Wichtig ist, wie beim VfL früh an die Leute ranzugehen. Nicht da anzufangen, wo die Leute perfekt sind. Wichtig ist auch, zu zeigen, wo sie sich entwickeln können, wo sie bei uns arbeiten."

Die Industrie- und Handelskammer ist einer der Mitveranstalter. Dort hat man gemerkt, dass viele Mitgliedsunternehmen Probleme haben, sich auf die veränderten Kommunikationsgewohnheiten der Jugend einzustellen, sagt die Personalbeauftragte Katja Fox.

"Wir stellen uns die Frage, kennen die Unternehmen ihre Zielgruppe, wissen die, wie die Azubis ticken? Das ist bei der Generation Y einfach mal ein bisschen locker machen. Lockere Ansprache. Denen zeigen, was für einen Benefit sie haben, wenn sie bei Unternehmen XY arbeiten. Denn Unternehmen können sich nicht mehr aus einen großen Pool bedienen, sondern müssen auch dafür werben."

So wandeln sich die Rollen von Bewerbern um einen Arbeitsplatz und den Arbeitgebern, die mit ihren Qualitäten auch um die geeigneten Kandidaten werben müssen.

"Wichtig ist, dass sie neben dem tollen Marketing und Vertrieb auch eine Arbeitgebermarke aufbauen müssen. Die Konkurrenz um Köpfe wird immer größer. Und wenn man nicht eine Arbeitgebermarke hat, wird es immer schwerer, passende Bewerber zu finden."

Passende Ansprache, die richtigen Kommunikationswege und eine glaubwürdige Darstellung einer innovativen Marke: Die Arbeitgeber haben künftig bei der Personalsuche viel zu lernen.

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