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StartseiteVerbrauchertippDarf der Chef die Webnutzung ausspionieren?18.10.2018

ArbeitsrechtDarf der Chef die Webnutzung ausspionieren?

Rein technisch ist es für den Arbeitgeber kein Problem, die Mails oder das Surfverhalten im Firmennetzwerk zu verfolgen, sogar mitzulesen. Das ist allerdings streng gesetzlich reglementiert. Er kann auf der anderen Seite aber sogar die private Nutzung des eigenen Handys untersagen.

Von Michael Voregger

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Jemand sitzt an einem Tisch vor einem Laptop und hält mit einer Hand ein Smartphone, im Hintergrund ist ein Fahrrad zu sehen, im Vordergrund eine Tasse (Imago )
Mal eben während der Arbeit aufs Smartphone schauen? - Der Chef könnte das verbieten. (Imago )
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Digitale Kommunikation über das Internet, elektronische Post und Messenger gehören in Büros zum Arbeitsalltag. Die vielen technischen Möglichkeiten können natürlich für private Dinge genutzt werden. So ist es verlockend, zwischendurch ein paar Mails zu schreiben, beim Onlinehändler Waren zu bestellen oder nach neuen Reisezielen zu suchen. Doch das hinterlässt digitale Spuren. Markus Hertlein ist Experte für IT-Sicherheit:

"Eigentlich alles, was digital passiert innerhalb des Arbeitskontextes, kann auf bestimmte Art und Weise überwacht werden. Jegliche Kommunikation die über den Arbeitsrechner - über den PC - stattfindet und im begrenzten Maße auch innerhalb des Netzwerkes. Direkter Zugriff am Arbeitsplatz erfolgt in der Regel über zusätzliche Software. Kann aber auch im Hintergrund laufen, kann versteckt laufen, als verschiedene Systemdienste dargestellt werden."

Die elektronische Post lässt sich einfach kontrollieren und die Bewegungen im Internet können einfach beobachtet werden. Mit speziellen Programmen sind sogar Tastatureingaben aus der Ferne lesbar und Screenshots des Arbeitsrechners können heimlich erstellt und verschickt werden. Der Arbeitnehmer kann so ohne großen Aufwand überwacht werden, und er bemerkt es nicht. Die notwendige Software ist einfach und kostengünstig zu beschaffen.

"Wenn nicht der Nutzer am Arbeitsplatz versiert ist und genau nach so einer Software suchen kann, dann hat er in der Regel keine Chance, so eine Software auch tatsächlich zu finden."

Meistens ist ein Spähangriff verboten

Erlaubt ist so ein Spähangriff allerdings in der Regel nicht. In einem Unternehmen und am Arbeitsplatz sollte Vertrauen herrschen. Das gilt für beide Seiten. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, sich an gesetzliche Regeln zu halten. Die Mitarbeiter dürfen nicht ohne Grund und vor allem ohne ihr Wissen kontrolliert werden. Rechtsanwalt Arndt Kempgens:

"Man muss immer unterscheiden zwischen heimlicher und offener Überwachung. Offene Überwachung ist – wenn man Ihnen das vorher sagt – da ist einiges zulässig. Da ist es zum Beispiel zulässig, ob private Emails herausgeschickt werden. Da kann man private E-Mail-Accounts sperren und dergleichen – das ist zulässig, elektronisch auch über Softwarebasis. Heimliche Überwachung – das gilt für den Computer - ist grundsätzlich verboten."

Das heimliche Filmen ist grundsätzlich verboten und es gibt nur Ausnahmen, wenn Verdachtsmomente für eine Straftat vorliegen. Wenn es im Betrieb allgemein üblich ist, dass gelegentlich private Mails verschickt werden und der Chef dem nicht widersprochen hat, dann ist es zulässig. Einschränkungen müssen bekannt gemacht werden und die können auch für die Nutzung privater Geräte gelten.

Private Nutzung kann eingeschränkt werden

"Er kann auch untersagen, dass Sie ihr Handy benutzen und Sie WhatsApp schreiben. Was man ja gerne während der Arbeitszeit macht, das ist ja kaum zu unterbinden, aber das ist alles nicht zulässig, wenn der der Chef das untersagt. Wenn der Chef das aber duldet, dann dürfen Sie das im normalen Rahmen, aber nur solange, bis der Chef sagt: Ab jetzt nicht mehr."

Wenn der Chef die Mitarbeiter unerlaubt überwacht, macht er sich im schlimmsten Fall sogar strafbar. Verstößt ein Mitarbeiter gegen betriebliche Regeln bei der Nutzung elektronischer Kommunikation, drohen ihm ebenfalls Konsequenzen. Arndt Kempgens:

"Wenn die Nutzung verboten ist. Der Chef das gesagt hat und es steht in vielen Arbeitsverträge inzwischen drin. Wenn ich dagegen verstoße, ist eine Abmahnung möglich und wenn ich wiederholt verstoße, ist sogar eine Kündigung möglich und in ganz krassen Fällen sogar eine fristlose Kündigung."

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