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StartseiteCampus & KarriereDer Alltag eines Arbeitsmediziners07.05.2018

ArbeitssicherheitDer Alltag eines Arbeitsmediziners

Keine Lärmbelästigung, die richtigen Bürostühle, der perfekte Computerstandort: Arbeitsmediziner sind dafür zuständig, sicher zu stellen, dass sich die Arbeitsplatzumgebung nicht negativ auf die Gesundheit des Mitarbeiters auswirkt. Ein Beruf, in dem bisher der Nachwuchs fehlt.

Von Marco Poltronieri

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Arbeitsmediziner Michael Schneiders im Einsatz. (Deutschlandradio/Marco Poltronieri)
Arbeitsmediziner Michael Schneiders im Einsatz. (Deutschlandradio/Marco Poltronieri)
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"Nehmen Sie einmal in der Kabine Platz, ich setz Ihnen jetzt einmal die Kopfhörer auf, ich geb Ihnen hier den Knopf in die Hand, immer schön draufdrücken, wenn Sie einen Ton hören!"

Arbeitsmediziner Michael Schneiders und seine Assistentin treffen letzte Vorbereitungen für einen Hörtest. Gleich wird sich Natalie Schulte, von Beruf Schreinerin, in eine schalldichte Kabine begeben, in der Hoffnung, das es ihr nicht genauso ergeht wie einem langjährigen Berufskollegen an der Kreissäge.

"Der ist fast taub und trägt Hörgeräte und das ist bei dem auch als Berufskrankheit anerkannt worden, und das möchte ich nicht, dass mir das passiert."

Gefährliche Hozstäube und Hörschutzvorsorge

Michael Schneiders kann sie beruhigen: Die Werte, die der Computer auf einer Grafik ausgedruckt hat, liegen im Toleranzbereich, alles ist in Ordnung. Doch Michael Schneiders möchte den Besuch nutzen und empfiehlt der Schreinerin eine sogenannte Gefährdungsbeurteilung. Schließlich ist sie beim Zurecht-Schneiden an der Säge zum Beispiel gefährlichen Holzstäuben ausgesetzt.

"Bei bestimmten Holzarten kann es zu Tumoren im Nasen-Rachenraum kommen, und dann macht man tatsächlich so kleine Spiegelung vom Nasen-Rachen-Raum, um zu gucken, wächst da zum Beispiel ein Krebsgeschwür, darauf würden wir zum Beispiel auch achten, neben einer Hörschutzvorsorge."

Arbeitsmediziner Michael Schneiders ist Angestellter des "Bundesgenossenschaftlichen Arbeitsmedizinischen Dienstes", kurz BAD genannt. Das Unternehmen bietet Firmen und Betrieben umfassende arbeitsmedizinische Dienstleistungen. Das schließt den Arbeitsmediziner, der ein auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnittenes Komplett-Programm erstellt, mit ein.

"Wir haben hier auch von der Feuerwehr Beschäftigte, die müssen ja richtig fit sein, wenn die in Einsatz gehen, haben die ja hohe körperliche Belastung, und bei denen machen wir schon noch mehr Untersuchungen. Also, nicht nur den Blutdruck, sondern auch eine Belastungs-EKG-Testung, dass wir die aufs Fahrrad setzten, die müssen richtig strampeln, zeigen, dass sie auch bei einer hohen körperlichen Belastung keine Hinweise haben auf eine Erkrankung des Herzens."

Richtige Bürostühle

Am nächsten Tag steht eine ganz besondere Begehung an. Schneiders hat sein Kommen bei den Stadtwerken Münster angekündigt, seit Langem schon ein fester Kunde von ihm. Der Arbeitsmediziner interessiert sich vor allem für das Kraftwerk, die "Herzkammer" der Stadtwerke. Denn dort erzeugen Dampfturbinen Strom, Wärme und Warmwasser für Münsters Einwohner. Stadtwerke-Sicherheitsingenieur Sebastian Hoeps erwartet ihn schon im Leitstand, das ist der Kontrollraum für die Energie-Erzeugung.

"Die Bürostühle sind entsprechend ausgestattet, spezielle 24-Stunden-Stühle, die, ja, ein bisschen mehr Komfort, mehr Einstellmöglichkeiten bieten als so ein klassischer Bürostuhl, wie man ihn sonst kennt."

Schneiders sieht sich aufmerksam um. Hier im Leitstand laufen alle Daten zusammen. Auf den zahlreichen Monitoren werden akustisch und visuell mögliche Messwert-Abweichungen angezeigt. Was den Arbeitsmediziner aber besonders interessiert: Wie sieht es aus mit den Abständen der Computer-Bildschirme, zu den Sitzplätzen und Arbeitstischen? Sind die in drei Reihen angelegten Monitore für jedermann gut einsehbar?    

"Es soll ja gewährleistet sein, dass diejenigen, die hier die Überwachungstätigkeiten ausführen, immer auf die Störungen reagieren können, dafür sollten sie auch die Monitore in allen Distanzen gut erkennen können." 

Alle Beobachtungen werden im Protokoll an Ort und Stelle schriftlich festgehalten. Auch, ob die Mitarbeiter in der lauten Arbeitsumgebung Ohrstöpsel tragen, wie vorgeschrieben. Oder ob die Hautreinigungsprodukte, in dem Fall eine Paste, auch das richtige Mittel ist gegen ölverdreckte Hände. In dem Fall lautet das Fazit: alles tipptop.

"Viele Unternehmen sind gut auf Schluff, und dann gibt’s welche, die gucken mich mit großen Augen an und hoffen, dass ich als Dienstleister jetzt alles übernehme und Verantwortung übernehme, wie läuft so ab, Arbeitsschutz in meinem Unternehmen. Denen dann klarzumachen, ne, für den Arbeitsschutz sind Sie der Verantwortliche, das ist für viele ein unangenehmes Aufwachen."

Arbeitsmediziner sind gefragt

Um Arbeitsmediziner zu werden, musste er jetzt eine fünfjährige Facharztausbildung absolvieren - die hat er bald geschafft. Nach seinen Erfahrungen in verschiedenen Krankenhäusern war ihm schnell klar: Arbeitsmediziner musste es sein! Denn der Job ist abwechslungsreich und vielseitig. 

Und was man auch nicht gering schätzen sollte: Arbeitsmediziner werden händeringend gesucht. Fast jeder zweite Betriebsarzt ist mittlerweile 65 Jahre alt oder älter, es fehlt also an Nachwuchs. Hat Michael Schneiders deshalb Angst vor Konkurrenz ? Auf gar keinen Fall:

"Also wenn jetzt 50 Ärzte hier in Münster sagen würden, komm, Arbeitsmedizin, das ist es, das will ich machen, dann hätte ich jetzt nicht die Riesenprobleme, weil ohnehin jetzt grad so viel frei wird, dass wir selber große Probleme haben, die ganze Nachfrage zu bedienen, die es gibt."

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