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ArchäologieZweifel am Ort der Varusschlacht

Eine Archäologin bearbeitet einen Fund vom Gelände des archäologischen Varusschlacht-Museums Kalkriese.  (dpa / Friso Gentsch)
Archäologische Funde vom Gelände des archäologischen Varusschlacht-Museums Kalkriese (dpa / Friso Gentsch)

Die Varusschlacht hat neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge möglicherweise doch nicht - wie bisher angenommen - in Bramsche-Kalkriese bei Osnabrück stattgefunden.

Der Archäologe Salvatore Ortisi sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", man sei aufgrund aktueller Forschungsergebnisse dazu übergegangen, von einem "Varusereignis" zu sprechen. Sein Team prüfe zurzeit, ob die Kampfhandlung im Jahr 9 n. Chr. eine große offene Feldschlacht, ein Kampf um eine römische Befestigung, ein Angriff auf ein vorbeiziehendes Heer oder ein Hinterhalt gewesen sei. Mit der Bezeichnung "Varusereignis" berücksichtige man alle derzeit denkbaren Szenarien und halte die Diskussion offen, so der Wissenschaftler von der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Hintergrund sind laut Ortisi Neubewertungen laufender Grabungen rund um das Varusschlacht-Museum in Kalkriese. Ein Wall, von dem bis vor kurzem angenommen wurde, er habe den Germanen zum Hinterhalt gedient, habe sich als Teil eines römischen Militärlagers entpuppt. Das Gelände sei zwar weiterhin als Schauplatz eines Kriegsereignisses von immenser Ausdehnung zu betrachten. Und es sei nach wie vor "der einzig echte Kampfplatz der frühkaiserlichen Germanenkriege, den wir kennen", betonte der Archäologe. Doch Forschung müsse dynamisch sein: "Wenn es neue Erkenntnisse gibt, muss man bisherige Sichtweisen hinterfragen."