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StartseiteKalenderblatt"Architekten für eine bessere Welt"25.04.2005

"Architekten für eine bessere Welt"

Vor 60 Jahren wurde in San Francisco die Gründungskonferenz der UNO eröffnet

Am 25. April 1945 begann in San Francisco die Gründungskonferenz der UNO. Am Anfang stand der Traum vom Weltfrieden. Dieser Traum ging letztlich nicht Erfüllung. Trotz UNO hat es immer wieder regionale Kriege gegeben. Die Ursache dafür lag zum Teil schon in der Satzung der UNO begründet.

Von Ralf Geißler

Der Sicherheitsrat der UNO bei einer Abstimmung. (AP)
Der Sicherheitsrat der UNO bei einer Abstimmung. (AP)

"The sun and the stars are ringing" – ein Marsch, gewidmet den Vereinten Nationen. Aufgeführt wurde er zur ersten Vollversammlung. 51 Nationen waren 1945 zusammengekommen, um die Konflikte der Erde künftig friedlich zu lösen. Schon einmal war eine weltweite Organisation zur Sicherung des Friedens gegründet worden: der Völkerbund. Doch dieser war am Desinteresse zahlreicher Staaten gescheitert. Nun sollte alles besser werden.

Mehrere Jahre hatte die Entstehung der UNO gedauert. Ihre Geschichte begann im August 1941. Die Deutsche Wehrmacht marschierte gerade Richtung Moskau, als sich der britische Premier Winston Churchill und US-Präsident Franklin D. Roosevelt auf dem Schlachtschiff "Prince of Wales" im Atlantik trafen. Churchill erinnerte sich später:

"Wir hatten einen Gottesdienst an jenem Sonntag auf dem Atlantik. Der Präsident kam auf Deck der Prince of Wales, als Hunderte amerikanische und britische Matrosen beisammen standen. Die Sonne schien hell und warm und wir stimmten die alten Hymnen an, die unser gemeinsames Erbe sind und die wir als Kinder gelernt hatten."

In dieser erhabenen Stimmung formulierten Churchill und Roosevelt die "Atlantic Charta". Darin entwarfen sie eine Friedensordnung für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Völker sollten selbstbestimmt leben können, der Handel frei sein und niemand mehr ein anderes Land angreifen. 26 Staaten schlossen sich der Erklärung an. Noch während des Krieges erhielt die Idee für eine internationale Gemeinschaft klare Konturen. Am 25. April 1945 trafen sich Diplomaten der ganzen Welt zur Gründungskonferenz der UNO in San Francisco. Der neue US-Präsident Harry Truman begrüßte sie:

"Als Mitglieder dieser Konferenz sind Sie die Architekten für eine bessere Welt. In Ihren Händen liegt unsere Zukunft. Durch Ihre Arbeit kann die leidende Menschheit einen gerechten und anhaltenden Frieden erreichen. Wir müssen sicherstellen, dass ein weiterer Krieg unmöglich wird."

Doch Truman wollte keineswegs eine Organisation, in der alle Staaten gleich sind. Schon vor der Konferenz hatten die USA gemeinsam mit der Sowjetunion, China und Großbritannien eine Satzungsvorlage erarbeitet und sich darin eine Vormacht-Stellung gesichert. Der Entwurf sah die Einrichtung eines Weltsicherheitsrates vor. Darin beanspruchten die vier Großmächte einen ständigen Sitz und ein Veto-Recht, mit dem sie künftig alle Entscheidungen der Weltgemeinschaft blockieren konnten. Die Diplomaten der Gründungskonferenz änderten an dieser Vorlage nur noch Details. Zum Abschluss der Konferenz war Truman zufrieden:

"Vor fast neun Wochen haben Sie sich in San Francisco versammelt. Auf Ihnen ruhte die Hoffnung und das Vertrauen aller friedliebenden Menschen der Welt. Sie haben das Vertrauen genutzt und die Hoffnungen erfüllt. Die Charta der Vereinten Nationen ist eine solide Grundlage auf der wir eine bessere Welt aufbauen können."

Am 24. Oktober 1945 trat die Charta in Kraft. Als erster UNO-Generalsekretär wurde der Norweger Trygve Lie vereidigt:

"Ich, Trygve Lie, schwöre feierlich, die Funktion, die mir als Generalsekretär anvertraut wurde, gewissenhaft, in Loyalität und mit Taktgefühl auszuüben."

In den Anfangsjahren wurde die UNO von den USA dominiert. Die Amerikaner investierten das meiste Geld und bestimmten damit die Richtung. Die Sowjetunion machte rege von ihrem Veto-Recht Gebrauch. Albert Einstein forderte deshalb schon 1946 eine Weltregierung statt der UNO:

"Die heutige UNO hat weder die militärische Macht noch die gesetzliche Grundlage international für Sicherheit zu sorgen. Sie sorgt auch nicht für eine gerechte Verteilung von Macht. Wirkliche Macht liegt in den Händen weniger Staaten. In ihrer jetzigen Form ist die UNO keine Weltregierung. Denn ihre Beschlüsse und Entscheidungen sind für die einzelnen Regierungen nicht bindend."

So Recht Einstein auch hatte, die Großmächte scherten sich nicht um seine Kritik. Der Traum vom Weltfrieden blieb unerfüllt. Während des Kalten Krieges nutzten die Sowjetunion und die USA die UNO für ihre Interessen. Viele Jahre blockierten sie mit ihrem Veto auch den Beitritt der beiden deutschen Staaten. Das änderte sich erst mit Beginn der Entspannungspolitik. 1973 wurden die DDR und die Bundesrepublik Mitglieder der UNO.

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