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StartseiteForschung aktuellCorona-Pandemie beeinflusst Crew-Wechsel auf der Polarstern23.03.2020

Arktis-Expedition MOSAiCCorona-Pandemie beeinflusst Crew-Wechsel auf der Polarstern

Seit Mitte Oktober 2019 driftet der Forschungseisbrecher Polarstern eingefroren im Meereis durch das Nordpolarmeer. Aber auch die Expedition in der Arktis ist von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen, die den routinemäßigen Wechsel der Forschungsmannschaft verzögert.

Von Monika Seynsche

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Das auf einer Eisscholle eingefrorene Forschungs-Schiff "Polarstern" drifttet ein Jahr lang durch das Nordpolarmeer. (Copyright Lukas Piotrowski / Alfred-Wegener-Institut )
Das auf einer Eisscholle eingefrorene Forschungs-Schiff "Polarstern" drifttet ein Jahr lang durch das Nordpolarmeer. (Copyright Lukas Piotrowski / Alfred-Wegener-Institut )
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Markus Rex ist Atmosphärenphysiker am Alfred-Wegener-Institut in Potsdam und leitet die MOSAiC-Expedition. Eigentlich wäre er gerade auf dem Rückweg zur Polarstern, auf der er bis Dezember die erste Phase der Expedition verbracht hat. Tatsächlich aber ist er immer noch in Deutschland – und verbringt seine Zeit damit, mit Gesundheitsbehörden zu telefonieren.

"Wir haben das Expeditionsteam der zweiten Phase auf der Rückreise von unserer Polarstern. Die befinden sich auf einem Eisbrecher noch im Eis, werden gerade nochmal mit Treibstoff versorgt für den restlichen Rückweg, sollten dann aber in wenigen Tagen in Tromsö ankommen. Nun ist das auch eine internationale Mannschaft, die wird in Tromsö so erstmal gar nicht an Land gehen können, weil Norwegen nationale Einreisebeschränkungen hat, und Tromsö lokal darüber hinaus nochmal striktere Einreisebeschränkungen hat."

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Deshalb erhält der Eisbrecher mit den Rückkehrern an Bord zurzeit so viel Treibstoff, dass er zur Not auch andere Häfen in anderen Ländern ansteuern könnte, falls es Markus Rex und seinen Kollegen gelingt, bei den dortigen Gesundheitsbehörden Ausnahmegenehmigungen zu bekommen. Noch gibt es allerdings keine Zusage irgendeines Landes.

Quarantäne-Fall verhindert Forschungsflüge von Spitzbergen

"Das zweite Element, was uns sehr beschäftigt hat, ist eine wissenschaftliche Flugzeugkampagne: Wir wären im Moment eigentlich dabei, mit unseren Forschungsflugzeugen von Spitzbergen aus wissenschaftliche Flüge auch bis hin zur Polarstern durchzuführen, dort zu landen, wieder aufzutanken und weitere Wissenschaft zu machen.

Diese Flüge waren schon Anfang März verschoben worden, da unter den beteiligten Forschern ein Corona-Fall aufgetreten war. Daraufhin mussten alle Kollegen, die mit ihm Kontakt hatten in Quarantäne. Die ist seit dem vergangenen Freitag vorbei, so dass nun theoretisch alle fliegen könnten. Aber jetzt gibt es ein neues Problem.
 
Dazu hätten wir ein internationales Team in Spitzbergen zusammenziehen müssen und Spitzbergen ist eine Inselgruppe etwa auf dem halben Weg zwischen dem Nordkap und dem Nordpol - ein Außenposten der Menschheit, bisher frei von Corona. Und die haben sich komplett isoliert und wir können da jetzt natürlich kein internationales Team zusammenziehen. Da führt kein Weg hin, deswegen mussten wir diese wissenschaftliche Flugzeugkampagne - diese erste Phase, die in diesem Frühjahr stattfinden sollte - jetzt erstmal verschieben. Wir hoffen, dass wir vielleicht später im Sommer, im Herbst dann weitere wissenschaftliche Flüge machen können."

Starkes Meereis verzögert Austausch von Wissenschaftlern

Mit einem dieser Forschungsflugzeuge wollte eigentlich auch Markus Rex selbst gerade auf dem Rückweg zur Polarstern sein. Das Meereis rund um das Schiff ist mittlerweile so dick, dass Eisbrecher es nicht mehr erreichen können. Deshalb war auch der im April anstehende nächste Austausch der kompletten Expeditionsmannschaft mit Flugzeugen geplant. 
 
"Diese Flugzeugoperationen sind nur über Spitzbergen möglich, nur dort sind wir dicht genug dran an dem Schiff, um dann auch die Reichweite mit den Flugzeugen zu haben. Und auch das wird sehr sehr schwer, wenn nicht unmöglich sein, solche Flüge über Spitzbergen im Moment mit einem internationalen Team zu organisieren. Auch da sind wir auf allen Kanälen dabei, mit den Behörden der beteiligten Länder oder auch über mögliche Ausweichrouten zu reden, um zu sehen, was geht. Und wir versuchen da Möglichkeiten zu finden, um jetzt die Expeditionsmannschaft zwischen der dritten und der vierten Phase auch wieder auszutauschen."

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Hauke Flores ist ein Mitglied genau dieser vierten Phase der Expedition. Er ist Meereisökologe am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und sitzt auf gepackten Koffern.

"Also der Plan ist, dass wir vor allen Dingen unsere Zeitreihen von faunistischen Arbeiten, also Arbeiten mit Tieren, weiter fortsetzen. Wir wollen ja das Vorkommen, und auch den Nahrungsbedarf und die Tiefenverteilung der Tiere im arktischen Ozean über ein ganzes Jahr hinweg beobachten. Das ist die einzigartige Möglichkeit, die wir mit Mosaic haben. Und mein Hauptaugenmerk liegt da eigentlich auf zwei Dingen: Einmal die kleinen Tierchen zu beproben, die an der Eisunterseite leben und auch von den Substanzen, die von Mikroorganismen im Eis hergestellt werden, leben. Und zum anderen auch im Rahmen eines EU-Projekts das Vorkommen von Fischen im arktischen Ozean zu untersuchen. Das sind Fische, die an der Eisunterseite leben, wie der Polardorsch, aber auch Fische, die in größeren Tiefen vorkommen."

Einschleppung des Corona-Virus auf die Polarstern verhindern

Damit betreten Hauke Flores und seine Kollegen wissenschaftliches Neuland, denn über Fische im zentralen arktischen Ozean weiß man bis heute so gut wie nichts. Dabei sind sie von zentraler Bedeutung für die Nahrungskette in diesen Gewässern. Aber bevor Hauke Flores mit seiner Arbeit beginnen kann, muss es dem Expeditionsleiter Markus Rex erst einmal gelingen, Sondergenehmigungen zu bekommen, um das internationale Forscherteam auf das Schiff bringen zu können. Dabei ist es schon aus purem Selbstschutz wichtig, dass keiner der neuen Expeditionsteilnehmer infiziert ist.

"Das ist natürlich eine ganz, ganz hohe Priorität von uns. Erstmal sicherzustellen, dass wir kein Virus in das Expeditionsteam an Bord der Polarstern einschleppen, das wäre eine Situation mit der wir nur sehr schwer umgehen könnten. Wir haben eine Isolierstation an Bord der Polarstern, trotzdem ist es sehr sehr schwer, die Ausbreitung eines Virus an Bord eines Schiffes zu verhindern, deswegen tun wir im Moment alles, um zu verhindern, diesen Virus dort einzuschleppen."

Den Forschern, die auf dem Weg zur Polarstern sind, stehen vor ihrer Abreise also in jedem Fall längere Quarantänezeiten und mehrfache Tests auf das neue Coronavirus bevor.

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